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Was ein „Trailing Stop Loss“ ist

Trailing Stop Losses begrenzen Verluste und sichern Gewinne ab. Warum Sie unbedingt einsetzen sollten und wie Sie mit Trailing Stops Ihre Geldanlage verbessern, erklären wir in den folgenden Absätzen.

Bei Aktien und Ihrer Geldanlage sollten Sie eine Ausstiegsstrategie haben und nutzen. Eine Strategie, mit der Sie methodisch Ihre Verluste begrenzen und Gewinnen laufen lassen.

Halten Sie Ihre steigenden Aktien so lange Sie können. Aber sobald ein stärkerer Rückgang droht, kommt eine Ausstiegsstrategie zum Zuge, um vor größeren Verlusten zu schützen.

Trotz der Beobachtung vieler Unterstützungslinien kommt es vor, dass eine Aktie ohne vorherige Warnzeichen fällt. Die Trailing Stop Strategie ist dann die letzte und entscheidende Maßnahme, um sauer verdientes Geld zu retten.

Absoluter oder prozentualer Differenzwert als Limit ist möglich

Ein Trailing Stop ist zu Deutsch ein „nachlaufender Stop“. Es handelt sich um eine Stop-Order, bei der zusätzlich ein Differenzwert angegeben wird. Dieser Differenzwert kann entweder in Form eines Prozentwertes (zum Beispiel 15%) oder als Absolutwert (zum Beispiel 10 Euro) angegeben werden.

Der Sinn dahinter ist, dass in Erwartung steigender Kurse eines Wertpapiers das angegebene Stop-Limit entsprechend dem angegebenen Differenzwert automatisch nachgezogen wird. So können Sie gegebenenfalls einen höheren Verkaufspreis erzielen als mit einem klassischen Stop.

Bei fallenden Kursen des Basiswertes verharrt das Stop-Limit auf seinem letzten angepassten Niveau. Eine Anpassung erfolgt immer nur nach oben. Erreicht Ihr Wertpapierkurs das angepasste Stop oder sinkt darunter, wird Ihre Order bestens, das bedeutet zum nächstmöglichen Kurs, ausgeführt.

Trailing Stop Strategie: Lassen Sie Verlierer nicht zu großen Verlierern werden

Was ist daran so besonders? Eigentlich nichts Spezifisches – es ist die Disziplin, die zählt. Auf jeden Fall ist es doch so, dass Sie nie eine Aktie in Ihrem Depot haben wollen, die 50 % oder mehr gefallen ist. Das würde bedeuten, dass die Aktie wieder um 100 % (oder mehr) steigen muss, um gerade mal auf das Niveau zurückzukehren, zu dem Sie sie gekauft haben. Mit einer Trailing Stop Strategie stehen die Chancen sehr gut, dass Ihnen so etwas nie wieder passiert

Das müssen Ihre Aktien aufholen:

Prozentualer Verlust einer AktieNötiger prozentualer Gewinn, um den Kaufkurs zu erreichen 
 10% 11%
 20% 25%
 25% 33%
 50% 100%
 75% 300%
100% 900%

Nutzen Sie für Ihre Berechnungen aktuelle Tages-Schlusskurse, keine intraday-Kurse.. Das macht die Sache leichter. Halten Sie außerdem Ihre Trailing Stop Strategie konsequent ein. Erfinden sie keine „Entschuldigungen“, um einige schlechte Aktien noch länger zu halten, obwohl sie unter Ihren definierten Stop fallen. Begrenzen Sie Ihre Verluste. Sobald Sie sich daran gewöhnt haben und sich selbst dazu verpflichten, dies zu tun, ist es nicht mehr schwer.

Niemand – auch nicht der scharfsinnigste Analyst oder der seriöse Vermögensberater mit lebenslanger Erfahrung – kann genug über eine einzelne Gesellschaft, Industrie, oder die Nuancen des Marktes wissen, um den zukünftigen Preis einer Aktie mit 100%iger Gewissheit vorauszusagen.

Der gesunde Menschenverstand diktiert uns zwei Grundlagen

  1. Kleine Verluste zu realisieren, ist viel besser als große Verluste zu erleiden und
  2. Die Gewinne laufen lassen, ist viel besser, als sie vorzeitig zu beenden.

Der Trailing Stop am Beispiel der Lufthansa Aktie

Um einen Trailing Stop anwenden zu können, müssen Sie vorher in eine Aktie oder einen Wert einsteigen. Kleiner Haken: Den Trailing Stop bieten leider nicht alle Broker bzw. Banken an. Fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Bank nach.

Als Einstiegssignal habe ich konservativ das Überbieten des 256-Tage-GD im Kurs genutzt. Betrachten Sie bitte folgenden Chart.

Trailing Stop Loss am Beispiel Lufthansa Chart

Grün eingekreist sind die Einstiegssignale, die der 256-Tage-GD generiert hat. Rot eingekreist die Ausstiegssignale, die der Trailing Stop geliefert hat.

Limit des Trailing Stops setzen

Zunächst legen Sie fest, wie hoch der Trailing Stop wird. Dies hängt von Ihrer Risiko-Mentalität und von Ihrer „Beschäftigungs“-Intensität“ mit dem Börsenspiel ab. Wenn Sie 100 Trades im Monat machen, sieht Ihr Stop anders aus, als wenn Sie pro Monat nur ein paar mal einsteigen.

Der anfängliche Stop ist so gesehen Ihr „Einsatz“. Wenn Sie 1000 Euro pro Trade einsetzen und Ihren anfänglichen Verlust-Stop bei 15% setzen, beträgt Ihr Einsatz 150 Euro. Mit anderen Worten sagen Sie sich: „Die Aktie schaut gut aus, vermutlich wird Sie steigen. Aber mehr als 150 Euro möchte ich nicht verlieren, wenn ich mich irre.“

In der Börsenpraxis bedeutet Trailing Stop, dass Sie Ihren Stop nach oben verschieben, sobald die Lufthansa Aktie ein neues Hoch erreicht hat. Das bedeutet: Sie kaufen eine Aktie bei einem Kurs von 100. Den Stop setzen Sie 15% darunter, also bei 85. Steigt die Aktie auf 110 an, ziehen Sie den Stop nach auf 93,5 (110 minus 15%).

In Zahlen ausgedrückt lauten Ihre drei Trading-Ergebnisse

  • Trade 1: Einstieg bei 9,56, Ausstieg bei 11,87. Vom letzten Hoch bei 14,06 hat die Lufthansa-Aktie etwa 15% verloren, daher steigen wir mit einem Gewinn von 24,16% aus.
  • Trade 2: Einstieg bei 10,94, Ausstieg bei 19,30 (letztes Hoch war bei 22,72). Ergebnis: 76% Gewinn.
  • Trade 3 (leider schwer zu erkennen im Chart): Einstieg bei 20,35, Ausstieg bei 18,4 (letztes Hoch war bei 21,72). Ergebnis: 9,30% Verlust.

Zählen wir zusammen

Der erste Trade bringt einen Gewinn von 241 Euro, der zweite bringt 760 Euro und der dritte einen Verlust von 93 Euro. Bleiben unterm Strich: 908 Euro. Aus den anfänglichen 1000 Euro wurden 1908 Euro, in etwa 4,5 Jahren.

Ein akzeptables Ergebnis¸ was aber viel wichtiger ist: Stellen Sie sich vor, Sie hätten ohne Stops gearbeitet und hätten die Lufthansa-Aktie nach dem ersten Kauf gehalten. Wie sähe Ihr Investment jetzt aus? Einstieg war bei 9,56 Euro, aktuell steht die Lufthansa-Aktie bei etwa 9,88. Aus 1000 Euro wurden also 1033.

Dem Profi brauche ich folgenden Satz nicht zu sagen, beherzigen Sie aber bitte alle: Entscheiden Sie sich, ob Sie mit Trailing Stops arbeiten wollen oder ohne. Falls Sie sich dafür entscheiden, brauchen Sie vor allem eines: Disziplin.

Schlechte Positionen nicht zu lange halten

Wenn eine Position im Gewinn liegt und ausgestoppt wird, ist das für die meisten Börsianer halb so wild. Schließlich haben Sie einen Gewinn gemacht. Wenn die Position allerdings (noch) im Verlust liegt, tendieren die meisten Börsianer dazu, die guten Vorsätze (die Beachtung des Stop) auf das nächste Silvester zu verschieben.

Tun Sie das nicht. Mit der richtigen Diversifizierung und entsprechenden Stops fahren Sie auf lange Sicht besser. Auch wenn Sie mal eine Verlust-Position hinnehmen müssen. Das gehört dazu.

So einfach sind Trailing Stops? Fast

Sicherlich macht es oft keinen Sinn, Ihren Trailing Stop genau 10% unter dem aktuellen Kurs zu setzen. Richten Sie sich nach den stärksten Unterstützungen in diesem Bereich. Wenn Sie zu einen Kurs von 100 Euro einsteigen und eine starke charttechnische Unterstützung läge bei 88 Euro, setzen Sie den Stop bei etwa 87 Euro (entspräche 13%), also ein Stückchen unter der Unterstützung.

Trailing Stops: Fluch oder Segen?

Manchmal werden Sie mit dem Trailing Stop knapp ausgestoppt und müssen einen Verlust hinnehmen. Und am nächsten Tag steigt die Aktie und sie lägen wieder im Plus. Hierzu gibt es drei Punkte zu beachten:

  1. Überprüfen Sie noch einmal Ihre ursprüngliche Analyse. Auch wenn Sie ausgestoppt worden sind, hindert Sie das nicht daran, die Aktie erneut zu kaufen, auch wenn dies unlogisch klingt. Sie sind von keiner Aktie geschieden, wenn Sie sie verkauft haben, allerdings auch mit keiner verheiratet, wenn sie sie gekauft haben.
  2. Wer nicht mit Stops arbeitet, der setzt entweder auf das Prinzip Hoffnung oder muss schon ein erfahrener Zocker sein. Ein Zocker, der einfach damit rechnet, dass er mit der einen spekulativen Position einen Totalverlust erleidet und dafür mit der anderen Position mehr als 100 Prozent Gewinn macht.
  3. Zu guter Letzt ein bekanntes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Sie nicht mit Stops arbeiten:

Arbeiten ohne Trailing Stops: Deutsche Telekom Aktie

telekom langfristchart

Blicken Sie auf das rote Recheck. Bei allen möglichen Einstiegs-Kursen, die innerhalb des Rechtecks zu finden sind, lägen Sie heute im Minus. Bei den wenigen Einstiegs-Kursen unterhalb des Rechtecks lägen Sie im Gewinn.

Wer hier nicht mit Stops gearbeitet hat, der liegt 20 oder 50 oder gar 80 Prozent im Minus. Überlegen Sie sich selbst, ob da nicht ein schneller Verlust von 10 Prozent besser gewesen wäre.

Fazit zum Trailing Stop Loss

Wenn Sie bei Ihrer Aktien- oder Wertpapier-Bewertung diesem Plan folgen, werden sich Ihre Investmentergebnisse höchstwahrscheinlich verbessern und Sie verdienen mit Ihren Engagements mehr Geld. Das ist eigentlich nicht so schwer, wenn man sein Börsen-Ego abschalten kann und einsieht, dass man sich keine Kurse hochwünschen kann. Dafür gibt es Trailing Stops.

Weitere Orderarten

Market Order (Billigst, Bestens)

Limit Order (Buy Limit, Sell Limit)

Stop Order (Stop Buy. Stop Sell, Stop Limit Order)

Trailing Stop Order

Conditional Stop

OCO Order: One Cancels Other

OTC Order: Over The Counter

Orderzusätze (FOK, IOC)

Gültigkeitsbeschränkungen (GFD, GTD, GTC)

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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