Bundesbank: Geld wird aus heißer Luft gemacht!
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 22. März 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ich bedanke mich recht herzlich bei Herrn Thorsten M., der mir einen interessanten Link zu einer Broschüre der Bundesbank schickte.
Das besagte Heftchen trägt den Namen "Geld und Geldpolitik".
Dort liest sich u.a. auf Seite 88:
Geldschöpfung der Banken
Geld entsteht durch „Geldschöpfung“. Sowohl staatliche Zentralbanken als auch private Geschäftsbanken können Geld schaffen. Im Eurosystem entsteht Geld vor allem durch die Vergabe von Krediten, ferner dadurch, dass Zentralbanken oder Geschäftsbanken Vermögenswerte ankaufen, beispielsweise Gold, fremde Währungen, Immobilien oder Wertpapiere. Wenn die Zentralbank einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt und den Betrag auf dem Konto der Bank bei der Zentralbank gutschreibt, entsteht „Zentralbankgeld“. Die Geschäftsbanken benötigen es zur Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht, zur Befriedigung der Bargeldnachfrage und für den Zahlungsverkehr.
Geldschöpfung der Geschäftsbanken
Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht.
In anderen Worten: Kredite werden seitens Banken nicht vergeben, weil sie zu viel Geld der Sparer zur Verfügung hätten oder weil etwa die Zentralbank die Banken mit Geld versorgen würde. Viel mehr ist es genau umgekehrt: Geld entsteht beim Kreditnehmer, genauer gesagt durch seine Unterschrift unter dem Kreditvertrag und durch die Sicherheit die für den Kredit hinterlegt wird. Die sog. "Geldschöpfung" erfolgt also völlig andersherum, als es die Masse der Bevölkerung für sich glaubt zu wissen.
Die Konsequenzen hieraus sind natürlich sehr interessant:
- Ohne Schulden gibt es kein Geld. Soll es mehr Geld geben, müssen irgendwo im System mehr Schulden entstehen. Wären alle Schulden abbezahlt, gäbe es kein Geld mehr.
- Eine Bank nimmt auf der einen Seite Geld an, was ihr nicht gehört, und schafft auf der anderen Seite Geld, was nicht existiert. Als "Preis" für diesen "tollen" Vorgang wird der Zins fällig. Gleichzeitig müssen nur 2% Mindestreserve gehalten werden. Eine Bank schafft somit mit 1 Euro Spareinlage 50 Euro Kredit. Für den einen Euro gibt es mikrige Zinsen, für die 50 Euro einen höheren Zins. Die Differenz wird verdient. Kritiker sprechen hier gar vom "Zinsenkassieren für nichts".
- ...
Ich möchte hier nicht auf alle Punkte eingehen, aber ich kann Sie nur motivieren, in einer ruhigen Minute einmal ganz genau über alle Implikationen aus diesen hier beschrieben Vorgängen für sich nachzudenken bzw. hierzu einmal eigenständig in Ruhe zu recherchieren.
Ich bin mir sicher, Sie werden danach manche Dinge mit anderen Augen sehen...
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stefan Wehmeier (13.05. 2011 14:27 Uhr):
Es gibt keine "Geldschöpfung der Geschäftsbanken". In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gilt: Geldvermögen = Kredite + M1 – (über Fristentransformation verliehener Anteil von M1) Der eigentliche Grund, warum pseudowissenschaftliche Kinderfilme wie "Fabian" eine gewisse Popularität erreichen, ist der gleiche wie etwa beim "Denkfehler Marxismus": Es wird vom eigentlichen Wesen der kapitalistischen Ausbeutung abgelenkt, sodass diese durch die jeweilige "Kritik" nicht wirklich gefährdet wird. Zinseinnahmen der Geschäftsbanken: 420 Mrd. Euro pro Jahr Zinsaufwendungen für Sparer (vor allem Großsparer): 330 Mrd. Euro pro Jahr Bankmarge: 90 Mrd. Euro pro Jahr (Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand: Oktober 2007) Wer sind also die Ausbeuter in der Zinswirtschaft - die "bösen Banken" oder die "lieben Sparer"? Die Summe aller "unverschämten Bankmanagergehälter" beträgt weniger als zwei Prozent der Bankmarge, und im Gegensatz zu den Sparern erbringen die Bankmanager dafür sogar eine Arbeitsleistung, unabhängig davon, wie man diese anderweitig bewerten mag. Die Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins), die den Sparern gezahlt werden muss, damit die Geldersparnisse für Investitionen zur Verfügung stehen, setzt eine Untergrenze für die Rentabilität neuer Sachkapitalien, sodass ein struktureller Sachkapitalmangel bestehen bleibt, aus dem wiederum die Eigenkapitalrendite für alles (noch) unverschuldete Sachkapital resultiert, die zurzeit etwa 120 Mrd. Euro pro Jahr beträgt. Rechnen wir die private Bodenrente von etwa 100 Mrd. Euro pro Jahr hinzu, beträgt die Summe arbeitsfreier Kapitaleinkommen (unverdiente Knappheitsgewinne) auf Kosten der Mehrarbeit anderer 550 Mrd. Euro pro Jahr, was einem durchschnittlichen Nettolohnverzicht von 1200 Euro monatlich für alle 38 Millionen (noch) arbeitende Zinsverlierer entspricht. Der dadurch bedingte Kaufkraftverlust der breiten Masse destabilisiert schließlich die gesamte Ökonomie (gegenwärtiger Ist-Zustand). So einfach, wie die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz erklärt werden kann, ist sie auch zu eliminieren: Wo wir heute vielleicht schon sein könnten, wäre die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) bereits 1916 verwirklicht worden, kann bestenfalls erahnen, wer die "Großen Vier" (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat. Wo die Menschheit aber heute wäre, hätte es die "heilige katholische Kirche" nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen:
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