Das Erbe für die nächsten Generationen

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vom


von Bill Bonner

Many times man lives and dies
Between his two eternities,
That of race and that of soul,
And ancient Ireland knew it all.
Whether man die in his bed
Or the rifle knocks him dead,
A brief parting from those dear
Is the worst man has to fear.
Though grave-diggers' toil is long,
Sharp their spades, their muscles strong.
They but thrust their buried men
Back in the human mind again.


- Under Ben Bulben, W.B. Yeats

(Viele Male lebt ein Mensch

Zwischen seinen beiden Ewigkeiten

Der Rasse und der Seele,

Und das alte Irland hat das alles gewusst

Egal ob ein Mensch in seinem Bett stirbt

Oder ob ihm ein Gewehr den Tod bringt,

Eine kurze Trennung von den Lieben

Ist das Schlimmste, was er zu fürchten hat.

Mag auch die Mühe des Totengräbers lang sein,

Sein Spaten scharf, seine Muskeln stark,

Sie schieben die beerdigten Menschen

Doch nur wieder in das menschliche Gedächtnis.)

Die Politik basiert auf Mythen. Mythen die einst der Staatsnation nutzten und die heute dem Imperium dienen. Der Mythos der Staatsnation war, dass es sich um ein Gebiet handelte, das von Menschen besetzt wurde, die einander ähnlich waren. Leute die „Rasse und Seele“ teilten. Das machte das gemeinsame Opfer möglich, das die Nation von ihnen verlangte: die Gemeinschaft der Bevölkerung und nicht die Treuepflicht gegenüber den Herrschern.

Nur wenige Menschen wären z.B. bereit gewesen, ihr Leben für Ludwig XIV. herzugeben. Dieser Mann musste noch Geld aus dem Ausland leihen, um seine Armee bezahlen zu können – die sich normalerweise aus Gesindel aus dem gesamten Kontinent zusammensetze. Nur wenige von ihnen fühlten eine echte Verbundenheit mit dem Monarchen. Aber wenn es um ‚La Patrie’ ging, dann sah die Geschichte schon ganz anders aus. Die Soldaten aus der Bürgerschaft in Napoleons Grande Armee hatten die Nase vorn. Warum? Weil sie nicht mehr nur Poitevins oder Auvergnats waren. Sie waren jetzt alle Franzosen, sie teilten eine gemeinsame Sprache, die gleiche Flagge, die gleiche Regierung und das gleiche Blut. Jetzt machten die Opfer Sinn. Viele haben sich sogar freiwillig gemeldet, um die Nation zu verteidigen.

Soziobiologen haben sogar eine noch direktere Erklärung. Warum sollte ein Mensch sein eigenes Leben für sein Land riskieren? „Weil das der Ort ist, an dem seine Gene zuhause sind.“ Der Mensch gibt mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit sein Leben her, um seine Kinder zu retten, als um seine Enkelkinder zu retten, denn sie haben nur halb so viele seiner Gene.

Es geht nur um die Genetik, sagen die Soziobiologen. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein Trampdampfer, der die Gene von einer Generation zur nächsten transportiert.

Die Wissenschaften und die Pseudowissenschaften haben uns mit viel Unterhaltung versorgt. Z.B. mit der Frage, warum es keine kurzhalsigen Giraffen gibt. Weil die kurzhalsige Giraffe die höher hängenden Blätter nicht erreichen könnte, lautet die Antwort. Doch in Wahrheit kennen wir die Antwort nicht. Für die Evolution geht es letzten Endes um das „was“ und nicht um das „warum“. Alles was wir wissen ist, dass Giraffen mit Genen für kurze Hälse nicht überleben konnten. Sie waren die Verlierer.

Oder eine andere Frage: Warum sind Männer so wie sie sind? Weil die, die anders waren, nicht überlebt haben. Über das Warum kann man nur Vermutungen anstellen, man wird es nie wirklich wissen. Warum sind z.B. die meisten Männer eifersüchtig? Weil die, die nicht eifersüchtig waren zuließen, dass andere Männer zu ihren Frauen gingen. Die Gene der nicht eifersüchtigen Männer gingen verloren.

Die Soziobiologie fand schon Anwendung in der Politik noch bevor sie Bestseller hervorbrachte. Die Staatsnation verdankt ihr den Erfolg. Ohne sie hätten die Steuern wohl nie so effektiv angehoben werden können. Aber mit der Biologie auf ihrer gleichen Seite, stellten die politischen Anführer fest, dass sie die Bevölkerung noch stärker zur Ader lassen konnten. Die Bevölkerung sollte ruhig glauben, dass sie die Kontrolle hätte. Die Vertreter des Volkes stimmten für einen Ausgabenplan, wie konnten die Leute da noch ablehnen, dafür zu bezahlen?

Auf diese Weise breitete sich der Unsinn demokratischer Regierungen über die gesamte Welt aus – wie Kudzu in Alabama. In manchen Gegenden, z.B. in der Sowjetunion, hat dieses Unkraut alles überwuchert – dort erhob die Regierung Anspruch auf fast 100% der Produktion und auf fast jedes Produktionsmittel. Dort hat man es natürlich übertrieben und die Wirtschaft, von der man abhängig war, erstickt.

Und auch überall in der westlichen Welt – inklusive Japan – sind die Steuern zusammen mit den öffentlichen Ausgaben gestiegen. Und deswegen streben auch immer mehr Bürger in Richtung der Zahlungen der Regierung wie Trunksüchtige zur Happy Hour. Wenn es jedoch an der Zeit ist, die neuen Steuern zu zahlen, dann werden die Bürger des Staates plötzlich immer langsamer. Die Spanne zwischen Einkommen und Ausgaben wir immer größer. Die Schulden steigen. Und am Ende stehen wir vor einem ähnlichen Problem wie Ludwig ganz zu Anfang. Nur dass das Ausmaß in einem vollständig ausgebildeten, modernen und demokratischen Staat noch größer ist. Die Schulden von Ludwig XIV. waren ein Witz, verglichen mit denen von Bush II. Ludwig versprach keine Sozialabsicherung, keine medizinische Versorgung, keine Beihilfen im Alter, keine Subventionen für Bauern, keine milliardenschweren Beraterverträge für die Kampagnenmitarbeiter. Mit Ausnahme von einer Handvoll von Geliebten, Gärtnern, Steinmetzen, Bauleuten und Getreuen, hat Ludwig an niemanden Schecks verschickt.

Im Gegensatz dazu hat Bush II seine föderale Großzügigkeit so weit ausgedehnt (man bekommt ja nicht umsonst seine Stimmen) dass es heute in Amerika fast keinen Briefkasten mehr gibt, in dem keiner dieser Schecks landet. Und dann hat er noch die Kriege, hinter denen er die steigenden Zahlen und Beträge verbergen kann. Der Instinkt, der den Lumpen eingebrannt ist, sagt ihnen, dass sie ihre Nation im Krieg unterstützen müssen, ganz egal wie absurd dieser Krieg auch sein mag. Sobald die Trommel anfängt zu schlagen, greifen die Patrioten zu ihren Waffen und ihren Geldbeuteln, als würden die Wilden ihre Töchter durch die Maisfelder jagen.

Bush nimmt seinen Hinweis aus dem letzten Jahrhundert von Benito Mussolini. Il Duce stellte fest, dass er die konservative Opposition überrumpeln konnte, indem er sich von der sozialen Wohlfahrt der offenen Kriegsführung zuwandte. Die Konservativen, die davor zurückschreckten, ihm das Geld für die Sicherung des Friedens in der Heimat zu geben, erlaubten ihm Geld für den Krieg im Ausland auszugeben. Er griff – ausgerechnet – Abessinien an. Indessen werden wir im nächsten Jahrhundert Zeugen von Mr. Bushs Angriff auf Babylonien.

Aber selbst wenn Italien und andere entstehende oder voll ausgebildete Imperien irgendwann immer geschlagen oder in den Konkurs getrieben wurden, steigen die Schulden der USA immer weiter an. Zu der Illusion der Staatsnationen „wir sind alle von der gleichen Art“, hat man in Amerika eine weitere hinzugefügt: „Das sind wir uns schuldig.“ Doch in der neuen Welt wurde die erste Grundlage einer Staatsnation niemals erreicht. Es ist wirklich geradezu vermessen, denn die Amerikaner sind – genetisch – ein bunt gemischter Haufen. Es macht, aus einer soziobiologischen Sichtweise wirklich wenig Sinn, dass ein lutheranischer Schwede aus Minnesota die medizinischen Gewohnheiten einer kubanischen Familie in Miami unterstützen soll. Auch hat der Sohn eines mexikanischen Arbeiters in Kalifornien wohl wenig Interesse daran, sein hart verdientes Geld für die Rente eines englischstämmigen Postangestellten in Connecticut auszugeben.

Wir sind keine vereinte Rasse. Unsere begrabenen Körper bleiben in der Erde. Wir arbeiten und kämpfen weder für unsere Kinder noch für unsere Vorfahren, sondern nur für den nächsten Quartalsbericht und nur, bis die Zahlungen durch die Rentenkasse anfangen.

In einer Welt der öffentlichen Spektakel wirkt die Gründungslüge immer zugunsten der Gegenwart und gegen die Zukunft. Ein aus den Fingern gesogener Krieg erhöht gewöhnlich die Beliebtheit des Herrschers – anfangs zumindest. Ein Haushaltsdefizit führt in den Jahren, in denen es aufkommt, immer zu warmen und freundlichen Gefühlen.

Aber wie bei jedem öffentlichen Spektakel werden das Leid, die Reue und die Enttäuschung an die Zukunft weitergereicht, wenn die Farce ihrem unvermeidlichen Ausgang entgegensteuert. Das gilt in besonderem Maße für das amerikanische Defizit. Während Medikamente, Rentenzahlungen, Subventionen, öffentliche Dienste, Kriege und andere Ausgabenprogramme von der gegenwärtigen Generation angenommen werden wie Freibier, werden die noch kommenden Generationen auf der Rechnung sitzen bleiben. Und wenn es nur um der Rechnungen Willen ist, die ich auf der Rückseite eines Briefumschlags ausführen kann: Stellen wir uns vor, der Kongress und sein Präsident kämen morgen wieder zu Verstand und entschlössen sich, die Bevölkerung von nun an für das bezahlen zu lassen, was sie erhält. Von diesem Moment an würde die amerikanische Regierung nach dem Lohnsteuerabzugsverfahren arbeiten – und damit auch die gegenwärtige „Finanzlücke“ festsetzen. Sie sollte dann nicht weiter steigen.

Und dann wollen wir davon ausgehen, dass die nächste Generation dazu angehalten würde, diese Belastung auf Null zu senken, so dass die zukünftigen Generationen das Licht der Welt zu zumindest so guten Bedingungen erblicken wie die vergangene. Und dann wollen wir davon ausgehen, dass die Gesamtzahl der Amerikaner in der nächsten Generation 100 Millionen ist. Damit müsste dann jeder von ihnen 659.000 Dollar bezahlen. Gehen wir weiterhin davon aus, dass sich das Arbeitsleben über 40 Jahre erstreckt, dann sind das 16.000 Dollar im Jahr ... nur für das Kapital.

Mit Zinsen und den jährlichen Zahlungen wäre es doppelt so viel – oder ungefähr das gesamte Nettoeinkommen eines normalen Arbeiters (die Inflation habe ich bei dieser Berechnung einmal außen vor gelassen.) Mit anderen Worten, eine ganze Generation müsste ihr gesamtes Leben lang arbeiten, nur um das Land aus der Verschuldung zu ziehen, die die Eltern und Großeltern aufgebaut haben.

Und diesen Berechnungen muss noch ein weiterer Gedanke hinzugefügt werden. Wie bei den Schulden von Ludwig, schulden wir uns das nicht selber. Fünfundsiebzig Prozent der föderalen Kredite aus den letzten fünf Jahren stammen von Kreditgebern aus dem Ausland.

Die Zeitungen haben diese Woche die Tatsache herausposaunt, dass die Haushaltsdefizite zurückgingen. George W. Bush hat selbst sein Ehrenwort gegeben, das Defizit zu halbieren. Steuereinkünfte sind höher als erwartet, aber immer noch um 100 Milliarden Doller geringer, als die Vorhersage der Bushregierung von vor fünf Jahren. Und das Defizit, das auf 318 Milliarden Dollar geschätzt wurde, wird sich immer noch auf zwischen 280 und 300 Milliarden Dollar belaufen. Gleichzeitig steigen die Schulden der amerikanischen Regierung auch weiterhin auf eine Art und Weise und in einem Ausmaß, das niemand mehr zu bemerken scheint und das kaum noch gezählt wird.

Und damit wenden wir uns wieder dem Schwerpunkt meiner heutigen Überlegungen zu: es geht nicht darum, wer unsere Schulden bezahlen wird, sondern warum es jemand wollen könnte.

Im Jahr 1789 stellte Thomas Jefferson in einem Brief an James Madison die gleiche Frage und beantwortete sie auch direkt.

„Die Frage, ob eine Generation der Menschheit das Recht hat, eine andere zu binden, scheint weder auf dieser noch auf der anderen Seite des Wassers je gestellt worden zu sein. Doch hängt von dieser Frage so viel ab, dass sie nicht nur eine Entscheidung verdient, sondern auch ihren Ort unter den grundlegenden Prinzipien einer jeden Regierung haben sollte. Der Lauf der Überlegungen, mit denen ich mich hier hinsichtlich der grundlegenden Prinzipien einer Gesellschaft befasse, hat diese Frage aufkommen lassen. Dass eine solche Verpflichtung nicht übertragen werden kann, halte ich für gut beweisbar – ich gehe von Grundgedanken aus, die ich für selbstredend halte: ‚Das Nutzungsrecht der Erde gehört den Lebenden’ und ‚die Toten haben weder die Macht noch die Rechte darüber.’“

„Um diesen Schluss durch ein Beispiel greifbarer zu machen, wollen wir davon ausgehen, dass Ludwig XIV und Ludwig XV im Namen der französischen Nation Schulden im Wert von 10.000 Milliarden Livre gemacht hätten, und dass der Vertrag in Genua gemacht worden wäre. Die Zinsen auf diesen Betrag lägen bei 500 Milliarden, was dem gesamten Pachtaufkommen oder den Nettoerlösen des gesamten französischen Territoriums entspricht. Muss die gegenwärtige Generation das Territorium verlassen, in dem die Natur sie geschaffen hat und es an die Kreditgeber aus Genua abtreten? Nein: Sie haben das gleiche Recht über den Boden, auf dem sie gezeugt wurden, wie auch die vorangegangenen Generationen. Sie beziehen dieses Recht nicht von ihren Vorgängern, sondern von der Natur. Sie sind demnach, genauso wie ihr Boden, von Natur aus frei von Schulden durch ihre Vorgänger.“

Jefferson lieferte die Frage und die Antwort. Ich werde noch zwei weitere Fragen stellen.

Warum sollte die nächste Generation unsere Schulden bezahlen wollen, wenn noch nicht einmal ein Sohn für die offene Rechnung seines Vaters in der Kneipe aufkommen würde?

Warum sollten also die jungen Leute von heute bereit sein, das gleiche für absolut Fremde zu tun?

Und wenn die nächste Generation wirklich unsere wäre, warum sollten wir das von ihnen verlangen wollen?

von
Bill Bonner
Bill Bonner

Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.


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