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US-Börsen schaffen Stop-Loss-Order ab!

Jetzt ist es amtlich und endgültig. Die New York Stock Exchange (NYSE) und der Nasdaq schaffen ab morgen die Stop-Loss-Order ab.

Von Börsenseite werden alle Orders, die sich in den Orderbüchern befinden und noch nicht ausgeführt werden, gestrichen. Damit geht ein langes und überwiegend erfolgreiches Kapitel zu Ende.

Denn Stop-Loss-Orders haben sich überwiegend bewährt. Sie hatten die Funktion, Verluste zu begrenzen und Gewinne abzusichern. Immer wieder können bei Unternehmen Entwicklungen anders laufen als geplant, und dann begrenzen Sie Ihren Verlust, statt ihn immer größer werden zu lassen.

Die Anleger des Bonner Solar-Unternehmens Solar World können ein Lied davon singen. Die Aktie hat in den letzten drei Jahren über 95% verloren. Das die ersten 20% Minus schon deutlich weniger schmerzhaft.

Sobald wir bei einer empfohlenen Aktien ausreichend im Plus sind, haben wir den Stop nach oben angepasst. So wurde aus dem Stop-Loss ein Gewinnsicherungs-Stop. Das hat überwiegend sehr gut funktioniert.

Manchmal sind wir aber auch zu früh ausgestoppt worden, sprich: wir haben zunächst gute Gewinne mitgenommen, die Börsen haben kurz, aber heftig reagiert, und dann zog die Aktie wieder an.

Das ist mir ehrlich aber lieber, als zu spät mit einem größeren Verlust ausgestoppt zu werden. Ich beobachte immer wieder Anleger, die es fertig bringen, aus einem guten Gewinn durch zu  langes Warten ein Minus zu produzieren.

Die Tücken der Stop-Loss-Order

Die ab morgen von den US-Börsen abgeschafften Stop-Loss-Orders hatten ohne Zweifel für Anleger ihre Vorteile, sie waren aber auch keine Wunderwaffe.

Wenn Sie über einen Broker einen Stop-Loss-Order platzieren, erteilen Sie ihm den Auftrag, eine von Ihnen gehaltene Position dann zu verkaufen, wenn ein bestimmtes, von Ihnen angegebenen Kurslimit unterschritten wird.

So weit so gut. Der Haken ist: Die daraus folgende Verkaufsorder wird immer „bestens“ erteilt, ist also eine Marktorder, die zum nächst möglichen Kurs verkauft wird. Und der ist bzw. war überhaupt nicht immer gut für Sie.

Wenn Sie dieses Problem, das vor allem kleinere Werte betrifft, umgehen wollen, können Sie zunächst noch ein Limit angeben, das nicht unterschritten werden darf. Damit könnte sich eine Stop-Loss-Order sogar zur Falle entwickeln.

Wenn nämlich der Eröffnungskurs tiefer als ist das von Ihnen angegebene Verkaufslimit, wird Ihre Verkaufsorder gar nicht ausgeführt und Ihr Verlust fällt größer aus.

Genau hier setzen auch mögliche Manipulationen an – einer der wesentlichen Gründe, weshalb Nyse und Nasdaq die Stop-Loss-Order zum Schutz der Anleger abschaffen.

Denn die in den Orderbüchern eingestellten Stop-Loss-Order sind einsehbar und können gezielt ausgelöst, wenn man die Geld-Brief-Spannen entsprechend nach unten zieht. Gerade Großinvestoren wie Hedgefonds können Stop-Loss-Order abräumen, um an fallenden Kurse zu verdienen.

Und wie gehen damit deutsche Broker um? Ich habe nachgefragt. Das Ergebnis könnte unterschiedlicher nicht ausfallen. Erleichtert ist die DAB Bank, denn sie diesen Service seinen Anlegern bisher ohnehin nicht angeboten.

Consors wird den Orderzusatz „Stop Loss“ ab morgen ebenfalls nicht mehr anbieten. Einen anderen Weg geht die Comdirect. Über einen eigenen Broker ist es weiterhin möglich, eine Stop-Loss-Order aufzugeben, sowie dies auch bei einem Großteil der US-Broker weiterhin möglich sein wird.

Für die Redaktionen der Börsenbriefe ist die unterschiedliche Handhabung natürlich unerfreulich. Doch es gibt eine sinnvolle, einheitliche Regelung, die Idee der Verlustbegrenzung und der Gewinnabsicherung weiterhin zu nutzen:

Einen mentalen (gedanklichen) Stop. Sie habe eine bestimmte Stop-Marke im Kopf, platzieren diese Order ab nicht. Diesen gedanklichen Stop aktivieren Sie erst dann, wenn der Kurs Ihrer Aktien darunter schließt. Also ein Stop auf Schlusskursbasis. Damit verhindern Sie auch, dass Sie im Verlaufe eines hektischen Handels unglücklich ausgestoppt werden.

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Über den Autor Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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