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Candlesticks

Wer sich bereits in Candlesticks versucht hat, wird vielleicht an den zum Teil komplizierten Bezeichnungen der Formationen wenn nicht gerade gescheitert, so doch zumindest das Gefühl bekommen haben, dass es ganz schön kompliziert wird und doch irgendwie auch einfacher zu handhaben sein müsste. Ich kann Ihnen sagen, es geht tatsächlich einfacher.

Dazu müssen wir aber noch einmal ganz an den Anfang zurück und die Frage klären, warum diese Art der Darstellung eine so breite Anhängerschaft hat.

Ich möchte Sie im Folgenden an die Denkweise dieser Charttechnik heranführen und Ihnen zeigen, dass es sich lohnt, tiefer in die Materie einzusteigen. Anlegern unter Ihnen, die sich eingehender mit der Materie befassen wollen, möchte ich Fachliteratur z. B. von den Autoren Gebert/Hüsgen oder Steve Nison empfehlen oder die zahlreichen Arbeitsgruppen der VTAD ans Herz legen, die bestimmt auch in Ihrer Nähe regelmäßig stattfinden.

Logik der Kerzen bzw. Candlesticks

Weiße Kerzen sind besser als schwarze Kerzen, das merken sich Börsianer zuerst, wenn sie sich mit Candlesticks und Kerzencharts befassen. Die Vorzüge dieser Methode, deren Wurzeln auf das 18. Jahrhundert zurück gehen, sind einfach und verwirrend zugleich.

Einfach, weil sich Kerzen weiß einfärben, wenn der Schlusskurs des Tages (beim Tageschart) über dem Eröffnungskurs liegt. Aber auch kompliziert, wenn es um die japanisch/englischen Bezeichnungen der Kerzenformationen geht. An dieser Stelle werfen viele Börsianer schnell das Handtuch, insbesondere, wenn sich dem Börsianer der Nutzen, den Kerzencharts ohne Zweifel bieten, erst später erschließt.

Der Kerzenkörper (englisch: body) kann zwei Farben aufweisen. Eine weiße, optimistische Kerze entsteht, wenn der Schlusskurs oberhalb der Eröffnung liegt. Umgekehrt bildet sich eine negative, schwarze Kerze, wenn der Schlusskurs unterhalb der Eröffnung liegt. Manche Chartanalyse-Programme stellen weiße Kerzen grün und schwarze Kerzen rot dar.

Candlestick- oder Kerzen-Chart

Aufbau eines Doji, dem Grundbaustein der Candlestick-Technik
Aufbau eines Doji, dem Grundbaustein der Candlestick-Technik

Somit können Sie noch nach Jahren feststellen, ob am Tag oder in der Handelswoche, die es zu analysieren gilt, überwiegend Verkäufer oder Käufer am Markt waren.

Die Größe der Kerzenkörper vermittelt Ihnen auf einen Blick ein Gefühl dafür, ob es einen großen Nachfrageüberhang/Angebotsüberhang gab (die Kerzen werden dann größer) oder ob der Markt eher ausgeglichen war.

All diese Informationen finden Sie in solch einer Kerze und mit etwas Übung haben Sie sich so schnell an die Darstellung gewöhnt, dass Sie nicht mehr darauf verzichten wollen.

„Leseanleitung“ zum Candlestickchart

Ein Blick genügt, und Sie haben – im Gegensatz z.B. zum Linienchart – alle wichtigen Informationenüber den Kursverlauf des Handelsinstruments erfasst.

Folgende Aspekte sind beim Lesen der Candlesticks zu beachten:

  • Die Kerzen verbinden die Höchst- und Tiefstkurse des gewählten Zeitraumes (z.B. Tageschart). Dies wird als Linie (Docht) dargestellt.
  • Die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs wird als Körper innerhalb des Dochts dargestellt.
  • Liegt der Schlusskurs der gewählten Zeiteinheit über dem Eröffnungskurs, wird der Körper in der Regel grün oder weiß gezeichnet. Die Farben können Sie im CFX Trader individuell anpassen.
  • Liegt der Eröffnungskurs über dem Schlusskurs, wird der Körper rot oder schwarz gefüllt.

Die Kerze wird „grün“ bzw. „weiß“ angezeigt. Die Bullen haben sich in dieser Periode (Stunde, Tag, etc.) klar durchsetzen können, da der Schlusskurs sehr weit vom Tief und vom Eröffnungskurs entfernt ist.

Die Candlestick-Technik bezieht sich auf Einzelkerzen oder Formationen mehrerer Kerzen, derenInterpretationen Rückschlüsse über den weiteren Kursverlauf zulassen.

Da die Technik ursprünglich aus Japan stammt, klingen deren Namen häufig sehr phantasievoll. Die ausgefallensten (rein sprachlich zu verstehen) sind: dragonfly doji, morning star, three river bottom, stick sandwich, shooting star oder homing pigeon.

Die erste Besonderheit bei den „Candles“ ist der Doji. Er bezeichnet eine Kerze, die keinen oder nahezu keinen Körper aufweist. Bei einem Doji liegen der Eröffnungskurs und der Schlusskurs nahe zusammen auf der gleichen Höhe. Ein kleiner, kaum erkennbarer Körper wird gebildet.

Beispiel eines gewöhnlichen Doji

Beispiel eines gewöhnlichen Doji
In seltenen Fällen fallen Eröffnungs- und Schlusskurs zusammen, wodurch rein theoretisch kein Körper entstünde. Der Doji kennzeichnet in der allgemeinen Form eine Unentschlossenheit im Markt.

Beispiel eines Doji ohne Körper

Beispiel eines Doji ohne Körper

Ein Doji-Handelstag muss nicht langweilig sein, im Gegenteil. Je länger der Docht nach oben und die Lunte nach unten sind, umso ausgeprägter waren die Kursausschläge an diesem Handelstag. Getroffen haben sich Bullen für Aufwärtskurse und Bären für Abwärtskurse zum Schluss bei der Eröffnung.

Beachten Sie beim Einsatz dieser exotischen Charttechnik folgende drei Regeln:

Regel 1: Weiße Kerzen sind besser als schwarze

In der Terminologie finden Sie anstelle der Begriffe Upper und Lower Shadow (oberer und unterer Schatten) auch die Bezeichnungen Docht und Lunte. Der Docht im deutschen Sprachgebrauch ist, wie es sich bei einer Kerze leicht nachvollziehen lässt, der Upper Shadow und die Lunte entsprechend der Lower Shadow.

Erkennungsmerkmale eines Candlesticks

Regel 2: Je größer der Block, umso stärker das Signal!

Je kleiner die Schatten und je größer die Kerzenkörper sind, umso eindeutiger präsentieren sich Bullen und Bären im Markt.

Was damit gemeint ist? Angenommen der Aktienmarkt eröffnet auf einem bestimmten Niveau, entwickelt sich von dort aus nur in eine Richtung – z.B. nach oben – und schließt dann im Tageshoch. Wie würde die Kerze in solch einem äußerst optimistischen Szenario aussehen?

Genau, Eröffnungskurs und Tagestiefkurs liegen auf einem Niveau und Tageshoch- und Schlusskurs befinden sich ebenfalls auf einer Höhe. Es gibt dann nur 2 Kursinformationen, die sich unterscheiden (nicht mehr 4) und es bildet sich ein weißer Block, das stärkste Kaufsignal in der Kerzentechnik (White Marubozu). Im umgekehrten Fall – der Kurs entwickelt sich nach der Eröffnung nur nach unten – entsteht ein ebenso starkes Verkaufssignal (Black Marubozu). Daraus folgt: Je größer der Block umso stärker das Signal!

Grafische Darstellung eines weißen bzw. schwarzen Marubozu

Wenn Sie diese beiden Regeln verinnerlicht haben, werden Sie schnell zu einer logischen Schlussfolgerung gelangen, die da heißt:

Regel Nummer 3: Je kleiner der Kerzenkörper und je größer die Schatten, umso unsicherer die Börsensignale

Sie können jetzt unterscheiden und nachvollziehen, warum eine weiße Kerze nicht immer ein positivesZeichen sein muss, nicht wahr? Genau, nämlich dann, wenn die Schatten größer sind, als Sie sich als Anleger das vielleicht wünschen.

Und jetzt kommen wir zur Chartsituation im DAX vom 10 Juni 2013. Im folgenden Chart habe ich anstelle der Farben schwarz und weiß mit den Farben Grün (steigende Kurse) und Rot (fallende Kurse) gearbeitet. Das ist Geschmackssache und hilft Ihnen vielleicht, am Bildschirm eine Vielzahl von unterschiedlichen Signalen leichter zu erkennen.

Candlestickchart des DAX vom 10 Juni 2013
(Quelle:ProRealtime.com)

Ich habe Ihnen im DAX-Verlauf exemplarisch Kerzen ohne Schatten (blauer Kreis) und mit Schatten (roter Kreis) markiert. Sie sehen, der DAX generiert zwar grundsätzlich positive Kerzenkörper, aber mit großen Schatten. Das lässt die Vermutung zu, dass wir kurzfristig eher seitwärts laufen werden als neue Hochs zu sehen.

Der praktische Nutzen der Candlestick-Technik

Der praktische Nutzen liegt nun darin, dass Sie dem Markt jetzt nicht hinterherlaufen müssen, sondernselbstbewusst und aggressiv limitieren können. Damit lässt sich nicht nur die Performance verbessern, sondern es handelt sich auch um eine Einladung an den kurzfristig orientierten Trader.

Aber kommen wir noch einmal zurück zum Thema: Lange Schatten.

Wenn die Aussage „je kleiner die Schatten und je größer die Kerzenkörper, umso größer die Trefferquote bei der Trendanalyse“ stimmt, dann müsste doch analog hierzu gelten „je länger die Schatten und je kleiner die Kerzenkörper, desto höher die Fehlerquote in der Trendanalyse“, oder? Ja genau und davon lässt sich profitieren, und jetzt zeige ich Ihnen, wie das geht.

Je länger die Schatten und je kleiner die Kerzenkörper, desto höher die Fehlerquote

Also stellen Sie sich vor, sie haben einen Chart vor sich, in dem sich ein klarer Abwärtstrend einzeichnen lässt. Und ziemlich weit unten in Ihrem Abwärtstrend zeigen sich Kerzen mit langen Schatten. Jetzt wissen Sie, dass die Fehlerquote für Ihre Prognose Abwärtstrend“ wegen der großen Schatten als hoch einzustufen ist.

Müsste das nicht ein Warnsignal dafür sein, dass Ihr Abwärtstrend zu Ende geht? Ich möchte, dass Sie einen Blick dafür bekommen, was die Schatten Ihnen über die Marktpsychologie und den Reifegrad von Trends sagen können. Der Hammer ist ein gutes Beispiel dafür. Per Definition hat er eine Lunte (unterer Schatten), die mindestens doppelt so lang sein sollte wie der Kerzenkörper groß ist.

Sie sehen außerdem für ein und dasselbe Symbol zwei unterschiedliche Bezeichnungen, nämlich einmal Hammer (links) und Hanging Man (rechts). Die Kerzen sehen gleich aus, aber sie unterscheiden sich in der Chartplatzierung. Als Kaufsignal (Hammer) finden Sie Korpus und langen Schatten am Ende eines Abwärtstrends.

Man könnte auch sagen: Die Prognose, dass sich der Abwärtstrend weiter fortsetzen wird, ist durch die langen Schatten extrem fehlerbehaftet und deshalb (in Verbindung mit anderen Indikatoren) ein Kaufsignal. Finden Sie das Symbol mit dem langen Schatten aber im Aufwärtstrend, dann nimmt die Fehlerquote Ihrer positiven Trendprognose ebenfalls zu und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur mit fallenden Kursen.

Hammer und Hanging Man

Grafische Darstellung der Kerzen: Hammer bzw. Hanging Man.

Ein praktisches Beispiel der Candlesticks

Im folgenden Chart von Medtronic zeige ich Ihnen noch einmal die Logik. Außerdem sehen Hammer und Hanging Man in der Praxis immer etwas anders aus, weshalb Sie sich folgenden Chart genau ansehen sollten. Die charakteristischen Merkmale kleiner oder keinerlei Docht und mindestens doppelte Länge der Lunte vom Kerzenkörper“ bleiben bestehen.

Candlestickchart der Medtronic Aktie vom 20 Juli 2000
(Quelle: StockCharts.com)

Damit Sie es leichter haben, erläutere ich Ihnen die letzten drei Stationen mit 2 grünen und einem blauen Pfeil. Der Kurs bewegt sich zwischen 57 und 46 US-Dollar (rote Linien). Warum handelt es sich bei der Kerze vom 17. April 2013 (erster grüner Pfeil) nicht um einen Hanging Man? Weil die Kerze nicht im Top, sondern weiter unten im Kursverlauf steht!

Wenn Sie den Kursverlauf ab dem 17. April mit einem Blatt Papier abdecken und annehmen, dass Sie nicht wissen können, ob die Aktie weiter als 46 Dollar fällt, wird es für Sie lehrreich.

Denn jetzt können Sie durch das Signal des Hammers etwas über den Markt und seine Marktteilnehmer aussagen: Was sehen Sie? Der Kurs konnte sein Tagestief am 17. April nicht halten und schließt höher als er eröffnet hat, was die Kerze weiß werden lässt.

Der Pessimismus war also nur kurzzeitig im Markt und Optimisten haben den günstigen Kurs bei 46 US-Dollar für Käufe genutzt. Wenn Sie das Blatt jetzt um einen Tag nach rechts verschieben, wird Ihnen schnell klar, was hier passiert ist und wie die Marktstimmung schlagartig ihre Richtung geändert hat.

Shortspekulanten, die das Signal des Hammers am 17. April übersehen haben, wurden gezwungen, ihre Verluste zu begrenzen und ihre leerverkauften Positionen zu schließen. Das führte am Folgetag zu zwei weiteren wichtigen Signalen. Erstens eröffnet der nächste Handelstag mit einem Kursabriss (Gap) und die Kerze entwickelte einen sehr großen weißen Körper mit nur einem kleinen Docht (oberer Schatten) – ein Kaufsignal, wie Sie jetzt wissen, mit hoher Trefferquote.

Preisfrage: Warum ist Ihrer Meinung nach die Kerze vom 22.Mai, die durch den blauen Pfeil gekennzeichnet ist, kein Hammer und warum sollten Sie zukünftig in Ihren Charts nach Hammerformationen suchen?

Sie sind bestimmt schnell darauf gekommen, dass der Kerzenkörper im Verhältnis zur Lunte (unterer Schatten) zu groß geraten ist. Per Definition muss der Schatten mindestens doppelt so groß und größer sein als der Kerzenkörper. Warum diese Unterscheidung so wichtig ist, werden Sie vielleicht fragen? Nun, wenn Sie die Hammer- und Hanging-Man-Signale, die Sie erkannt haben, auswerten und für Ihre Handelsstatistik ermitteln wollen, ob es sich überhaupt lohnt, den Hammer als Kaufsignal ernst zu nehmen, dann brauchen Sie eine klare Abgrenzung.

Der Analyst Thomas Bulkowski hat in seinem Buch „Enzyklopädie der Candlesticks“ (in deutscher Übersetzung von Dr. Gregor Bauer) Hammersignale untersucht und festgestellt, dass sie am besten funktionieren, wenn der Hammer am Folgetag durch einen Kursabriss (GAP) bestätigt wird.

Ein Beispiel haben Sie im Chart von Medtronic (erster grüner Pfeil) gesehen. Nach Bulkowskis Beobachtungen können Sie in solch einem Fall mit einem durchschnittlichem Profit in Höhe von 9,55 Prozent rechnen. Das ist es, wonach Daytrader suchen.

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