Liquidität und die Märkte
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 4. Januar 2011, 20:00 Uhr
ENL5454
Wir alle wissen, dass insbesondere die FED die Märkte mit Liquidität überschüttet, denn das ist traditionell die einzige Antwort, welche die US-Notenbank auf alle Probleme hat. War die erste Runde der FED-Politik der unbedingten Liquiditätszufuhr noch begründbar, um damals direkt in der Krise die ausgetrockneten Märkte zu bewässern, so ist sie heute aber zu einem gefährlichen Mittel geworden.
Bereits im August 2010 begann die FED sich zunächst moderat auf den erneuten Aufkauf von US-Staatsanleihen vorzubereiten (ich berichtete am 11.August). Im September folgte dann die indirekte Ankündigung der FED, die QE-Maßnahmen voraussichtlich im November weiter zu führen. Und seit November wissen wir, dass die FED weitere 600 Milliarden US-Dollar dazu verwendet um US-Staatsanleihen aufzukaufen.
Die Folgen aus der unbedingten Liquiditätsüberschwemmungspolitik sehen wir an den Märkten, mit ihren steil steigenden Kursen und Preisen, denn, fehlende Liquidität ist schon seit längerem nicht mehr das Problem der Banken und Großinvestoren, sondern eher das Kapital (aber dazu ein anderes Mal mehr).
Das Übermaß an bereitgestellter Liquidität fließt direkt in die Märkte, die höhere Renditen bieten, als Staatsanleihen überschuldeter Staaten, mit ihrer Niedrigzinspolitik und führt neben steigenden Rohstoffpreisen und Aktienkursen noch zu weiteren Auswirkungen, die aber wiederum die Nachfrage nach sicheren und realen Investitionen begünstigen. Ich spreche von der Inflation!
Ich denke, wir können die deflationären Aspekte in den westlichen Ländern langsam ad acta legen, aber auch, wenn die Inflationsgefahren von offizieller Seite im Westen nach wie vor als gering angesehen werden, so sieht die Realität doch anders aus. Die Realität können wir bereits jetzt zum Beispiel in China beobachten. Die wachstumsstarke Volkswirtschaft ist, wenn ich mich einmal so ausdrücken darf, nur eine der bevorzugten "Anlagen", in welche Investoren verstärkt ihre Liquidität hinfließen lassen. Die Folgen: regional steigende Immobilienpreise und überhaupt steigende Preise, auch in Verbindung mit steigenden Rohstoffpreisen. China kämpft bereits jetzt mit einer Inflationsrate von über 5%.
Doch China ist keine isolierte Volkswirtschaft, sondern eine globale Wirtschaftsmacht und genau so, wie Notenbank-Liquiditätspolitik in den USA, die steigende Teuerung in China begünstigt, wird am Ende Chinas Teuerung über steigende Preise und steigende Rohstoffpreise auch wieder in anderen Teilen der Welt zurückschlagen.
So ist im Umkehrschluss auch dieser Umstand, ein weiterer, der das wachsende Investitionsinteresse an Rohstoffen und Aktien begünstigt und für steigende Preise und Kurse sorgt.
So long liebe Leser....morgen wollen wir uns ansehen, wohin dieser Weg uns in 2011 führen könnte...außerdem werde ich in einer der kommenden Ausgaben aufgrund einer Leseranfrage noch einmal gezielt auf die entsprechenden Zusammenhänge zwischen der Liquiditätspolitik und dem Zufluss in die Emerging Markets eingehen...bis morgen und liebe Grüße..
Ihre Miriam Kraus
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