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Kurs-Cash-Flow-Verhältnis KCV bei der Aktienanalyse

In der Aktienanalyse ist das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) viel beachtet. Es weist viele Analogien zum KGV auf und zeichnet sich durch wesentliche Unterschiede aus. Man berechnet es, in dem man den Kurs durch den Cash Flow pro Aktie dividiert.

Die Interpretation des KCV funktioniert genauso wie beim KGV. Es macht Unternehmen verschiedener Größe vergleichbar, indem es auf eine gemeinsame „Maßeinheit“ normiert. Es drückt aus, wie viel der Anleger für eine Einheit Cash Flow „bezahlen“ muss.

Wie beim KGV gilt grundsätzlich: Je niedriger desto besser. Das gilt, sofern eine niedrige Bewertung nicht in anderen Ursachen – etwa geringere Kapitalrendite und geringeres Wachstum – begründet liegt. Es mitunter nicht leicht, die vermutlich einfach strukturierte Formel mit Leben zu füllen.

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV): Operativer Cash Flow als Grundlage

Unkritisch ist der Kurs. Für Zukunftsbetrachtungen zieht man den aktuellen Kurs heran. Für Analysen sind zurückliegende Jahre wichtig – der jeweilige Jahresschlusskurs wird genommen.

Beim KCV sind es die Zukunftsperspektiven, die von Interesse sind. Analysten schätzen regelmäßig den Cash Flow je Aktie, der in Verbindung mit dem aktuellen Kurs zu einem zukünftigen Kurs-Cash-Flow-Verhältnis herangezogen wird.

Etwas mehrdeutig ist der Begriff Cash Flow. Gemeint ist der operative Cash Flow. Mit der Kennzahl nimmt man das Verhältnis vom Kurs zum Einzahlungsüberschuss aus der Betriebstätigkeit unter die Lupe. Im Gegensatz zum KGV, wo man letztlich mit Gewinn je Aktie ein bereinigtes Nettoergebnis zur Beurteilung heranzieht, fokussiert sich das KCV auf Bemessung betrieblicher Vorgänge.

Wieso nicht der Free Cash Flow?

Es gibt zwei kritische Anmerkungen:

1. Die Investitionen gehören zum operativen Geschäft. Anders als in der GuV schlagen sie sich in der Cash-Flow-Rechnung nicht kontinuierlich jährlich nieder, sondern einmalig bei der Anschaffung in Form einer Auszahlung. Diese verbucht man im Cash Flow als Investitionstätigkeit und mindert damit nicht den operativen Cash Flow.

2. Hieraus ergibt sich, dass man vereinzelt den Free Cash Flow je Aktie zur Berechnung heranzieht. Der Free Cash Flow ist der operative Cash Flow abzüglich Investitionen. Damit haben wir das geschilderte Problem umschifft. Zudem ist der Free Cash Flow die Verfügungsmasse, aus derer die Kapitalgeber bedient werden können. Für den Aktionär ist er interessanter als der operative Cash Flow. Umgekehrt ist der Free Cash Flow durch die Verschiebung von Investitionen stärker manipulierbar als der operative Cash Flow.

Stärken und Schwächen des KCV

In der Finanzpraxis hat sich zur Ermittlung der Kennzahl der operative Cash Flow durchgesetzt. Worin liegen die Unterschiede und der Mehrwert gegenüber dem KGV? Der zentrale Vorteil des KCV besteht darin, dass es sich für Unternehmen ermitteln lässt, die Verluste schreiben.

Voraussetzung ist ein positiver operativer Cash Flow. Diese Hürde ist schneller genommen, als die Gewinnschwelle auf Nettoebene. Immerhin liegt das EBITDA höher als der Nettogewinn.

Geringere Anfälligkeit des Cash Flow für Bilanzpolitik läuft beim KCV ins Leere

Als weiterer Vorteil des KCV gilt die geringere Manipulierbarkeit des Cash Flow. Ermessenspielräume bei der Bilanzierung beeinflussen den Cash Flow nicht, die dem Gewinn einen Schritt in die gewünschte Richtung verhelfen.

Retrospektiv trifft das für die Größe des Cash Flow zu. Der Veränderung des Cash Flow verglichen mit der Veränderung des Gewinns können auf Basis veröffentlichter Daten Indizien für die Nutzung von Wahlrechten liefern.

Entscheidender ist an der Börse der Blick nach vorne. Hier scheint es schwer vorstellbar, dass die Analysten antizipieren, welche Wahlrechte Unternehmen nutzen, die im Cash Flow nicht zum Tragen kommen.

Es ist nicht möglich einem geschätzten Cash Flow eine größere Aussagekraft zu bemessen, als einem prognostizierten Gewinn. Es können sich aus der Kombination der beiden Kennzahlen hilfreiche Erkenntnisse ergeben. Dies bezieht sich stärker auf die Analyse der Vergangenheit. Bewegen sich im Zeitablauf KGV und KCV kontinuierlich auseinander, sollte dies Anlass zur Vorsicht sein.

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Über den Autor Investor Verlag

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