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Morning Star: Langfristiger Trendwechsel voraus

Die Drei-Kerzen-Formationen Morning Star und Evening Star weisen auf langfristige Trendwechsel hin. Der Morning Star ist eine Umkehrformation am Tiefstkurs wobei der Evening Star eine Umkehrformation am Höchstkurs ist.

Oft ist lediglich eine Kerze erforderlich, um einen Trader in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen und ihn darauf hinzuweisen, dass eine Trendwende bevorstehen könnte. Eine Doji-Kerze, die nach einem langen Aufwärts- oder Abwärtstrend erscheint, weist auf die Ausgewogenheit zwischen Angebot und Nachfrage und auf das bevorstehende Ende des vorherrschenden Trends hin.

Einige wichtige Umkehrformationen bestehen aus zwei Kerzen. Eine bullishe oder bearishe Engulfing-Kerze weist häufig auf das Ende eines Trends hin. Auch diese aus zwei Kerzen bestehenden Formationen sind relativ einfach zu erkennen.

Der Evening Star und der Morning Star sind Formationen, die schwerer wahrzunehmen sind. Das hat einen einfachen Grund: Beide Formationen bestehen aus drei Kerzen, die als Gruppe erfasst werden müssen. Aber damit haben Sie Ihre Aufgabe im Grunde bereits erfüllt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kerzenformationen bedarf es nämlich dann keiner weiteren Bestätigung mehr. Der Morning Star und der Evening Star sind vollständige Formationen, die in sich abgeschlossen sind, sodass der Marktteilnehmer nach deren Erscheinen sofort handeln sollte.

Morning Star: Die Erkennungsmerkmale

Erscheinungsform des Morning Star

Der Morning Star tritt auf, wenn der Abwärtstrend von einer langen roten Kerze bestätigt wird, und es danach zu einer Eröffnungslücke nach unten kommt. Dieser zweite Tag (sofern der Chart einen Tageschart darstellt) hat einen kleinen Kerzenkörper und damit eine sehr geringe Kursspanne, die Farbe des Körpers ist unbedeutend.

An diesem Punkt können nun Umschichtungen stattfinden, die Ausgangssituation hat Potenzial. Wenn dann der dritte Tag mit einer Aufwärtslücke startet, wird die Umkehrtendenz bestätigt. Endgültige Bestätigung erhält die Trendumkehr aber erst, wenn der Schlusskurs innerhalb des Kerzenkörpers des ersten Tages liegt.

Variante Doji-Star: Die Aussagekraft dieser Kerzen-Formation erhöht sich, wenn die mittlere Kerze einen Doji aufweist; also wenn Eröffnungskurs nahezu identisch ist mit dem Schlusskurs.

Ein praktisches Beispiel

Der Morning Star erscheint in einem Abwärtstrend und beginnt mit einer langen schwarzen Kerze. Am zweiten Tag eröffnet die zweite Kerze – die so genannte Star-Kerze – mit einer Abwärtskurslücke. Die dritte Kerze vollendet diese Umkehrformation, indem sie innerhalb des Kerzenkörpers der ersten Kerze schließt.

Wie der folgende Chart zeigt, hatte der Pharma-Riese Merck (MRK), der im Dow Jones Industrial Average gelistet ist, einen langfristigen Abwärtstrend ausgebildet. Im Jahr 2001 hatte die Aktie bei 100 Dollar einen Höchstkurs erreicht, und danach begann ein stetiger Kursverfall, der die Aktie bis Ende des Jahres 2004 auf einen Kurswert von etwa 40 Dollar reduzierte.

Dann wurde gemeldet, dass die Einnahme des weit verbreiteten Schmerzmittels von Merck namens VIOXX das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhe. Diese Schlagzeilen veranlassten die Aktie im September zu einem Kurseinbruch von mehr als einem Drittel seiner Marktkapitalisierung, was im November zu einer Talsohle von 25 Dollar führte.

Morning Star Formation im Chart des Pharmakonzerns Merck vom Jahr 2004

Quelle: StockCharts.com

Abbildung: Merck & Co., Inc. (MRK) NYSE

Von diesem Tiefstkurs aus erholte sich die Aktie allmählich wieder und erreichte schließlich Anfang April 2005 einen Höchstkurs von 34,95 Dollar. Wenn Sie darauf geachtet haben, dass es sich beim Kurswert von 25 und 35 Dollar um runde Zahlen handelt, und sich überlegt haben, dass diese Kurse beide Optionspreise sind, konnten Sie ein interessantes Kursmuster entdecken.

Nachdem die Aktie den Kurs 34,95 Dollar erreicht hatte, setzte eine Seitwärtsbewegung ein, die einige Wochen dauerte; Anfang Mai entstand bei 34,79 Dollar ein zweites Kurshoch.

Ab dieser Stelle setzte ein anhaltender Kursverlust ein, sodass die Merck-Aktie schließlich Ende Juni 2005 den Kursstand von 30,12 Dollar erreichte (beachten Sie dabei wieder das Intervall von fünf Dollar); nach einem kurzfristigen Kursanstieg landete die Aktie Anfang Juli 2005 auf dem Kurswert von 29,90 Dollar.

Das zweite Tief wurde durch verschiedene Indikatoren angekündigt. Zunächst wiesen der Stochastik und der CCI auf eine bullishe Momentum-Divergenz hin, als die Kurse fielen, aber der Stochastik und der CCI selbst höhere Werte zeigten. Der Test, der am zweiten Tief stattfand, fiel auch mit der zweiten Kerze der aus drei Kerzen bestehenden Formation Morning Star zusammen.

Beachten Sie, dass sich am ersten Tag eine lange schwarze Kerze entwickelte. Die Kerze am zweiten Tag stellt keine perfekte Star-Kerze dar, weil sie eine kleine Lunte aufweist, was jedoch durch den langen Docht wettgemacht wird. Bei der dritten Kerze handelt es sich um eine lange weiße Kerze, mit der diese Umkehrformation abgeschlossen ist.

Beachten Sie dabei, dass die dritte Kerze einen Kursanstieg aufweist, der sie fast bis zum Tageshoch der ersten Kerze führte, was mit hohem Handelsvolumen einherging. Achten Sie auch auf das Kaufsignal, das vom Stochastik-Indikator generiert wurde, was sich am gleichen Tag ereignete, als auch der Morning Star entstand. Nach der dritten Kerze legte die Merck-Aktie wieder zu und erreichte einige Tage später einen Kursgipfel bei 32 Dollar. Der Morning Star machte seinem Namen alle Ehre und verbesserte die Prognosen für die Aktie erheblich.

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Über den Autor
Till Kleinlein

Till Kleinlein ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er wurde bereits sehr früh vom Börsenvirus infiziert.

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