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Warum Aktien kaufen? Welche Vorteile und Renditen bringen Aktien?
„Wer ruhig schlafen will, kauft Renten, wer gut leben will, kauft Aktien“, sagt Börsenaltmeister Andre Kostolany. Bezogen auf Emittenten von Anleihen mit höchster Kreditwürdigkeit wie Deutschland, Schweiz oder den skandinavischen Staaten mag das gelten. Aber auch nur, wenn man die Anleihen gegebenenfalls bis zum Ende der Laufzeit halten kann und will. Da sind bei deutschen Bundesanleihen etwa 2,5 Prozent Zins im Jahr bei Laufzeiten von 10 Jahren drin. Inklusive Zinseszins kommt man in zehn Jahren auf eine Rendite von 28 Prozent. Bei jährlichen Inflationsraten um 2,5 Prozent gibt es unter dem Strich real betrachtet keinen Zugewinn.
Aktien sind anders. Der breite deutsche Aktienmarkt mit dem DAX brachte in den sechs Monaten zwischen Juni 2012 und Dezember 2012 ein Plus von 30 Prozent.
Chancen und Gewinne mit Aktien
30 Prozent in sechs Monaten – geht das immer so weiter? Was können Anleger mit Aktien verdienen? Zwar gibt es bei Einzelwerten immer wieder Kursexplosionen um 100 oder 200 Prozent in wenigen Monaten – doch solche Extrembeispiele sind seltene Glücksfälle auf die man sich nicht konzentrieren sollte. Wer solide investieren und seriös kalkulieren will, achtet auf den breiten Markt und die langfristige Entwicklung.
Langfristig betrachtet sehen die Gewinnperspektiven von Aktien folgendermassen aus: Der S&P 500 – der US-Aktienindex enthält die 500 grössten Firmen der USA aus den wichtigsten Wirtschaftszweigen – kletterte von einem Startwert von 10 Punkten im Jahr 1941 bis Ende 2012 auf 14500 Punkte. Das ist ein Plus von 14.400 Prozent, das 145fache oder ein Plus von 7,4 Prozent pro Jahr.
7,4 Prozent Plus pro Jahr klingt angesichts des enormen Zugewinns bescheiden. Auf lange Sicht von 70 Jahren macht sich der Zinseszinseffekt gewaltig bemerkbar. Der deutsche Leitindex DAX vervierfachte sich in den letzten 20 Jahren von rund 2000 auf 8000 Punkte Ende 2012. Das ist ein jährliches Plus von 7,1 Prozent.
Aktien und Dividenden
Ein Thema gehört zu Aktien wie die Sonne zum Sommer: Die Dividenden. Anders als bei festverzinslichen Papieren – bei denen es von Anfang an fest vereinbarte jährliche Zinsen gibt – erhalten Aktionäre eine Beteiligung am Unternehmenserfolg, am Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres. In 2012 zahlt man beispielsweise die Dividende für das Geschäftsjahr 2011.
Je nach Ausschüttungspolitik eines Unternehmens und der Höhe des Gewinns fallen Dividenden hoch aus. Im Durchschnitt im DAX kommen die Aktionäre der 30 Indexmitglieder auf jährliche Rendite von etwa 2,0 bis 2,5 Prozent. Manche Firmen zahlen wesentlich mehr. Versorger oder Energieunternehmen wie E.ON, Telefongesellschaften wie die Deutsche Telekom oder Versicherer wie Allianz bieten nicht selten Dividendenrenditen von 4,0 Prozent und mehr.
ex Dividende
Deutsche Aktiengesellschaften überweisen die Dividende am Tag nach der Hauptversammlung auf das Konto der Aktionäre. Wer in den Genuss der Zahlung kommen will, muss die Aktie spätestens am Ende des Tages der Hauptversammlung kaufen. Am Tag der Zahlung wird die Aktie an der Börse ohne Dividendenanspruch – im Fachjargon „ex Dividende“ – gehandelt. Wer jetzt einsteigt hat die Ausschüttung für das abgelaufene Geschäftsjahr verpasst.
Bei der Dividende gibt es bei manchen Unternehmen einen Unterschied zwischen der Zahlung für die Stamm- und der für die Vorzugsaktien. Die meisten Firmen haben inzwischen nur eine Aktiengattung. Gibt es aber Stämme und Vorzüge, so sind die Vorzüge unter Dividendengesichtspunkten attraktiver. Anleger verzichten bei diesen Papieren im Gegenzug dazu auf ihr Stimmrecht bei der Hauptversammlung und bekommen dafür eine erhöhte Dividende sowie nicht selten einen Nachzahlungsanspruch für Jahre, in denen die Zahlung ausgefallen ist.
Was sind Aktien?
In medias Res: Mit Festverzinslichen haben Sparer und Anleger kaum Berührungsängste. Als Schulkind in der ersten oder zweiten Klasse bekommen die meisten ihr erstes Sparbuch und haben früh mit ersten jährlichen Zinsgutschriften zu tun. Aktien dagegen sind für viele Anleger tabu, da unbekannt.
Aktien als Beteiligung an Unternehmen
Dabei sind Aktien kein Buch mit sieben Siegeln. Es sind Anteile an Unternehmen. Der Ausgangspunkt für die Gründung einer Aktiengesellschaft – kurz AG – ist eine Idee, eine Erfindung, ein Patent oder ein Produkt. Auch eine bestehende Firma kann man in eine AG umwandeln.
Ziel der Gründung einer AG ist die Beschaffung von Kapital zur Finanzierung des Geschäftszwecks oder von Expansion. Nach der Gründung kommen AGs durch ein Listing oder einen IPO – kurz für Initial Public Offering, dem erstmaligen öffentlichen Angebot der Aktie eines Unternehmens – an die Börse. Bekannte Neuemissionen waren beispielsweise die Deutsche Telekom 1996 oder die Deutsche Post im Jahr 2000.
Wie viele AGs gibt es?
Während im Handelsregister in Deutschland Tausende von AGs eingetragen sind, handelt man nur die Aktien von etwa 1.000 Unternehmen an der Börse. Dazu kommen noch mehr als 10.000 Aktien von Firmen weltweit. Nicht nur aus Europa, sondern auch aus den USA, Russland, China und zum Teil exotischen Ländern.
Dabei haben die deutschen AGs in aller Regel ihren Firmensitz in Deutschland. Die ausländischen Gesellschaften haben ihre Heimatbörse – die Leitbörse – im jeweiligen Land des Firmensitzes. Der Preis der ausländischen Aktien – der Kurs – orientiert sich annähernd 1:1 am Kurs im Heimatland – immer in die heimische Währung des jeweiligen Umtauschverhältnisses umgerechnet. Allerdings kann es Abweichungen beim umgerechneten Kurs zwischen der Heimatbörse und deutschen Handelsplätzen geben. Anleger nutzen das für Arbitrage.
Welche Nachteile, Gefahren und Risiken haben Aktien?
Aktien liefern langfristig betrachtet am breiten Markt im DAX hohe Gewinne. Aber wo es hohe Gewinne oder Chancen gibt, lauern auch erhöhte Gefahren und Risiken. Das müssen sich Anleger ins Gedächtnis schreiben: Um so höher die Chancen – sprich Renditeerwartungen – um so grösser sind die Risiken! Bei Aktien gibt es drei Risiken: Da ist zum einen das operative, das allgemeine Unternehmerrisiko.
Die Geschäfte eines Unternehmens können schlecht oder gut laufen, die Gewinne können sprudeln oder es kann hohe Verluste geben. Eine AG kann insolvent und liquidiert werden. Zumindest mittel- bis langfristig betrachtet – ab einem Zeitraum von zwei Jahren – spiegelt der Aktienkurs die operative Entwicklung eines Unternehmens zumindest zwischenzeitlich exakt wider. Läuft es gut im Unternehmen steigen die Kurse, läuft es schlecht, fallen die Notierungen. Im Extremfall kann der Kurs einer Aktie in den Bereich von 0,0 fallen, also mehr oder weniger Totalverlust bringen.
Im anderen Extrem können die Kurse bei exzellentem Geschäftsgang explodieren und sich vervielfachen. Man beobachtet, dass die Kurse die tatsächliche Entwicklung im Unternehmen um Monate vorausnehmen. Im Vorfeld spekulieren Anleger dabei auf gute Nachrichten. Nach dem Motto „buy on rumors sell on the news“ werden die Aktien bei Eintreten der guten Daten verkauft. Nicht selten fällt der Kurs trotz schöner Zahlen.
Allgemeines Marktrisiko: Kriege, Rezessionen und und und ...
Das zweite Risiko, mit dem Aktionäre konfrontiert werden, ist das allgemeine Marktrisiko. Politische Entscheidungen, Kriege, Katastrophen, eine Rezession und Wirtschaftskrisen, soziale Unruhen, Embargos etc. – die Liste der Gründe, die zum Kursrutsch am breiten Aktienmarkt führen kann ist endlos. Fast immer haben die Bewegungen an der Börse mit Psychologie zu tun. Es gibt Übertreibungen – Phasen der Gier oder Panik – mit extrem hohen oder tiefen Kursen.
Ein weiteres Risiko besteht in geringer Liquidität einer Aktie an der Börse, also geringem Handelsvolumen aufgrund geringer Nachfrage. Das ist bei kleineren Nebenwerten – den Small oder Micro Caps – immer wieder zu beobachten. Es kann passieren, dass es zeitweise – über Tage oder Wochen – kaum Angebot und Nachfrage nach solchen Werten gibt. Wer in solchen Phasen verkaufen oder kaufen will, muss unter Umständen deutliche Kursabschläge beim Verkauf oder Kursaufschläge beim Kauf hinnehmen.
Besonders in allgemein schlechten Börsenphasen leiden kleinere Nebenwerte unter dieser Liquiditätsproblematik. In Krisenzeiten bevorzugen Anleger lieber sichere Investments und schmeissen weniger liquide Titel vorsichtshalber aus dem Depot. Das führt in Crashzeiten nicht selten zu weiteren Kurseinbrüchen bei Nebenwerten.