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Kerzencharttechnik: Wenn die Schatten länger werden

Weiße Kerzen sind besser als schwarze Kerzen, das merken sich Börsianer zuerst, wenn sie sich mit Candlesticks und der Kerzencharttechnik befassen. Die Vorzüge dieser Methode, deren Wurzeln auf das 18. Jahrhundert zurückgehen, ist einfach und verwirrend zugleich.

Einfach, weil sich Kerzen weiß einfärben, wenn der Schlusskurs des Tages (beim Tageschart) über dem Eröffnungskurs liegt. Aber auch kompliziert, wenn es um die japanisch/englischen Bezeichnungen der Kerzenformationen geht. An dieser Stelle werfen viele Börsianer schnell das Handtuch, insbesondere, wenn sich dem Börsianer der Nutzen, den Kerzencharts ohne Zweifel bieten, erst später erschließt.

Kerzenkörper: Schwarz oder weiß

Der Kerzenkörper kann zwei Farben aufweisen. Ist der Körper weiß, kennzeichnet dies eine Aufwärtsbewegung innerhalb der Zeiteinstellung (Minuten, Tage oder Wochen). In manchen Chartprogrammen ist die Kerze grün eingefärbt.

Ist der Kerzenkörper dagegen schwarz eingefärbt, erkennen Sie eine Abwärtsbewegung für die Zeiteinstellung. Zur besseren Darstellung im Internet wird die Kerze auf manchen Seiten rot dargestellt.

candlesticks oder kerzencharts erläuterung

Doji: Eine Kerze ohne Körper

Die erste Besonderheit bei den Candles ist der Doji. Er bezeichnet eine Kerze, die keinen oder nahezu keinen Körper aufweist. Bei einem Doji liegen der Eröffnungskurs und der Schlusskurs nahe zusammen auf der gleichen Höhe.

Doji beim Candlestick- oder Kerzen-Chart

Ein kleiner, kaum erkennbarer Körper wird gebildet. In seltenen Fällen fallen Eröffnungs- und Schlusskurs zusammen, wodurch rein theoretisch kein Körper entstünde. Der Doji kennzeichnet in der allgemeinen Form eine Unentschlossenheit im Markt.

Ein Doji-Tag muss nicht langweilig sein, im Gegenteil. Je länger der Docht nach oben und die Lunte nach unten sind, umso ausgeprägter waren die Kursausschläge an diesem Handelstag. Getroffen haben sich Bullen für Aufwärtskurse und Bären für Abwärtskurse zum Schluss bei der Eröffnung.

Weiße Kerzen sind besser als schwarze

Die Logik, nach der eine Kerze ihre Farbe wechselt, sollte Ihnen klar sein. In der Terminologie finden Sie anstelle der Begriffe Upper und Lower Shadow (oberer und unterer Schatten) auch die Bezeichnungen „Docht und Lunte“. Der Docht im deutschen Sprachgebrauch ist, wie es sich bei einer Kerze leicht nachvollziehen lässt, der Upper Shadow und die Lunte entsprechend der Lower Shadow.

Je größer der Block, umso stärker das Signal

Je kleiner die Schatten und je größer die Kerzenkörper sind, umso eindeutiger präsentieren sich Bullen und Bären im Markt. Was damit gemeint ist? Angenommen der Aktienmarkt eröffnet auf einem bestimmten Niveau, entwickelt sich von dort aus nur in eine Richtung – z. B. nach oben – und schließt dann im Tageshoch. Wie würde die Kerze in solch einem äußerst optimistischen Szenario wohl aussehen? Genau, Eröffnungskurs und Tagestiefkurs liegen auf einem Niveau und Tageshoch- und Schlusskurs befinden sich ebenfalls auf einer Höhe.

Es gibt dann nur 2 Kursinformationen, die sich unterscheiden (nicht mehr 4) und es bildet sich ein weißer Block, das stärkste Kaufsignal in der Kerzentechnik (White Marubozu). Im umgekehrten Fall – der Kurs entwickelt sich nach der Eröffnung nur nach unten – entsteht ein ebenso starkes Verkaufssignal (Black Marubozu). Daraus folgt: Je größer der Block umso stärker das Signal!

Wenn Sie diese beiden Regeln verinnerlicht haben, werden Sie schnell zu einer logischen Schlussfolgerung gelangen, die da heißt:

Je kleiner der Kerzenkörper und je größer die Schatten, umso unsicherer die Börsensignale

Wenn diese Aussage stimmt, dann müsste doch analog hierzu gelten: Je länger die Schatten und je kleiner die Kerzenkörper, desto höher die Fehlerquote in der Trendanalyse. Oder? Ja genau und davon lässt sich profitieren.

Also stellen Sie sich vor, sie haben einen Chart vor sich, in dem sich ein klarer Abwärtstrend einzeichnen lässt. Und ziemlich weit unten in Ihrem Abwärtstrend zeigen sich Kerzen mit langen Schatten. Jetzt wissen Sie, dass die Fehlerquote für Ihre Prognose „Abwärtstrend“ wegen der großen Schatten als hoch einzustufen ist.

Hammer und Hanging Man

Müsste das nicht ein Warnsignal dafür sein, das Ihr Abwärtstrend zu Ende geht? Ich möchte, dass Sie einen Blick dafür bekommen, was die Schatten Ihnen über die Marktpsychologie und den Reifegrad von Trends sagen können. Der „Hammer“ ist ein gutes Beispiel dafür. Per Definition hat er eine Lunte (unterer Schatten), die mindestens doppelt so lang sein sollte wie der Kerzenkörper groß ist.

Kerzencharttechnik: Hammer und Hanging Man

Sie sehen außerdem für ein und dasselbe Symbol zwei unterschiedliche Bezeichnungen, nämlich einmal Hammer (links) und Hanging Man (rechts). Die Kerzen sehen gleich aus, aber sie unterscheiden sich in der Chartplatzierung. Als Kaufsignal (Hammer) finden Sie Korpus und langen Schatten am Ende eines Abwärtstrends.

Man könnte auch sagen: Die Prognose, dass sich der Abwärtstrend weiter fortsetzen wird, ist durch die langen Schatten extrem fehlerbehaftet und deshalb (in Verbindung mit anderen Indikatoren) ein Kaufsignal. Finden Sie das Symbol mit dem langen Schatten aber im Aufwärtstrend, dann nimmt die Fehlerquote Ihrer positiven Trendprognose ebenfalls zu und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur mit fallenden Kursen.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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Alte Kommentare
  • Gerry aus Okahandja schrieb am 28.08.2012, 09:29 Uhr

    Sehr gut! Es ist zwar selbstredend, dass bei fallenden Kursen der Schlußkurs unten und der Eröffnungskurs oben sein muss. Hoffentlich hat das auch jeder realisiert.