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Milliardenwette auf Aktiencrash: Das müssen Anleger jetzt wissen

Aktiencrash
Der geplante Shortangriff von Bridgewater sollte Anleger nicht in Panik versetzen. Es gilt Ruhe zu bewahren. © Adobe Stock - photog.raph

Der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater setzt auf einen Aktiencrash in Europa. In den letzten Wochen wurden dazu Leerpositionen in europäischen Aktien von rund 18 Milliarden Euro aufgebaut. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich. Nur allein in Deutschland shortet Bridgewater fast den halben DAX. Was steckt dahinter und wie gefährlich kann so eine Shortattacke für Anleger sein?

Wer ist Bridgewater?

Bridgewater ist einer der größten und bekanntesten Hedgefonds der Welt. Gegründet wurde der Fonds bereits 1975 von Ray Dalio. Er gehört zu den renommiertesten Fondsmanagern der Welt. Der von Bridgewater 1991 aufgelegte Pure Alpha Fund schaffte seit Gründung eine durchschnittliche Jahresrendite von 13 Prozent. Ein extrem guter Wert.

Ziel von Bridgewater ist es, in jeder Marktlage positive Erträge zu erwirtschaften. Die Investmentphilosophie beruht darauf, Anlagen zu finden, die völlig unterschiedliche Erfolgsfaktoren haben. Die sich also nicht in dieselbe Richtung bewegen, wenn ein Ereignis eintritt. Im Idealfall hat Bridgewater immer 15 verschiedene Anlagen identifiziert, die dazu geeignet sind. Mit dieser Strategie werden immer wieder Risiken einzelner Investments minimiert.

Warum wettet er auf fallende Kurse?

Ray Dalio geht offiziell davon aus, dass Europa und der Rest der Welt vor einem Konjunkturabschwung stehen. Die Wirtschaft befinde sich in der Endphase des Aufschwungs. Er sorge sich davor, wie der nächste Abschwung aussehen könnte.

Damit trifft er den Nerv vieler Analysten und Anleger, die ebenfalls davon ausgehen, dass die Wirtschaft ihren Zenit erreicht hat und nicht mehr viel Spielraum für weitere Steigerungen bietet. Der Zeitpunkt der Positionierung könnte sich im Nachhinein als ideal herausstellen. Denn die Aktienmärkte befinden sich seit Jahren im Höhenflug. Irgendwann endet jede Party.

Auf welche Aktien hat es Bridgewater abgesehen?

In erster Linie auf deutsche, italienische, spanische und französische Aktien. Das gesamte Volumen des europäischen Investments liegt bei geschätzten 18 Milliarden Euro. Das sind rund 15 Prozent des gesamten Vermögens und ist sicherlich kein Taschengeld. Den größten Angriff startet Bridgewater offenbar auf den deutschen Markt.

Hier hat es der Fonds gleich auf 13 DAX-Konzerne abgesehen. Und damit fast auf den halben DAX. Dazu gehören Siemens, die Deutsche Bank, Allianz und BASF. Die gesamte Liste kann im Internet beim Bundesanzeiger eingesehen werden.

Grafik: Aktien im Aufwärtstrend!

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Wie ernst muss man den Shortangriff nehmen?

Bridgewater ist bekannt für seine kurzfristigen Handelsstrategien. Deshalb ist zu vermuten, dass Bridgewater auf eine zweite Abwärtswelle an den Börsen spekuliert sowie auf ein europakritisches Wahlergebnis in Italien am 4. März und möglicherweise auf ein Platzen der Großen Koalition in Deutschland. Deshalb könnte die Shortattacke schon in wenigen Wochen schon vorbei sein.

Denn Shortattacken sind der Ritt auf der messerscharfen Rasierklinge. Damit lässt sich viel Geld verdienen. Allerdings sind die Kosten enorm und die Gefahr immer vorhanden, dass der Markt plötzlich in die falsche Richtung läuft. Dann können auch schnell gigantische Verluste entstehen.

Was sollten Anleger beachten?

Anleger sollten auf jeden Fall ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen. Shortangriffe sind nichts Ungewöhnliches. Immer wieder werden von Fonds kleinere Positionen aufgebaut. Aber auch teilweise wieder recht schnell abgebaut. Ein Hedgefonds alleine kann in den meisten Fällen keinen Kursrutsch auslösen. Dazu müssen die Positionen größer sein. Statt eines Einbruchs führen Shortpositionen nicht selten sogar zu schnell steigenden Kursen.

Nämlich dann, wenn Hedgefonds schief liegen und sich plötzlich mit Aktien eindecken, also kaufen, müssen. Denn mit jedem Euro, den sich eine Aktie in die falsche Richtung aus Sicht des Hedgefonds bewegt, steigen die Verluste. Und das kann sehr schmerzhaft sein. Deswegen stecken hinter plötzlich steigenden Bewegungen, die auf den ersten Blick nicht zu erklären sind, oftmals Shorteindeckungen von Leerverkäufern.

 

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Über den Autor
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Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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