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Beschleunigt Corona den Abschied vom Bargeld?

Inhaltsverzeichnis

Die Pandemie hat so manchen Prozess beschleunigt, der sich in den Vorjahren bereits angedeutet hatte: Mehr Digitalisierung an Schulen, mehr Flexibilität beim mobilen Arbeiten, mehr virtuelle Kommunikation, mehr Onlineshopping.

Deutsche zahlen seit Pandemie öfter mit Karte

Wie sehr und in welcher Form die Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen das Einkaufsverhalten der Deutschen beeinflusst haben, diesen Fragen ist das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer aktuellen Studie nachgegangen – mit aufschlussreichen Ergebnissen.

Demnach hat sich etwa der Trend zur Kartenzahlung deutlich verstärkt: 2021 seien nur noch 38,5 Prozent der Einkäufe im stationären Einzelhandel in bar bezahlt worden. Im Jahr 2019 waren es noch 46,5 Prozent.

Pandemie beschleunigt technischen Wandel auch in Geschäften

Gerade Deutschland gilt als traditionell bargeldversessen. Während in anderen europäischen Ländern längst auch Kleinstbeträge mit der Karte gezahlt werden und schief angeschaut wird, wer nach dem 10-Euro-Schein kramt, tut man sich hierzulande schwer mit dem Verzicht auf Münzen und Scheine.

Das lag jedoch nicht nur an den Kunden selbst. Auch viele Einzelhändler haben lange Hürden aufrechterhalten, wie etwa, dass ein bestimmter Mindestbetrag erforderlich ist, ehe Kartenzahlung akzeptiert wird. Gerade bei kleineren Einkäufen, etwa wenn zuhause die Milch ausgegangen war, waren Kunden dementsprechend auf ihr Bargeld angewiesen.

Auch Kreditkarten häufiger im Einsatz

Doch auch hier hat Corona einiges in Bewegung gebracht. Weil direkte Kontakte weitgehend vermieden werden sollten und das Hantieren mit Bargeld während der Pandemie als unhygienisch bis gefährlich wahrgenommen wurde, können seither auch Kleinstbeträge meist per Karte bezahlt werden. Zudem haben viele Geschäfte, die vorher gar keine Kartenzahlung akzeptiert haben, inzwischen umgerüstet. Die Kartenzahlung in Bäckereien beispielsweise ist inzwischen alltäglich, vor der Pandemie war dies längst nicht überall möglich.

Zwar wurden auch 2019 schon 50,5 Prozent der Umsätze im stationären Einzelhandel mit Karte bezahlt – im vergangenen Jahr waren es mit 58,8 Prozent jedoch schon deutlich mehr. Meist kommt dabei die Girocard zum Einsatz, also die klassische EC-Karte, die direkt vom Girokonto abbucht. Kreditkarten sind – im Gegensatz etwa zu den USA – weniger verbreitet, doch auch ihr Anteil beim Bezahlen von Einkäufen wächst.

Einkäufe: seltener, dafür aber teurer

Zwei weitere Pandemie-Effekte, die die EHI-Studie aufzeigt, beziehen sich auf das Einkaufsverhalten insgesamt. Demnach reduzierte sich die Anzahl der Einkäufe von 20 Milliarden auf nur noch 16,6 Milliarden, zugleich stiegen aber die Summen, die dabei jeweils bezahlt wurden, um 16 Prozent. Das bedeutet im Klartext: Anstatt täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich kleinere Besorgungen zu erledigen, setzen immer mehr Verbraucher auf seltenere Großeinkäufe, wie etwa den klassischen Wocheneinkauf. Dabei wird vorausschauend geplant und ein Wochenvorrat angelegt, sodass möglichst keine weiteren Einkäufe notwendig werden – in Zeiten geltender Kontaktbeschränkungen ein probates Mittel, um das Aufeinandertreffen mit potenziell infizierten Mitmenschen möglichst gering zu halten.

Wenig überraschend hat außerdem der Onlinehandel weiter zugelegt: Vor allem Einkäufe jenseits des täglichen Bedarfs wurden ins Netz verlagert. Für Lebensmittel und Drogerieartikel bevorzugen viele Deutsche nach wie vor den Gang zur nächstgelegenen Filiale, bei Elektronikartikeln oder Mode hingegen ist der Onlineversandhandel seit Jahren auf dem Vormarsch und konnte sich während der Pandemie noch einmal verstärken.

Kurzfristiger Trend oder langfristiger Wandel?

Spannend wird sein, zu beobachten, inwieweit die skizzierten Entwicklungen auch über die Pandemie hinaus langfristig Bestand haben werden. Handelt es sich um eine widerwillige, vorübergehende Verhaltensanpassung an veränderte Rahmenbedingungen, die bei wegfallenden Beschränkungen wieder abgelegt wird? Oder verfestigen sich hier nachhaltige Veränderungen im Einkaufsverhalten, die auch über die Pandemie hinaus anhalten und sich womöglich noch weiter verstärken werden?

Letzteres ist denkbar, dafür sprechen neben den nun geschaffenen Voraussetzungen – Stichwort Kartenzahlung beim Bäcker – auch Aspekte der demografischen Entwicklung. Die jüngere Generation ist es viel stärker gewohnt, im Netz zu agieren und online einzukaufen, während vor allem die ältere Generation die Liebe zum Bargeld teilweise nur schwer ablegen kann.

Bargeldobergrenzen bald EU-einheitlich?

Immer wieder gibt es auch auf politischer Ebene Bestrebungen, Bargeldzahlungen – zumindest ab einer gewissen Summe – komplett abzuschaffen, um etwa Geldwäsche wirksamer zu bekämpfen.

Tatsächlich haben viele EU-Staaten bereits Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen beschlossen, eine europaweit einheitliche Regelung gibt es bislang jedoch noch nicht. Im Gespräch ist beispielsweise, Barzahlungen auf maximal 10.000 Euro zu begrenzen. Ob oder wann entsprechende Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist bislang jedoch nicht absehbar.