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Aktien: Gehören Ihre Aktien wirklich Ihnen?

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Kennen Sie eigentlich die DTCC? Nein? Dann sind Sie sicherlich nicht alleine. Bei der Abkürzung DTCC handelt es sich um eine Kurzform des Namens für ein kleines, bei vielen Anlegern kaum bekanntes Unternehmen namens Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC).

Dieses ist weltweit tätig und hat besonders im US-Aktienhandel eine ganz starke Rolle. War es früher so, dass beim Besitzerwechsel von Aktien entsprechend der Name des neuen Besitzers vermerkt und die Aktien diesem physisch übergeben wurden, ist dies heute in Zeiten von Hochgeschwindigkeitshandel und Online-Plattformen anders.

Der Aktienkauf vergangener Tage

Aktien in Papierform
Aktien in Papierform sind ein Überbleibsel aus dem frühen Börsenhandel – in dieser Form sind die Wertpapiere im Zeitalter der Digitalisierung allerdings eher unüblich. © Adobe Stock - bartsadowski

Aber sehen wir hier doch einmal etwas genauer hin und gehen zunächst einmal in der Zeit zurück. Wenn Sie früher ein Aktienbesitzer waren, dann erhielten Sie bei einem Aktienkauf gedruckte Aktien in Papierform. Sie waren deren Eigentümer und Besitzer und konnten diese aufbewahren, wo auch immer Sie wollten.

Kam dann der Moment, dass Sie die Aktien verkaufen wollten, gaben Sie diese einem Broker. Dieser wurde damit zum Besitzer der Aktien, suchte für Sie einen Käufer und übergab diesem dann im Austausch für eine Zahlung Ihre Wertpapiere.

Im Gegenzug erhielten Sie vom Broker dann Ihr Geld und er seine Provision für den Deal. Sie tauschten also hier Ihr Aktieneigentum gegen Geld. Der Broker diente Ihnen dazu, als Mittelsmann die Transaktion durchzuführen und zu überwachen.

Und genau diese Vorstellung hängt, vereinfacht gesagt, bei vielen Anlegern noch im Kopf. Aktien sind emotional gefühlt etwas solides. Da hat man ja „einen Unternehmensanteil“. Dieser wird nicht so einfach wertlos, wenn die Firma nicht pleite geht… Sie kennen die Argumente.

Doch eigentlich sollte klar sein, dass ein solches Verfahren in Zeiten des Hochgeschwindigkeits- und Hochfrequenzhandels natürlich nicht mehr durchführbar ist. Man hat also einen anderen Modus eingeführt. Und dieser ist sehr interessant…

Wem gehören Ihre Aktien? Die Software übernimmt

Wenn Sie heute Aktien kaufen, dann weiß die entsprechende Firma meist überhaupt nicht, dass Sie überhaupt einen Anteil von ihr erwerben. Und das hat den folgenden Grund. Wie ich oben bereits andeutete, ist das alte Verfahren des Aktienhandels schon lange abgeschafft. Stattdessen läuft dies heutzutage anders. In Ihrem eigenen Depot, das Sie bei Ihrem Broker sehen, haben Sie lediglich einen digitalen Datensatz und gar keine tatsächlichen Aktien.

Im Detail läuft dies so: Wenn Sie heute Aktien kaufen, wird eigentlich Ihr Broker Besitzer Ihrer Aktien und Sie der Eigentümer. Dabei kauft, etwas vereinfacht formuliert, der Broker Ihre Aktien im Namen der DTCC bzw. ihres Tochterunternehmens CEDE & Co. und bucht sie auf Ihrem Depot für den Handel ein.

Dort sehen Sie diese Aktien dann natürlich und viele Anleger glauben hier, der Broker hätte nun tatsächlich entsprechende Aktien bei sich, übertrieben gesagt, im „Schließfach“ liegen und bewahre diese für einen namentlich auf. Doch bei diesem System besitzen Sie physisch absolut nichts und auch Ihr Broker nicht. Man wirft Sie doppelt aus dem Ring. Denn die Papieraktien (und damit der echte Nachweis für Ihr Eigentum) werden der DTCC zugeordnet, welche der Broker über Ihre Transaktion in Ihrem Namen benachrichtigt und gegenüber der Broker als Begünstigter gilt.

„Ihre Aktien“ sind lediglich ein Teil einer Software, die Positionen zwischen digitalen Datenbanken (=Ihr Depot) hin und her verschiebt. Mit anderen Worten: Beim entsprechenden Unternehmen, dessen Anteile Sie halten, weiß man in vielen Fällen auch gar nicht einmal, dass Sie Aktionär sind.

Viel mehr ist der Broker zunächst der Begünstigte bei der DTCC und Sie haben lediglich eine digitale Position in Ihrem Depot bzw. eine Forderung gegen Ihren Broker. Auf diese Weise profitieren Sie von einem sehr schnellen Handelssystem, was sonst natürlich nicht möglich wäre. Denn die Bewegung von Papieraktien entfällt damit.

Gleichzeitig steht und fällt hier jedoch alles mit der entsprechenden digitalen Datenbank, denn auf dem Aktienpapier sind Sie ja in der Regel kein Eigentümer mehr der jeweiligen Aktie. Diese gehört auf dem Papier zunächst der DTCC. Sie vertrauen hier also lediglich auf eine Software und geben sehr viel aus der Hand.

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Das ist so natürlich nicht neu und funktionierte auch bisher in guten Zeiten. Doch was ist, wenn mal eine Krise oder das Chaos kommt? Alles, was Sie dann zunächst haben, ist rein technisch ein Datensatz in einer Datenbank bei einem Broker. Und dieser ist der Begünstigte bei der DTCC für Ihre Aktien. Sie sind ganz am Ende der Kette.

Und das ist natürlich alles andere als unproblematisch. Denn die DTCC und ihre Tochter CEDE halten 99% aller US-Aktien und damit ein gigantisches Anlagevermögen. Dies läuft dabei so ab, dass die DTCC eine sog. Banking Trust Company ist und die Aktien dann von ihrer Tochter CEDE halten lässt.

Dabei wird die Sache besonders interessant, wenn man einmal schaut, wem eigentlich die DTCC gehört. Die Besitzer sind hier nämlich ähnlich wie die der US-Notenbank FED. Die Rede ist von den berühmt berüchtigten US-Großbanken… Und das ist natürlich ein starkes Stück. Denn wir sprechen hier von Anlagewerten von mehr als 20 Billionen US-Dollar alleine in den USA.

Ein offener Brief: Die Finanzbranche meldet sich

Ein derartiges Verfahren bringt nicht nur in Krisenzeiten wohl auch einige Teilnehmer der Finanzbranche ins Grübeln. Bereits im Jahr 2005 gab es hierzu einen interessanten offenen Brief an die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Dieser wurde von der Amerikanerin Lori Livingston verfasst. Livingston ist bzw. war mit ihrer Firma auf der technischen Seite der Abwicklung des Aktienhandels tätig.

Sie findet dabei klare Worte und mahnt ganz klar massive Fehlentwicklungen an. Laut ihrer Aussage wurde sie bereits 2005 zunehmend von Unternehmen kontaktiert, die eben aufgrund des obigen Systems nicht mehr wissen, wer eigentlich ihre eigenen Aktionäre sind.

Und eins können Sie sicher sein. Wirklich zum Positiven hat sich hier seit 2005 nicht wirklich etwas verändert. Viel mehr hat sich der Trend noch fortgesetzt. Sie sollten dieses System also stets im Hinterkopf behalten, wenn Sie mit Ihrem Vermögen auf Aktien setzen. So schön „handfest“ wie einem suggeriert wird, ist hier nichts.

In guten Zeiten ist das alles kein Problem. Rein technisch partizipieren Sie dabei am Aktienhandel. Allerdings ist das mit Besitz und Eigentum heutzutage eben eine „ganz besondere Sache“ bei Aktien. Und das dürfte gerade dann besonders interessant werden, wenn Sie mit einer wirklichen Krise rechnen und sich dafür mittels Unternehmensbeteiligungen durch Aktienkäufe absichern wollen.

 

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