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Aktienmuffel Ja oder Nein? – Deutschland im Vergleich zum Rest der Welt

Aktienmuffel, Entwicklungsland beim Aktienhandel, Deutsche sparen sich arm: Das und vieles mehr liest man über die Deutschen und ihr Aktienverhalten. Aber wieso ist das so? Und wie sieht es mit den Nachbarländern und den USA aus?

Warum die Deutschen die Börse meiden

Generell geht der Trend seit 2008, dem Tiefpunkt der Aktienaktivität der Deutschen, wieder nach oben. Dennoch scheuen Privatanleger in Deutschland die Börse, wie kaum in einem anderen Land.

Dazu beigetragen haben unter anderem die Verluste im Zusammenhang mit der sogenannten „Volksaktie“, die T-Aktie der Deutschen Telekom AG, und das Platzen der „Dotcom“-Blase im Jahr 2000.

Durch den Börsengang des Telekommunikationsriesen und der allgemeinen Interneteuphorie ließen sich viele Kleinanleger erstmals dazu verleiten, in Aktien zu investieren – und bezahlten schließlich mit herben Verlusten. Seitdem herrscht fast so etwas wie eine Aktienhandel-Starre in der Bundesrepublik.

Wie viel Prozent der Bundesbürger handeln aktiv Aktien bzw. besitzen zumindest Aktienfonds-Anteile?

Die Deutschen gehen lieber auf Nummer sicher und investieren größtenteils in vermeintlich sichere Geldanlagen wie Sparbücher, Tagesgeld- und Festgeldkonten zu sehr niedrigen Zinssätzen.

Dennoch gibt es einige wenige, die sich weiterhin mit dem Thema Börse und Aktien auseinandersetzen – und zwar 14,7 Prozent der Deutschen. Etwa die Hälfte davon bilden indirekte Aktionäre und nur 7 Prozent direkte Aktionäre.

Im Vergleich zu anderen Nationen befindet sich Deutschland im Aktienhandel also im unteren Mittelfeld. In den USA legen 56 Prozent der Bevölkerung ihr Geld in Aktien an, in Japan sind es 28 Prozent. Nur Frankreich schneidet im Vergleich zu anderen Nationen schlechter ab.

Deutsche sind bei Wertpapieren vorsichtig

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite der Anlageklassen?

Die Renditeaussichten gehen bei den Deutschen aufgrund ihrer Anlageklassen gegen Null. Auf lange Sicht ist diese Sparbuchpolitik sogar mit Verlusten verbunden – die Deutschen sparen sich also arm. Das Problem ist die Inflationsrate, die die niedrigen Zinsen vertilgt.

Im Jahr 2012 lag die Inflationsrate beispielsweise bei 2,1 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hingegen liegt bei 1,5 Prozent. Bei kürzerer Laufzeit sogar deutlich darunter. Der Dax übertrifft die Inflationsrate dagegen fast immer.

Auf lange Sicht lässt sich also mit Aktien, trotz wiederholt auftretender Kursschwankungen, ein höherer Ertrag erzielen. Geht man z.B. von einer Analyse des Investmenthaus Fidelity Worldwide Investment aus, zahlt sich eine Investition in den Dax, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt, ab einer Anlagedauer von mindestens zehn Jahren fast immer aus.

Tabelle zur jährlichen Rendite im Dax für einen Verkauf zum Kurs von 2013 bei einem Kauf vor 25, 20, 15 und 10 Jahren!

Wie hoch ist der prozentuale Anteil des Vermögens, der in börsengehandelten Wertpapieren steckt?

Das Geldvermögen der Privathaushalte in Deutschland lag nach Angaben der Bundesbank Ende des dritten Quartals 2012 bei knapp 4,9 Billionen Euro (4.900 Milliarden). Davon haben private Haushalte nur knapp 250 Milliarden Euro (5 Prozent) direkt in Aktien und 250 Milliarden in Aktienfonds gesteckt.

Knapp 2 Billionen Euro liegen hingegen auf festverzinslichen Wertpapieren, Tagesgeld- und Festgeldkonten. Vor 42 Jahren, 1970, hatten im Vergleich zu heute noch rund 26,5 Prozent der Deutschen Aktienanteile.

Tabelle zur Vermögensbilanz privater Haushälter in Deutschland für den Zeitraum von 1992 - 2012

Quelle: http://www.comdirect.de/cms/ueberuns/media/factbook_aktie_20130627.pdf (S.21)

Wie hoch ist der Anteil der Aktionäre im Vergleich zu anderen Ländern?

Tabelle zum Anteil der Aktionäre in Deutschland und dem Rest der Welt

Quelle: http://www.comdirect.de/cms/ueberuns/media/factbook_aktie_20130627.pdf S. 23

Wie man der Tabelle entnehmen kann, sind auch die Bürger der Vergleichsstaaten nicht wesentlich zahlreicher im Aktienhandel vertreten. Schweden liegt nur knapp vor und Frankreich sogar deutlich hinter Deutschland zurück.

Auch die Niederländer zeigen noch weniger Interesse und Erfahrung beim Wertpapierhandel. In den meisten Staaten ist, wie in Deutschland, auch das Sparbuch die erste Wahl, wenn es ums Geldanlegen geht. Allerdings ist die Skepsis gegenüber der Aktie im Vergleich zur konservativen Geldanlage Sparbuch, nirgends so hoch wie bei uns.

Am ehesten wären die Polen bereit, in Aktien zu investieren. Besonders mutig sind auch die Schweden in puncto Aktien und Fonds. Generell ist auch die Eurokrise ein Faktor, warum die Staaten ihr Geld lieber nicht in Form von Aktien anlegen.

Wie hoch ist das Durchschnittsvermögen der untersuchten Länder?

Der Deutsche spart zwar leidenschaftlicher als andere Europäer, hat aber im Vergleich dennoch weniger Vermögen als z.B. Frankreich, Spanien oder ÖsterreichTabelle zum durchschnittlichem Vermögen pro Nettohaushalt (in €) für Deutschland, Frankreich, Spanien und Österreich

Anlagekriterien – Wer legt seine Wertpapiere wie an?

Die Gründe und Kriterien, nach denen sich die europäischen Privatanleger Aktien aussuchen, unterscheiden sich zwar, aber in einem Punkt herrscht Übereinstimmung: Die Dividende muss stimmen. Im Gegensatz zu den Deutschen bevorzugen die meisten Aktien aus der Heimat.

Grafik zu den Kriterien beim Aktienkauf in EU-Ländern (Angaben in Prozent)

Quelle: http://www.comdirect.de/cms/ueberuns/de/presse/cori7272_comstudie_wertpapierradar.html (Studie Wertpapierradar S. 11)

Die Lieblingsaktien der Deutschen

Eine Analyse der Münchner DAB Bank mit über 500.000 Depots ergab, dass die meisten Privatanleger auf Einzelaktien bauen. Die beliebtesten Aktien sind die DAX-Aktien, wie die Allianz, BASF, Bayer, Daimler, Deutsche Bank und Siemens, die seit Gründung des DAX dabei sind.

Das meiste Geld, 4,1 Prozent, steckt in BASF-Aktien, bei den Auslandsaktien setzen die Deutschen vermehrt auf Nestlé. Aber auch die Telekom-Aktie ist, laut der Analyse, noch bei fast jedem fünften Privatanleger im Aktiendepot zu finden.

Daraus schließt der Chef der Stuttgarter Vermögensverwaltung Max Schott, wenn das Vertrauen der privaten Anleger für eine Aktie einmal besteht, halten viele über Jahre hinweg daran fest, komme was wolle.

West und Ost im Vergleich – gibt es Unterschiede?

Im Inlandsvergleich schneidet der Osten Deutschlands zum Westen in puncto Aktienhandel schlechter ab. Die Zahlen zeigen, dass die Ostdeutschen dem Treiben an der Börse noch weniger trauen. Mit 2,4 und 2,8 Prozent liegen Sachsen-Anhalt und Thüringen weit hinter Baden-Württemberg mit knapp unter zehn und Hessen (2,9) zurück.

Damit liegen die Schwaben aber auch im bundesweiten Vergleich klar vorne. Die größten Sparfüchse des Bundesgebiets wohnen im Süden.

Anteil der Anleger in Deutschland

Tabelle zum Anteil der Anleger in Deutschland

Quelle: http://www.comdirect.de/cms/ueberuns/media/factbook_aktie_20130627.pdf

Männer und Frauen an der Börse

Frauen sollten sich endlich mehr trauen! Zwar unterscheidet sich das Anlageverhalten von Frauen und Männern, dabei schneidet das weibliche Geschlecht aber in keiner Weise schlecht ab.

Im Gegenteil! Bei einer Untersuchung der University of California lag die Rendite bei den von Frauen geführten Aktiendepots im Schnitt um 1,4 Prozent über der von Männern. Frauen investieren generell risikoärmer und konservativer als Männer, die eher zu riskanteren Investitionen und raschen Anlagewechseln (Aktienumschichtungen) neigen.

Zwar gehören Frauen an der Börse noch immer eher der Minderheit an, das liegt aber wohl auch daran, dass sie erst seit 1921 per Börsengesetz überhaupt an der Börse zugelassen sind. Hinzu kommt, dass in Deutschland noch bis 1953 das Vermögen der Frau mit der Heirat dem Ehemann oblag.

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Über den Autor Investor Verlag

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