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Optionen für Einsteiger: Keine Angst vor Optionen

Optionen sind schwierigere Instrumente. Doch gäbe es keine Optionen, könnten Sie keine Warrants, also Optionsscheine, handeln.

Die Welt der Zertifikate wäre überschaubarer. Optionen sind in Deutschland nicht weit verbreitet (und oft mit Optionsscheinen verwechselt) und stellen einen großen Teil des Fundaments der Emittenten von Optionsscheinen und Zertifikaten dar.

Was ist eine Option?

Eine Option ist ein Wettvertrag, den sie eingehen. So ist beispielsweise eine Call-Option eine Wette darauf, dass ein bestimmter Wert in einem klar definierten Zeitfenster steigt. Ob Sie es glauben oder nicht – auch Sie haben in Ihrem Leben vielleicht schon mit Optionen gehandelt.

Ein Call-Optionskauf ist wie der Kauf eines Hauses

Dazu eine frei erfundene Geschichte: Thomas will sich, zusammen mit seiner Frau, ein Haus in Heidelberg kaufen. Er besucht einen Immobilienmakler und findet ein Objekt direkt am Neckar; 350.000 € soll das Haus kosten. Leider kann Thomas aus beruflichen Gründen erst im Juli 2009 nach Heidelberg ziehen. Der Immobilienmakler unterbreitet ihm folgenden Vorschlag:

„Kein Problem. Sie zahlen mir 10.000 € und bekommen von mir die Sicherheit, im Juli 2009 das Haus für 350.000 € kaufen zu können. Sie können bis zum Juli 2009 jederzeit vom Kauf zurücktreten. Die Anzahlung erhalten Sie allerdings nicht zurück.“

Im Frühjahr 2009 fallen aufgrund der weltweiten Krise die Häuserpreise in Heidelberg drastisch. Einen Monat vor dem Umzug macht Thomas‘ Frau ihn darauf aufmerksam, dass die Häuserpreise in Heidelberg innerhalb des letzten Jahres um ca. 1/3 gefallen sind.  Thomas überlegt – ein vergleichbares Objekt, das vor der Krise 350.000 € kostete, ist jetzt für ca. 245.000 € erhältlich. Sein vereinbarter Kaufpreis beträgt nach wie vor 350.000 €.

Thomas beschließt, den Kauf zu annullieren. Aufgeregt macht ihn der Immobilienmakler darauf aufmerksam, die 10.000 € aber nicht zurückzuerstatten. Das stört Thomas nicht. Er lacht sich ins Fäustchen, er hat 95.000€ gespart (350.000 € – 245.000 € – 10.000 € = 95.000 €).

In diesem Beispiel muss ich anmerken, dass Thomas‘ „Call-Option“, das Recht, das Haus im Juli 2009 für 350.000 € zu kaufen, wertlos verfiel. Nur durch einen derart starken Preisverfall konnte Thomas Geld sparen, weil er den Basiswert, also das Haus, auf jeden Fall kaufen wollte.

Übertragen auf den Kauf von Aktien stellt sich die Situation ein wenig anders dar. Meist möchte ein Käufer einer Call-Option den eigentlichen Wert nicht erwerben, sondern auf eine Preissteigerung setzen. Tritt diese nicht ein, ist die Option wertlos.

Was wäre geschehen, wenn das Haus im Wert gestiegen wäre?

Was wäre geschehen, wenn das Haus um 30.000 € im Wert gestiegen wäre, bis Thomas es kaufen möchte? Die Rendite wäre stark geworden, durch das Setzen von 10.000 € als Prämie an den Makler für das Kaufrecht hätte Thomas einen Gewinn von 20.000€ erzielt, da er das neue Haus effektiv für 360.000 € (Hauspreis + Optionsprämie an den Makler) hätte kaufen können, obwohl es 380.000 € wert ist.

Durch kleine Sicherungsleistungen kann mit Optionen eine starke Hebelwirkung erzielt werden, wobei das Verlustrisiko im Standardfall begrenzt ist, nämlich auf die Optionsprämie. Schließlich ist eine Option für den Käufer des Kontraktes ein Recht und keine Pflicht (anders sieht es für den Verkäufer einer Option aus.

Put-Optionskauf – in unruhigen Börsenzeiten sollten Sie sich versichern

Juli 2007 – infolge der amerikanischen Subprime-Krise steigt die Volatilität an der Börse sprunghaft an. Immer mehr Hedgefonds und Banken melden Milliardenabschreibungen. Einige sind nicht mehr zu retten und gehen bankrott. Die Börse zeigt sich hochnervös. Sie erwarten fallende Kurse.

Wäre es nicht genial, wenn es eine Versicherung gäbe, die Ihnen folgendes Angebot unterbreiten würde? „Lieber Anleger, für nur 500 € versichern wir Ihre Siemens-Aktien gegen fallende Kurse. Je tiefer der Kurs des Wertpapiers fällt, desto mehr Geld erstatten wir Ihnen.“

Skeptisch lesen Sie das Kleingedruckte: „Ihr Versicherungsschutz läuft automatisch im Dezember 2007 aus. Sie können während oder am Ende dieses Zeitrahmens Ihre Versicherungsleistung einlösen. Voraussetzung: Der Kurs von Siemens ist wirklich gefallen.“ Klingt das interessant? Willkommen in der Welt der Optionen und Optionsscheine.

Verschiedene Ausübungsrechte bei Optionen

Wir unterscheiden zwischen amerikanischen und europäischen Optionen. Es geht lediglich um die Optionsart bzw. die Ausübungsmodalitäten, nicht um den geografischen Kontinent oder gar das Herkunftsland einer Option. Die Namen „europäisch“ und „amerikanisch“ haben traditionelle Bedeutung.

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Optionsarten ist, dass Sie bei amerikanischen Optionen als Besitzer jederzeit Ihr Recht ausüben können, während Sie bei europäischen Optionen dies nur zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt/Zeitraum möglich ist. Ich selbst handele zu 95% mit amerikanischen Optionen und nahezu alle meine Ausführungen in dieser Serie gehen von amerikanischen Optionen aus.

Zwei Parteien und die Bank geht leer aus

Im Gegensatz zu Optionsscheinen werden Optionen nicht von Banken emittiert, sondern von privaten oder institutionellen Anlegern direkt „geschrieben“. Das bedeutet, dass jeder von Ihnen an der Börse Optionen verkaufen kann (vorausgesetzt, Sie verfügen über die entsprechende Freigabe durch Ihren Broker).

Es gibt den Käufer und den Verkäufer der jeweiligen Option. Der Verkäufer schreibt eine Option und bietet diese zum Kauf an der Börse an. Der Käufer erwirbt das entsprechende Recht. Hierbei entstehen verschiedene Rechte und Pflichten.

Der Handel mit Optionen erfolgt reguliert und über Börsen und das Risiko, welches Sie mit Optionen haben, hängt von der Strategie ab, welche Sie aus der Vielzahl der Möglichkeiten wählen. Optionen können sowohl risikominimierend als auch risikoerhöhend eingesetzt werden.

Optionen für Einsteiger: Die beiden Seiten im Optionsgeschäft

Nun werfen wir einen Blick auf die beiden Seiten beim Optionsgeschäft. Es gibt Call-Optionen und Put-Optionen.

… aus der Sicht der Käufers

Bei einer Call-Option hat der Optionskäufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Aktie am Ende eines bestimmten Zeitraumes zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Ein hypothetisches Beispiel (weder Kaufempfehlung, noch aktuelle Preise der Option):

Mit dem 2009, Jan, $35 Call auf Microsoft haben Sie das Recht, bis zum Verfallstag im Januar 2009 100 Aktien von Microsoft für $35 zu kaufen. Nehmen wir an, für dieses Recht zahlen Sie $125. Steht Microsoft zu diesem Zeitpunkt bei $50, machen Sie pro Aktie $15 Gewinn. Da sich ein Optionskontrakt IMMER auf 100 Aktien bezieht, wären das $1500 Gewinn ($50-$35 = $15 x 100 = $1500) für einen einzigen Kontrakt (abzgl. der Optionsprämie).

Was machen Sie, wenn Microsoft am Verfallstag bei $30 steht? Würden Sie den Kontrakt ausüben? Sicher nicht. Das wären ja $500 Verlust ($30 – $35 =-$5 x 100 = -$500). Keine Angst: Sie können nicht mehr als Ihren Einsatz verlieren. Da Sie den Kontrakt für $125 gekauft haben, ist das gleichzeitig Ihr Maximalverlust, Sie haben ja nicht die Pflicht, Ihre Option auszuüben.

Das Ausübungsrecht einer Option können Sie an der Börse vom Prinzip her handeln wie eine Aktie. Der Preis einer Option hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab, sondern hauptsächlich von der Wertentwicklung des Basiswertes selbst.

Wie schon erwähnt gibt es neben der Call- auch die Put-Option. Bei einer Put-Option hat der Optionskäufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Aktie am Ende eines bestimmten Zeitraumes zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen. Ein weiteres, hypothetisches Beispiel:

Mit dem 2010, Jan, 17.50 Put auf American Express haben Sie das Recht, bis zum Jan 2010 zu einem Zeitpunkt Ihrer Wahl 100 Aktien von American Express für $17.50 pro Stück zu verkaufen. Sagen wir, für dieses Recht zahlen Sie $380 (der Preis hängt von mehreren Faktoren ab).

Steht American Express zu diesem Zeitpunkt bei $7.50, machen Sie pro Aktie $10 Gewinn. Kumuliert ergibt das stolze $1000 Gewinn ($17.50-$7.50 = $10 x 100 = $1000) für einen einzigen Kontrakt (abzüglich der Prämie). Steht American Express am Verfallstag über $17.50, so machen Sie Verlust. Auch hier können Sie maximal Ihren Einsatz verlieren.

… aus der Sicht der Verkäufers

Bei einer Call-Option muss der Optionsverkäufer die jeweilige Aktie bei Ausübung der Option durch den Käufer zu einem vorher festgelegten Preis verkaufen. Bei einer Put-Option muss der Optionsverkäufer die jeweilige Aktie bei Ausübung der Option durch den Käufer zu einem vorher festgelegten Preis kaufen.

CALLPUT
KäuferRecht zu kaufenRecht zu verkaufen
VerkäuferPflicht zu verkaufenPflicht zu kaufen

Das grundsätzliche Verständnis von Options-Basisprinzipien ist wichtig, wenn Sie erfolgreich und sicher mit Optionen handeln möchten. Auf viele Leute wirkt das vielleicht abschreckend und komplex. Optionen sind für die, welche sich ausführlicher mit dem Thema befassen, nicht selten schnell zu den absoluten Lieblingsinstrumenten an den Finanzmärkten geworden (ich zähle mich u.a. auch hierzu). Kaum ein anderes Finanzinstrument bietet derart viele nützliche und spannende Möglichkeiten.

Option Chain – das sollten Sie wissen

Jede Option hat einen bestimmten Basiswert. Man spricht vom „Underlying“ einer Option. Eine „Option Chain“ (dt. Optionskette) ist eine Liste, die die verfügbaren Optionen für einen Basiswert anzeigt. Allgemein gibt es drei Punkte, auf die Sie achten müssen, bevor Sie eine Option kaufen:

  1. Will ich einen Call oder einen Put kaufen/verkaufen?
  2. Welchen Basispreis möchten Sie (Man spricht oft vom „Strike“, „Strike-Preis“ oder „Strike Schwelle“)?
  3. Wann soll die Option auslaufen? Je länger die Laufzeit, desto teurer fällt die Prämie aus.

Liste der verfügbaren Optionen für den Basiswert Microsoft mit freundlicher Genehmigung von www.bigcharts.com

In dem Screenshot sehen Sie die verfügbaren Optionen zu Microsoft. In der Mitte steht der aktuelle US-Dollar-Kurs der Aktie. Die Call-Optionen auf Microsoft stehen auf der linken, die Put-Optionen auf der rechten Seite. Gelb umrandet sehen Sie die jeweiligen Verfallsmonate der Optionen. Vertikal in der Mitte finden Sie den zu der Option zugehörigen Basispreis (= Strike Price).

Was Sie noch brauchen, ist eine Art Wertpapierkennnummer für Ihre ausgesuchte Option. Die Amerikaner nennen diese „Ticker“ oder Symbol. Das sind kurze Buchstabenkombinationen, die den gleichen Zweck wie unsere ISIN/WKN erfüllen.

Zwei Beispiele: Der Ticker der Call-Option, die im November 2007 verfällt und den Basispreis $40,00 hat, heißt MSQKH. Das Verfallsdatum, der Basispreis und die Optionsart des Tickers: MQFWV lautet Put-07NOV-  $12.50.

„to open and to close“

Wenn Sie z.B. bei einem US-Broker eine Option kaufen wollen, müssen Sie in dem entsprechenden Feld „Buy to open“ wählen. Sie kaufen hiermit eine Option, um eine neue Position zu eröffnen („Sell to open“ = Eröffnung einer short-Position).

Zum Verkauf der Option müssen Sie das Feld „Sell to close“ wählen. Hiermit schließen Sie eine bestehende Position durch einen Verkauf („Buy to close“ = Schließen einer short-Position).

Wir können Optionen während ihrer gesamten Laufzeit verkaufen bzw. zurückkaufen. Es hängt von der jeweiligen Strategie ab, ob Sie die Optionen vor dem „Expiration Date“ (Verfallsdatum) (ver)kaufen oder diese tatsächlich ausüben sollten. Im Regelfall verzichten die meisten Anleger auf die Ausübung; es gibt auch Ausnahmen.

Preisfindung einer Option

Der Preis einer Option hängt vereinfacht gesagt von 2 Faktoren ab (korrekterweise wäre als dritter Faktor noch die implizite Volatilität zu nennen):

  • dem inneren Wert
  • dem Zeitwert

Der Einfachheit halber lasse ich hier die Preisbeeinflussung durch die Volatilität des Gesamtmarktes weitgehend außer Acht.

Optionen für Einsteiger: Innerer Wert und Zeitwert von Optionen

Nun geht es um den inneren Wert und den Zeitwert von Optionen.

Innerer Wert (intrinsic value) von Optionen

Schauen wir uns das folgende (fiktive) Beispiel an: Wir kaufen eine Call-Option für $12,00 „to open“. Die Option gibt uns das Recht, die Aktie IBM für $100 zu kaufen. Zum Zeitpunkt des Kaufes notiert IBM bei $105 (Beachten Sie bei allen Optionspreis-Angaben, dass diese x100 gerechnet werden müssen, da sich amerikanische Standard-Aktienoptionen, von denen ich hier schreibe, immer auf 100 Stück des Basiswerts beziehen.

Wenn ich also von $12,00 Optionspreis spreche, kostet diese Option $1200. Dies gilt nur für Optionspreise und nicht für Aktienpreise. Man gewöhnt sich an diese Art der Preisangabe schnell, wenn man sich mit Optionen etwas mehr befasst).

Der Preis von $12,00 pro Call-Kontrakt setzt sich wie folgt zusammen:

  • aus dem inneren Wert – im Beispiel beträgt der innere Wert $5,00 (aktueller Kurs IBM minus Strike-Preis des Kontraktes = $105-$100 = $5,00)
  • aus dem Zeitwert – im obigen (fiktiven) Trade beträgt der Zeitwert $7,00 (Kaufpreis des Kontraktes minus innerer Wert = $12-$5 = $7,00)

Dies bedeutet konkret: Würden wir uns entscheiden, die Option am Laufzeitende auszuüben und IBM zu dieser Zeit bei $105 notiert, machten wir pro Aktie $5,00 Gewinn. Somit beträgt der innere Wert des Kontrakts $5,00. Der Zeitwert ist bei Null, da am Ende der Laufzeit kein Zeitwert mehr besteht. Wir machen einen Verlust mit dem Optionsgeschäft.

Die Frage ist, warum wir uns einen Kontrakt für $12 kaufen, während der innere Wert nur $5 beträgt. Die Antwort ist einfach. Durch den Kauf der Call-Option gehen wir davon aus, dass IBM bis zum Verfallsdatum der Option stark steigen wird (wenn wir nicht davon ausgehen würden, hätten wir keine Call-Option auf IBM gekauft).

Durch den Zeitwert von $7,00 zahlen wir praktisch für das Recht, an zukünftigen Wertsteigerungen überproportional partizipieren zu können, während wir gleichzeitig unser Verlustrisiko auf den Einsatz für den Kauf des Kontrakts beschränken.

Nehmen wir an, IBM notiert eine Woche später bei $112. Wie verändert dies den Wert der Option? Innerhalb einer Woche verliert eine Option kaum an Zeitwert. Deshalb belasse ich den Zeitwert der Einfachheit halber bei $7,00 (Beispiel hinsichtlich weiterer Faktoren etwas vereinfacht).

Veränderungen ergeben sich beim inneren Wert des Kontrakts: Dieser beträgt $112 (aktueller Kurs von IBM) – $100 (Ausübungsrecht zum Kauf am Laufzeitende) = $12. Das heißt, dass unsere Option einen Wert von $7 (Zeitwert) + $12 (inneren Wert) = $19,00 hat. Der Kaufpreis betrug $12,00 pro Kontrakt. Der aktuelle Preis beträgt $19,00. Das sind über 58% Gewinn innerhalb einer Woche, während sich die Aktie um ca. 11% verbesserte.

Beachten Sie, dass ich bei diesem Beispiel die beiden Variablen Volatilität und Zeitwert fix gehalten habe. Auch habe ich Ihnen noch nicht erklärt, was es mit dem Delta auf sich hat. Was passiert, wenn sich die Aktie bis zum Verfallsdatum nicht vom Fleck bewegt?

Time Value – Der Zeitwert einer Option

Wir haben für die Call-Option $12,00 gezahlt. Der innere Wert betrug zum Kaufzeitpunkt $5,00, der Zeitwert $7,00. Angenommen, der Kurs von IBM würde am Verfallstag der Option $106 betragen. Wir hoch wäre der Kurs des Kontrakts? Da am Verfallstag Optionskontrakte keinerlei Zeitwert besitzen, ist der Preis des Kontrakts gleich dem inneren Wert ($106 – $100 = $6).

Zusammengefasst: Wir hätten den Kontrakt für $12 gekauft und ihn für $6 am Verfallstag verkauft. Dies wäre, bezogen auf den Kontrakt, ein Verlust von $6 oder -50% gewesen. Und das, obwohl IBM in der gleichen Zeit $1 Gewinn pro Aktie gemacht hat.

Sie sehen wie wichtig der Zeitwert einer Option ist. Am Laufzeitende eines Kontrakts bleibt Ihnen nur der innere Wert Ihrer Option. Hätte der Basispreis der Aktie IBM am Verfallstag unter $100 notiert, hätten wir einen Totalverlust erlitten. Der Kontrakt wäre „out of the money“ (außerhalb des Geldes) und ohne inneren Wert.

Der Zeitwertverlust eines Kontrakts verläuft stetig, allerdings beschleunigt er sich in den letzten 3 Monaten exponentiell. Sie sollten stets genug Zeit einplanen und niemals Optionen kaufen, welche stark aus dem Geld sind und nur noch wenige Monate Laufzeit haben, da so meist Totalverluste erlitten werden (extreme „Zockerrei“ mit wenig realistischer Gewinnchance –> schneller Weg ins Armenhaus).

Optionen für Einsteiger: „Delta“ bei Optionen

Nun schreibe ich Ihnen etwas zum Delta von Optionen. Anschließend gibt es ein paar Hinweise zur Bid-Ask Spanne und dann haben Sie auch schon das Wichtigste parat und wir können uns ein paar Praxisbeispielen zuwenden. Ich bin mir sicher, dass so die ein oder andere Unklarheit bzw. Unsicherheit sich schnell auflösen dürften.

„Delta“ – Wichtige Optionskennzahl

Optionen verfügen (wie Sie es vielleicht von Optionsscheinen kennen) über eine Vielzahl von Kennzahlen, die in Preisberechnungsmodellen für Optionen zum Einsatz kommen. Eine der wichtigsten Kennzahlen, die Sie prinzipiell verstehen sollten, ist das Delta. Das „Delta“ bei Optionen gibt an, in welchem Verhältnis sich der Preis des Basiswertes und der Preis der Option verändern.

Ein einfaches Beispiel: Sagen wir, Sie haben eine Aktie XY, die bei $100 notiert. Hierauf möchten Sie eine Call-Option kaufen. Es hängt wesentlich von Ihrer Strike-Schwelle (Ausübungspreis, zu dem in der Zukunft ein Wert gekauft oder verkauft werden darf) ab, wie sich Ihr Optionskontrakt verhält.

Haben Sie ein Delta von 1, bedeutet dies, dass mit einem Punkt Zuwachs im Basispreis die Option einen Punkt gewinnt (diese Vereinfachung habe ich im obigen Rechenbeispiel zur Veranschaulichung gemacht). Bedenken Sie, dass ein Punkt Zuwachs bei der Option mit dem Faktor 100 zu multiplizieren ist.

Mit einem Delta von 1 erhalten Sie für jeden Dollar, den Ihr Basiswert sich bewegt, eine Bewegung von $100 in Ihrer Option. Schön, wenn so etwas in die richtige Richtung läuft, schlecht, wenn nicht.

Prinzipiell kann man sagen, je weiter Sie aus dem Geld sind, desto kleiner wird Ihr Delta, d.h. desto weniger bewegt sich Ihr Optionspreis relativ zum Basiswert. Je tiefer Sie im Geld sind, desto stärker wird Ihr Delta.

Call-Optionen haben ein Delta von 0 bis maximal 1. Put-Optionen haben (aufgrund ihrer inversen Natur) ein Delta von 0 bis -1 (minus, da wir von einem Verlust profitieren). Wie kann man die Auswahl des Deltas bei Optionen vorteilhaft vornehmen?

Die Frage, die sich stellt, ist, wie viel Hebel möchten Sie und wie viel innerer Wert darf es sein? Prinzipiell kann man sagen, dass die konservative Art Optionen zu handeln, mit hohem inneren Wert ist (mache ich meistens, jedoch nicht immer). Optionen, die grob aus dem Geld sind, sind oft vergleichbar mit Lotteriescheinen. Optionen, die tief im Geld sind, lassen sich effektiv zur Risikominimierung(!) einsetzen.

Wenn Sie Optionen kaufen, sollten Sie bzgl. des Deltas folgende Richtwerte beachten:

  • Außerhalb des Geldes: Delta wird kleiner, je weiter Sie aus dem Geld sind
  • At the money (d.h. an der Strike-Schwelle): Delta beträgt ca. 0,5
  • mind. 5 Punkte im Geld: Delta beträgt grob gerundet etwa 1

Optionen und besonders deren Kennziffern sind ein großes und komplexes Thema, das sich unmöglich in einer kleinen Artikel-Serie vollständig darstellen lässt. Ich werde diesem Thema in der Zukunft noch Artikel widmen. Heute ging es mir um die Grundlagen, so dass Sie Optionen verstehen und auch in Zukunft selbst nutzen können.

Optionen eröffnen Ihnen ein attraktives Universum wunderbarer Strategien (weit mehr als nur „long“ oder „short“ mit Hebel). Dies ist sicher nicht der letzte Artikel, den Sie von mir zum Thema Optionen lesen werden. Ich kann an dieser Stelle sagen: Es lohnt sich wirklich, sich mit ihnen zu befassen, auch wenn manches anfangs schwer zu verstehen erscheinen mag.

Bid / Ask Price

Der Preis eines Optionskontraktes bewegt sich innerhalb einer Bid/Ask-Preisspanne.

Diese Bid/Ask-Preisspanne ist bis zu einem gewissen Grad mit der deutschen Geld/Brief-Spanne vergleichbar. Der Unterschied ist, dass das angezeigte Bid/Ask-Verhältnis nur eine Art Empfehlung darstellt.

Wenn Sie eine Kauforder für den Kontrakt KBHLW (siehe Abbildung) mit dem Limit von $7,5 platzieren, können Sie davon ausgehen, dass es einen Verkäufer gibt, der Ihnen den Kontrakt gerne so teuer verkauft. Achten Sie deshalb auf das korrekte Setzen von Limits und fragen Sie die aktuelle Spanne direkt vor einer Transaktion ab, wenn Sie mit Optionen arbeiten sollten. So ersparen Sie sich Geld und eine Menge Ärger.

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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