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Ergebniskennziffer EBIT bei der Fundamentalanalyse

Als Anleger setzen Sie auf chancenreiche Investments wie Zertifikate oder auch einzelne an der Börse notierte Aktien. Das EBIT hilft Ihnen bei der Analyse der Ertragsaussichten von Aktien. Der Begriff stammt aus dem Englischen und steht für „Earnings before Interest and Taxes“, auf Deutsch „Gewinn vor Zinsen und Steuern“.

Bei Gesellschaften, die ihren Jahresabschluss entsprechend dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) nach dem Umsatzkosten- oder Gesamtkostenverfahren aufstellen, leiten Analysten vom Jahresergebnis ausgehend die Kennzahl EBIT durch die Neutralisierung von Finanzergebnis und Ertragssteuern.

Die Ermittlung erfolgt nach diesem Schema:

Jahresüberschuss oder -fehlbetrag
+ Steueraufwand
– Steuerertrag
+ Zinsaufwand
– Zinsertrag
= EBIT

Die Aussagekraft des EBIT

Wie Sie unmittelbar aus dem Kalkulationsschema erkennen, eliminiert das EBIT den Einfluss von Zinsen und der Besteuerung auf das Jahresergebnis.

Ziel dieser Neutralisierung ist die Ermittlung einer aussagekräftigen Kennziffer für den Unternehmenserfolg, die unabhängig von der steuerlichen Behandlung und dem Finanzergebnis beziehungsweise der Kapitalsituation ist. Wenn Sie sich bei der Auswahl von Aktien am EBIT orientieren, entscheiden Sie sich für Titel mit solider Ertragskraft.

Die Neutralisierung der Besteuerung

Die Höhe der zu zahlenden Steuerlast hängt von verschiedenen Faktoren ab, die keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsstärke und die Ertragskraft haben. Insbesondere die rechtliche Organisation und der Sitz einer Gesellschaft bestimmen die Höhe der Besteuerung.

Anhand des EBIT lassen sich Gesellschaften vergleichen, die verschiedene Rechtsformen besitzen und aus diesem Grund einer unterschiedlichen Besteuerung unterliegen, wie Aktiengesellschaften oder Kommanditgesellschaften. Genauso einfach gelingt mit Hilfe des EBIT eine Gegenüberstellung von Gesellschaften aus verschiedenen Ländern, in denen unterschiedliche Besteuerungssysteme und Steuersätze herrschen.

Folgender Fall verdeutlicht den Einfluss der Besteuerung auf die Analyse der Ertragsstärke von Gesellschaften. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Betrieb A sein Ergebnis mit einem Steuersatz in Höhe von 30 Prozent zu versteuern hat, während B einem Steuersatz von 40 Prozent unterliegt:

UnternehmenA

(in Mio. Euro)

B

(in Mio. Euro)

Umsatzerlöse500500
Zinsen1020
Ergebnis vor Steuern90100
Steuern2740
Ergebnis nach Steuern6360
EBIT100120

Bei einem Vergleich des Ergebnisses nach Steuern erscheint der Betrieb A rentabler als B. Tatsächlich ist der niedrigere Gewinn von B jedoch lediglich auf die höhere Besteuerung des Ergebnisses bei B zurückzuführen.

Das EBIT zeigt Ihnen, dass Unternehmen B das bessere Betriebsergebnis erzielt. Aus diesem Grund bieten Aktien von B überlegene Aussichten auf künftige Erträge aus Ausschüttungen beziehungsweise Kurssteigerungen.

Die Neutralisierung der Zinsen

Genauso eliminiert die Kennziffer EBIT den Einfluss von Finanzierungen auf den ausgewiesenen Gewinn. Die Zinshöhe ist insbesondere abhängig von der Kapitalstruktur, die eine Gesellschaft auf der Passivseite ihrer Bilanz aufweist. Je größer der Anteil des Fremdkapitals ausfällt, desto höher sind die Zinsaufwendungen.

Ebenso beeinflusst die Höhe der zu zahlenden Zinssätze die Summe des in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Zinsaufwands. Wenn Sie das reine Betriebsergebnis völlig unabhängig vom Finanzergebnis mithilfe der Kennziffer EBIT analysieren, identifizieren Sie zuverlässig Aktiengesellschaften mit hohem Ertragspotential.

Banken berücksichtigen bei der Kalkulation der Zinshöhe, die ein Betrieb zahlen muss, neben dem allgemeinen Marktzinsniveau auch die Bonität des Kreditnehmers. Darüber hinaus spielt die Laufzeit des Kredits eine wichtige Rolle für die Bemessung der Zinshöhe. Alle Faktoren, die die Höhe des Zinsaufwands bestimmen, stehen jedoch in keinem direkten Zusammenhang mit dem Ertragspotential eines Unternehmens.

So müssen die meisten Start-up Aktiengesellschaften, die erst seit kurzer Zeit am Markt aktiv sind und bereits ein sehr hohes EBIT ausweisen, in der Regel wesentlich höhere Zinssätze zahlen als etablierte Gesellschaften, die eine deutlich geringere Rentabilität besitzen.

Ein junger, stark expandierender Betrieb besitzt üblicherweise nur eine geringe Eigenkapitalausstattung und muss dementsprechend Zinslasten auf eine große Fremdkapitalsumme zahlen. Aus diesen Faktoren resultiert ein stark negatives Finanzergebnis.

Dagegen gelten Konzerne aus traditionsreichen Branchen als solide und solvent, sodass Banken für Darlehen geringere Zinssätze verlangen. Darüber hinaus besitzen sie meist eine höhere Eigenkapitalquote, weil sie im Laufe der Jahre Rücklagen bilden. Das EBIT ermöglicht eine finanzierungsneutrale Bewertung der Ertragssituation und zeigt Ihnen so die betriebliche Rentabilität von Aktien.

Dies gilt sowohl in Hinsicht auf die Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Gesellschaften als auch für die Analyse einer Gesellschaft, deren Finanzierungsstruktur sich maßgeblich ändert. Diese kann auch aus einer Kapitalerhöhung resultieren sein.

Als kritischer Anleger achten Sie bei der Auswahl von Aktien für Ihr Portfolio auf das EBIT. Aktiengesellschaften veröffentlichen diese wichtige Kennzahl nicht nur in ihren Geschäftsberichten, sondern häufig auch bei der Präsentation der unterjährigen Quartalszahlen.

Eine empfehlenswerte Aktie weist einen langfristigen Aufwärtstrend des EBITs vor. Dieser zeigt Ihnen, dass die Aktiengesellschaft Märkte erfolgreich bearbeitet und seine Kosten im Griff hat.

Übrigens eignet sich die Kennziffer EBIT auch hervorragend für die Überprüfung der Performance von Aktien, die Sie in Ihrem Portfolio halten. Vergleichen Sie das EBIT einer Aktiengesellschaft über mehrere Jahre, erkennen Sie ohne großen Aufwand, in welche Richtung sich die Erträge entwickeln.

Ein über mehrere Geschäftsjahre zurückgehendes EBIT stellt immer einen Anlass dar, das Engagement zu überprüfen und gegebenenfalls die Aktie zu verkaufen.

Die EBIT-Marge

Mit Hilfe des EBITs lässt sich die EBIT-Marge als weitere wichtige Analysekennzahl ermitteln. Zu diesem Zweck teilen Sie einfach das EBIT durch den Umsatz. Das Resultat drückt die Rentabilität des Betriebes in Prozent aus. Der folgende Fall zeigt die Berechnung der EBIT-Marge:

UnternehmenAB
Umsatzerlöse10.000 Mio. Euro20.000 Mio. Euro
EBIT500 Mio. Euro1.800 Mio. Euro
EBIT-Marge5%9%

Die EBIT-Marge gilt unter Analysten als aussagekräftigere Alternative zur Umsatzrendite. Sie ist nicht beeinflusst von der finanziellen Situation und der Besteuerung einer Gesellschaft. Da es sich bei dieser Kennzahl um einen Umsatzquotienten handelt, der eine Prozentangabe zum Ergebnis hat, eliminiert sie auch den Einfluss der Unternehmensgröße.

Die EBIT-Marge hilft Ihnen insbesondere, die Ergebnisse von Aktiengesellschaften in verschiedenen Wachstumsphasen zu analysieren. So ermöglicht Ihnen diese Kennzahl zum Beispiel die Überprüfung der Rentabilitätsentwicklung einer Aktiengesellschaft nach der Übernahme eines andere Unternehmens oder der Erschließung neuer Märkte.

Genauso unterstützt Sie die EBIT-Marge beim Vergleich von Aktiengesellschaften der gleichen Branche, die unterschiedliche Betriebsgrößen haben, da die absolute Höhe der Umsatzerlöse keine Rolle spielt.

EBIT versus EBITDA

Für die Untersuchung und den Vergleich der Ertragskraft von Aktiengesellschaften verwenden Analysten oft auch die Kennziffer EBITDA. Ob die Aussagekraft der Kennziffer EBIT größer ist als diese, entscheiden Sie vor allem in Abhängigkeit von der Branche, in der die Aktiengesellschaft tätig ist.

EBITDA für Analysen kapitalintensiver Branchen

Diese Kennziffer ermöglicht aussagekräftige Ergebnisse bei der Untersuchung von Betrieben, die ihre Erzeugnisse mit einem hohen Einsatz von Maschinen und Anlagen herstellen. Dies ist regelmäßig in der chemischen Industrie oder in der Autobranche der Fall.

Die Anlagenintensität liefert als Kennziffer, die Analysten aus der Division von Anlagevermögen durch Gesamtvermögen ermitteln, wichtige Hinweise auf die Bedeutung des Produktivkapitals für eine Gesellschaft. Der folgende Fall zeigt den diesbezüglichen Unterschied zwischen den beiden Kennziffern:

Unternehmen

A

(in Mio. Euro)

B

(in Mio. Euro)

Umsatzerlöse500500
EBIT100120
Abschreibungen15030
EBITDA250150

Unternehmen B zeigt ein besseres EBIT als A. Doch nach Neutralisierung der Abschreibungen ergibt sich das Gegenteil, nun ist A deutlich überlegen. Die Ursache für diese Abweichung liegt in derartigen Fällen meist im Alter des Kapitalstocks begründet. Betrieb B arbeitet mit alten Maschinen und Anlagen.

Dies wirkt sich günstig auf das EBIT aus, weil der Abschreibungsbetrag sehr niedrig ist. Es ist sogar denkbar, dass überhaupt keine Abschreibungsaufwendungen mehr anfallen, wenn Unternehmen ihre Leistungen mit Hilfe von völlig abgeschriebenen Maschinen oder Anlagen erbringen. Die isolierte Betrachtung des EBIT vermittelt Ihnen dann ein trügerisches Bild.

Im vorliegenden Fall ist bei Zugrundelegung der EBITDA-Kennziffer die Ertragskraft von Unternehmen A wesentlich größer als von B. Betrieb A verzeichnet hohe Abschreibungsbeträge, weil es umfangreiche Investitionen in sein Produktivermögen tätigt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat A wesentlich bessere Zukunftsaussichten als B, weil es seinen modernen Kapitalstock in den kommenden Jahren nutzt.

Aus dem EBIT berechnen Sie schnell und unkompliziert das EBITDA durch Addition der Abschreibungen, die in der veröffentlichten Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen sind. Liefern die beiden Kennzahlen entgegengesetzte Ergebnisse, analysieren Sie die Ursache und entscheiden dann, welche die höhere Aussagekraft besitzt.

EBIT für andere Unternehmen

Bei allen Unternehmen aus Branchen, die mit einem geringen Kapitalstock arbeiten, fällt der oben aufgezeigte Unterschied zwischen den Kennziffern wesentlich geringer aus. Hier liefert das EBIT sehr verlässliche Werte und eignet sich gut für die Analyse.

Fundamentale Analysen mit EBIT

Mit der Kennziffer EBIT lassen sich aussagekräftige Ergebnisse von Unternehmen durch die Neutralisierung von Zinsen und Besteuerung ermitteln. Die EBITDA-Kennziffer eliminiert darüber hinaus den Einfluss der Abschreibungen und Zuschreibungen. Beide Kennziffern sind jedoch nicht isoliert zu betrachten.

Es ist unbedingt erforderlich, dass Sie stets die konkrete wirtschaftliche Situation eines Unternehmens berücksichtigen. So kann die hohe Abschreibung des Unternehmens A im obigen Beispiel ein Warnsignal darstellen, wenn sie aus der Investition in einen Betriebszweig resultiert, der Produkte herstellt, die von sinkender Nachfrage und zurückgehenden Preisen betroffen ist.

Insbesondere die Entwicklung der Umsatzerlöse im langfristigen Zeitvergleich und in der Branchenanalyse liefert wertvolle Hinweise, mit denen sich diese beiden Kennzahlen zuverlässiger interpretieren lassen.

 

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