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Geldanlage: Ist die Drei-Speichen-Regel noch sinnvoll?

Inhalt

Die sogenannte „Drei-Speichen-Regel“ ist ein antiker Ratschlag zur Vermögensaufteilung. Schon im babylonischen Talmud findet sich die entscheidende Anweisung:

„Man soll sein Vermögen stets in drei Teile teilen: Ein Drittel Land, ein Drittel Handelswaren und ein Drittel bar zur Hand.“

Übersetzt in unser heutiges Zeitalter würde dies für Ihre Vermögensdiversifikation bedeuten:

  • 1/3 Immobilien inklusive Land, Acker, Wald und Grundstücken
  • 1/3 Wertpapiere und
  • 1/3 Metalle
3 Speichen Regel
Die Drei-Speichen-Regel beschreibt eine Art der Vermögensaufteilung. © Adobe Stock - Olivier Le Moal
Es geht also um die, um es mit den Worten meines amerikanischen Kollegen Alex Green zu bezeichnen, wichtigste Entscheidung, die ein Investor treffen kann: Die Vermögensaufteilung (engl. asset allocation). Doch welche Bedeutung kann eine derart alte Regel für heute haben? Schließlich wurde doch die Finanzmathematik ein ganzes Stück weiter entwickelt?

Markowitz Idee kurz zusammengefasst

Der bekannteste Name im Zusammenhang mit Portfolio-Optimierungsfragen ist sicherlich bei vielen Anlegern Harry Markowitz. Bereits in den 1950er Jahren formulierte der US-Ökonom seine Portfoliotheorie. Das Ziel erklärte Ziel: Eine hohe Rendite bei möglichst geringem Risiko zu erwirtschaften. Markowitz vertrat dabei die Auffassung, dass in einem möglichst effizienten Portfolio die Renditeentwicklung einzelner Vermögenswerte in guten und schlechten Zeiten möglichst wenig korreliert.

Dieser durchaus gute Gedanke stützte sich auf historische Daten, die nahe legten, dass Wertentwicklungen in verschiedenen Anlageobjekten die unterschiedlichsten Auslöser haben können. Mögliche Faktoren, welche den Preis eines Investments beeinflussen können, sind dabei etwa der Konjunkturverlauf, das Wetter, das Zinsniveau oder ob ein Wert der Konjunktur voraus- oder nachläuft.

Markowitz folgerte daraus für sich, dass die Chance, dass ein unschönes oder unerwartetes Ereignis im Alleingang ein Portfolio vernichtet, umso geringer ist, desto geringer die Korrelation unter den Anlageobjekten ist.

Dabei betrachtete Markowitz das Risiko einer Anlage in Form der Volatilität des Kurses. Je mehr also ein Wert schwankt, desto höher war für Markowitz das Risiko. Markowitz selbst war dabei von der Effizienz der Märkte überzeugt und sah den beschrieben Zusammenhang auch als umgekehrt gültig an. Hohes Risiko bedeutete für ihn somit auch hohe Chancen, sonst wären Anleger im effizienten Markt ja nicht bereit zu investieren.

Sind die Regeln noch heute gültig?

In der Theorie klingt dies sehr nett, was Markowitz da zu Papier brachte. Doch leider haben ihm einige Politiker heutzutage mit ihren ständigen Marktinterventionen einen gehörigen Strich durch die Rechung gemacht. Bereits 2010 zeigte sich mit Blick auf Markowitz schon der „Fluch des billigen Geldes“. Heute sind die Zustände noch ein Vielfaches schlimmer. Das Manager-Magazin schrieb damals etwa schon:

Doch der Leitfaden für Generationen von Vermögensverwaltern scheint überholt. So überlagert heute die Wucht der gewaltigen Geldmengen, die von Hedgefonds und Banken immer kurzfristiger bewegt werden, die Kraft der realwirtschaftlich begründeten Korrelationen. Weil diese Großanleger mit Unmengen geliehenen Geldes unterwegs sind, reagieren sie fast panisch auf geringste Unsicherheiten, ziehen dann ihre Investments nicht nur in der direkt betroffenen Anlageklasse zurück, sondern liquidieren oft alle Positionen und setzen zeitweilig auf Cash.

Heute können sich Zinsniveau und Aktienkurse auch in gleiche Richtung bewegen – früher galt hier eine negative Korrelation. Und deshalb kann, wie 2008, der Ölpreis in schwindelerregende Höhen steigen, obwohl der Verbrauch parallel einbricht. Die Streuung eines Portfolios senkt damit heute das Risiko längst nicht so stark wie früher.

Die zweite zentrale These der Modernen Portfoliotheorie greift der Ökonom Bob Haugen an. Er verglich die Wertentwicklung von Wertpapieren mit hoher Volatilität – nach Markowitz also mit hohem Risiko, aber auch hoher Ertragschance – mit der von Aktien mit niedriger Volatilität. Sein Resultat: „Die risikoreichen Aktien haben über die Zeit die niedrigsten Erträge, und die stabilsten Aktien bringen den höchsten Wert.“

Die Märkte seien eben doch grob ineffizient, unterbewertete Aktien seien leicht zu finden. Überbewertete Papiere auch: So hatten die meisten kunstvoll aus maroden US-Hypotheken zusammengebastelten Zertifikate eine ganz geringe Volatilität – bis zu dem Tag, an dem sie wertlos wurden. So wäre es an der Zeit für eine modernere Portfoliotheorie – doch die scheint noch nicht in Sicht.

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Doch was hat dies alles mit der Drei-Speichen-Regel zu tun?

Nun, so wie Markowitz eben seine Portfoliotheorie vorstellte und daraus letztlich ein Modell zur optimalen Vermögensaufteilung versuchte abzuleiten, so ist auch die Dreispeichen-Regel ein Modell zur Vermögensaufteilung, nur eben bereits sehr alt.

Ich würde lügen, wenn ich Ihnen sagen würde, dass mir seriöse und stichhaltige Untersuchungen zur Effizienz der Drei-Speichen-Regel im Vergleich zu anderen Asset Allokationsmodellen vorliegen. Ich kann Ihnen daher an dieser Stelle nur meine persönliche Meinung sagen. Und da sehe ich bei der Drei-Speichen-Regel sowohl Vorteile als auch Nachteile.

Beginnen wir mit ein paar positiven Punkten:

  • Sie ist sehr einprägsam und bietet eine sinnvolle Aufteilung der Assetklassen.
  • Da die meisten Anleger überhaupt keine vernünftige Vermögensaufteilung durchführen, bietet die „Dreispeichenregel“ zumindest ein einfaches und gut verständliches Konzept, um in das Thema einzusteigen und sich dann weiter zu professionalisieren.
  • Jeder der Assetklassen lässt sich weiterhin unterteilen und so lässt sich eine breite Diversifizierung erzielen
  • Der ein oder andere Anleger mag psychologischen Nutzen daraus ziehen, dass das Modell „alt und bewährt“ ist.
  • Sie erinnert die heutigen „Papier-Anleger“ mit ihrem Tunnelblick daran, dass reale Werte keinesfalls zu unterschätzen sind und besonders in unsicheren Zeiten wie aktuell definitiv ins Portfolio gehören. Gerade kürzlich erst sah mich einer meiner unbelehrbarsten Bekannten (ich mag ihn natürlich trotzdem als Person, auch wenn ich der Meinung bin, dass er ein beratungsresistenter Finanzanalphabet ist) ungläubig an, als ich ihm berichtete, dass ich mich über die niedrigen Goldkurse zwecks Nachkaufgelegenheiten freute.

Vorsichtig wäre ich mit der Drei-Speichen-Regel jedoch z.B. bei den folgenden Punkten:

  • Eine starre Aufteilung von 1/3 ist in meinen Augen nicht immer sinnvoll. Warren Buffet sagte schon zum Thema Diversifizierung „Das Risiko streuen müssen nur Investoren, die nicht wissen, was sie tun“. Ich selbst handhabe dies in meiner eigenen Aufteilung dynamischer. Dabei gibt es natürlich Grenzen, um unnötige Klumpenrisiken zu vermeiden. Aber wenn ich absolut sicher bin, dass eine Anlage gut laufen wird, wage ich hier auch mal mehr.
  • Jede Anlageklasse hat ihre Zeit für Käufe und Verkäufe. Die Drei-Speichen-Regel gibt meines Wissens nach keine Zeitpunkte an, wann ein sogenanntes „Rebalancing“ erfolgen sollte. Wann Sie also die Profite aus einer gut gelaufenen Klasse nehmen und wieder auf das Portfolio verteilen, damit die Drittelung wieder hergestellt ist. Ohne eine solche bewährte Regel ist eine statische Aufteilung wie oben sinnlos, da Sie so einer gut laufenden Assetklasse nicht genug Platz geben, Gewinne anzuhäufen.
  • 1/3 Metalle ist gerade im aktuellen, rezessiven Umfeld an den Märkten und bei fallenden Rohstoffpreisen in meinen Augen deutlich zu viel. Hier fehlen Regeln zur Diversifikation innerhalb der drei Speichen.

Letztlich würde ich es von Ihrem individuellen Stand als Anleger abhängig machen, welche Vermögensaufteilung Sie durchführen. Dabei bietet jedes Modell seine Stärken und Schwächen und es ist auch immer die Frage, mit was Sie sich als Anleger individuell wohl fühlen. Wichtig ist nur, dass Sie eine systematische Vermögensaufteilung durchführen.

 

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