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Sinnvolles Fondssparen: Geht das überhaupt?

Ich kenne kaum ein Investment-Thema, was derart stark bei privaten Anlegern beworben wird wie das Fondssparen. Leider wird eine überwältigende Mehrheit der „einfachen Fondssparer“ am Ende weder die hochgerechneten und versprochenen Ergebnisse erzielen, noch diese übertreffen. Das Gegenteil ist der Fall: Herkömmliches Fondssparen kann nicht nachhaltig funktionieren. Machen wir mit einigen „Weisheiten“ aus dem Bereich Fondssparen Schluss und ich zeige Ihnen eine Vorgehensweise, wie Sie an einen funktionierenden Fondssparplan kommen, der das hält, was Sie von ihm erwarten und was er verspricht.

Welchen Sinn soll ein Fondssparplan haben?

Wir alle wissen, wie Fondssparen funktionieren soll: Es wird über einen längeren Zeitraum ein regelmäßiger Betrag gezahlt, von dem, je nach Kurs, eine bestimmte Menge an Fondsanteilen gekauft wird. Hierbei von Vorteil soll angeblich der „Cost-Average-Effekt“ sein und als weitere starke Kraft wirke der Zinseszins-Effekt.

Meist sind es diese Argumente, welche die entsprechenden „Berater“ auffahren, wenn es darum geht, den Privatanleger für die nächsten Jahre an die Gebührenmelkmaschine anzuschließen. Halten wir einen Moment an und betrachten die obigen zwei Argumente näher.

Zinseszins-Effekt: Funktioniert er immer?

Meist werden in Verkaufsgesprächen für Fondssparpläne wunderbare durchschnittliche Renditerechnungen aufgestellt und diese in die Zukunft fortgeschrieben. Was ist nötig, damit der Zinseszins-Effekt seine volle Wirkung entfalten kann? Richtig, ein kontinuierlicher Zugewinn. Dies lässt sich an einem einfachen Vergleich erkennen:

Anleger 1 erwirtschaftet drei Jahre lang hintereinander 7% p.a., Anleger 2 erwirtschaftet im ersten und im zweiten Jahr jeweils 20% und im dritten Jahr verliert er 20%. Wer hat am Ende mehr? Die Resultate errechnen sich wie folgt:

  • Anleger 1: 1,07^3 = 1,07 x 1,07 x 1,07 = 1,225 (22,5% Gewinn nach drei Jahren)
  • Anleger 2: 1,20 x 1,20 x 0,8 = 1,152 (15,2% Gewinn nach drei Jahren)

Dieses einfache Beispiel zeigt klar, wie wichtig es ist, die Verluste minimal zu halten, wenn Sie vom Zinseszins-Effekt profitieren möchten. Damit sind wir auch beim ersten Problem.

Nicht zum Fondssparen geeignet

Wie wir gesehen haben, ist es für einen erfolgreichen Fondssparplan wichtig, dass die Verluste minimal gehalten werden und möglichst eine positive Rendite anfällt. Sehen wir uns die Mehrheit der Fonds an und wie diese in Korrekturen und Marktabschwüngen reagieren. Die Bilanz fällt zu einem überwältigenden Teil vernichtend aus. Entweder zeigt sich das Fondsmanagement nicht kompetent oder es gibt gesetzliche und bürokratische Regeln, welche den Fonds zu bestimmten Investmenttätigkeiten zwingen, obwohl er es unter normalen Umständen nicht machen würde, wenn er nicht müsste.

Dazu kommen diverse Themenfonds, welche vielleicht für ein paar Jahre heiß sind und dann in einem Underperformance-Loch versinken, aus dem sie die nächsten Jahre nicht mehr herauskommen. Für mehrjährige Fondssparpläne sind derartige Vehikel als Basisinvestments nicht geeignet.

Dennoch finden sich derartige Anlageinstrumente immer wieder auf den Verkaufslisten diverser Fondsverkäufer und in den Depots vieler Privatanleger. Besonders beliebte Masche: Ein Themenfonds lief zwei bis drei Jahre gut. Die Marketingabteilung der Fondsgesellschaft beginnt die üblichen Hochglanzprospekte zu drucken und die Performance aus der Vergangenheit wird bei zahlreichen Anlegern gedanklich in die Zukunft weitergeschrieben bzw. diesen ein bestenfalls unrealistisches Wertsteigerungspotential suggeriert. Die Ergebnisse sind meist mehr als ernüchternd.

Hilft der Cost-Average-Effekt?

Das zweite Argument, was von Fondsverkäufern genutzt wird, um Fondssparpläne schmackhaft zu machen, ist der „Cost-Average-Effekt“. Die Idee dahinter ist, dass bei einem hohen Preis der Fondsanteile weniger Anteile gekauft werden und bei niedrigen Kursen mehr. Angeblich verhalte sich der private Anleger wie ein Profi, da auf diese Weise antizyklisch nachgekauft werde.

Auch hier sieht die Realität anders aus, wie schon ein einfacher Blick in die Wikipedia unter Durschnittskosteneffekt zeigt:

Dieser Effekt wird häufig in der Werbung für Fondsparpläne angeführt. Das ist jedoch kritisch zu sehen, weil die zum Vergleich herangezogene Strategie, regelmäßig gleiche Stückzahlen zu kaufen, unrealistisch ist.

Da sich im Verlauf des Ansparens immer mehr Kapital ansammelt, das ganz den Schwankungen der Anteilspreise unterliegt, und da die einzelne Rate einen immer kleiner werdenden Bruchteil dieses Kapitals ausmacht, nimmt der Durchschnittskosteneffekt mit zunehmender Laufzeit eines Sparplans immer weiter ab. Das heißt, das angesparte Vermögen verhält sich jetzt so, als hätte man einmalig eine hohe Summe Geld angelegt und Kursschwankungen wirken sich überproportional auf die Rendite aus – sowohl nach oben wie auch nach unten.

Den Fondsgesellschaften und ihrem Vertrieb sind solche Punkte meist egal, obwohl sie davon wissen. Wohlhabenden Kunden und institutionellen Anlegern bieten die meisten Banken und Vermögensverwalter andere Konzepte an. Und das nicht ohne Grund.

Zinseszins kontinuierlich ausnutzen

Massenfonds, die es überall zu kaufen gibt, eignen sich also nicht für den Zinseszinseffekt, da schwache Jahre die Depotentwicklung zu sehr zurückwerfen. Wie könnte man dies lösen?

Hier kommen marktneutrale Fonds und Absolute Return Konzepte mit ins Spiel. Ein marktneutraler Fonds ist, vereinfacht gesagt, ein Fonds, dessen Rendite nicht oder nur minimal mit dem Aktienmarkt korreliert ist. Ein Absolute Return Fonds hat das Ziel, jedes Jahr eine positive Rendite zu erwirtschaften.

Kombiniert man diese beiden Eigenschaften, ergibt sich ein marktneutraler Absolute-Return-Ansatz. Derartige Fonds sind nicht immer leicht zu konstruieren und oftmals wird hier auf raffinierte, hochentwickelte und moderne Strategien zurückgegriffen. Das Performance-Resultat solch eines Fonds ist, wenn die Strategie funktioniert und bewährt ist, meist verlässlich. Im Schnitt erzielen viele derartige Strategien jährlich 5 bis 6% Rendite bei minimaler Volatilität und nahezu völliger Unabhängigkeit von den Aktienmärkten. Derartige Fonds werden von spezialisierten Gesellschaften und Spezialabteilungen der Fondsgesellschaften angeboten, die über ein entsprechendes Know-Hows verfügen.

Der Vorteil solch eines Fonds ist, dass der Draw-Down (wenn einer kommt) gering ausfällt, und den Zinseszinseffekt des gesamten Portfolios nicht zerstört. Mit solchen Fonds als Basiskomponente haben Sie einen Portfolioblock der durchgehend den Zinseszinseffekt ausnutzt.

5 bis 6% pro Jahr machen noch kein Vermögen

Natürlich hören sich 5 bis 6% pro Jahr langweilig an – Zinseszinseffekt hin oder her. An dieser Stelle kommt die zweite Strategie ins Spiel: Fügen Sie Ihrem Portfolio in gesunden Marktzeiten sportlichere Themenfonds hinzu (etwa Emerging Markets etc.) und gewichten Sie diese nicht über.

Hierdurch können Sie eine attraktive Mehrrendite erzielen und heben die Jahresperformance Ihres Portfolios noch einmal deutlich an, wenn Sie in guten Zeiten an den Börsen mit dabei sind und in schlechten Zeiten nur die marktneutrale Absolute-Return-Komponente laufen lassen.

Über die Jahre betrachtet ergibt sich ein attraktiver Vermögenszuwachs, welcher intelligent die Chancen an den Finanzmärkten ausnutzt und diese mit der Kraft des Zinseszinseffektes sinnvoll kombiniert.

Wie kommt man an solche Konzepte?

Zugegeben, die wenigsten Banken werden Ihnen solche Konzepte freiwillig verkaufen, da diese nur für die Top-Kunden zurückgehalten werden. Den kleinen Kunden verfüttert man lieber die Reste, den Fondsschrott und die Ladenhüter. Das gibt nicht selten deutlich mehr Verkaufsprovision.

Wer selbst an solche modernen Sparkonzepte kommen möchte, hat zwei Alternativen:

  1. Sie recherchieren im Internet nach entsprechenden marktneutralen Absolute-Return Fonds, werten diese ausgiebig aus und bauen sich selbst mit eigenen Handelssignalen Ihr Zwei-Komponenten-Fondssparportfolio. Anschließend machen Sie sich auf die Suche nach einer Partnerbank, mit der Sie derartige Dinge als Sparpläne umsetzen können.
  2. Sie wenden sich an einen Experten bzw. speziellen Vermögensverwalter oder Berater, der sich auf derartige Strategien spezialisiert hat und sich mit den entsprechenden Fonds gut auskennt und die nötigen Kontakte zu den entsprechenden Depotbanken hat, bei denen solche Strategien realisiert werden können.

Wenn ich Fondssparen müsste, wäre für mich die hier vorgestellte Kombination aus speziellen Basisfonds und selektiv eingesetzten Themenfonds einer der wenigen Ansätze, die tatsächlich logisch fundiert sind, funktionieren und mit ruhiger Hand verwaltbar sind.

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • wolfgang landsfeld schrieb am 07.01.2010, 18:54 Uhr

    hervorragende und überfällige Darlegung!

  • Gerhard Franz schrieb am 07.01.2010, 22:54 Uhr

    Ein gewichtiges, stark negatives Argument gegen Fonds fehlt: Fast alle Fonds enthalten meines Wissens nach nicht mehr das was drauf steht! Beispiel: Aktien-Fonds enthalten nur noch wenige Aktien - aber einen hohen Anteil an Derivaten. Das gleiche gilt für Renten-Fonds etc.

  • klaus schrieb am 08.01.2010, 11:42 Uhr

    Sehr gut durchdacht und beschrieben, Herr Hahn!

  • Radermacher schrieb am 08.01.2010, 11:52 Uhr

    Dieser Einschätzung kann ich m i r nur anschließen - statt "Dieser Einschätzung kann ich m i c h nur anschließen", war sicherlich nur ein Versehen - oder? Ansonsten, sehr gut - wie gewohnt!