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6% Zinsen vom Staat: Top-Geldanlage beim Finanzamt?

Gibt es eine absolut sichere und seriöse Kapitalanlagemöglichkeit unter Nutzung des deutschen Steuerrechts? Die jährlichen zu erzielenden Zinsen betragen dabei 6 %, der Schuldner ist die Bundesrepublik Deutschland. In Zeiten niedriger Renditen solider Schuldner somit ein wahrhaft attraktives Angebot.

Steuervorauszahlung Zinsen
Eine verzinste Rückerstattung der gewaltigen Steuervorauszahlung klingt verlockend, aber in der Praxis sieht es leider anders aus. © Adobe Stock - Zerbor

Kapitalanlage beim Finanzamt: Die wichtigsten Grundlagen zum Steuerkniff

Zahlreiche Berichte finden sich zu diesen Möglichkeiten in einzelnen Medien und Verbrauchermagazinen, allen voran im Internet. „6 Prozent Erstattungszins: Top-Geldanlage beim Finanzamt“, oder „Geldanlage beim Finanzamt – erfreulich rentabel“ sind hier beispielhafte Schlagzeilen für eine Vielzahl der Berichte, die ich über dieses Thema gefunden habe. Das war Anlass genug für mich, die Fakten gemeinsam mit meinen Steuerexperten zu analysieren.

Die aktuelle Gesetzeslage stellt sich in der Tat so dar, dass Steuererstattungen des Finanzamtes mit einem Zins von 0,5 % pro Monat verzinst werden. Das bedeutet einen überdurchschnittlich hohen Jahreszins von 6 %.

Ein Anleger hatte nun die Idee, seinem Finanzamt einfach gezielt zu viel Geld zu überweisen als Steuervorauszahlung im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung mit der Begründung, dass er Steuernachzahlungen, die ebenfalls mit 6% Zinsen belegt werden, vermeiden möchte. Er dachte dabei an 20.000 Euro, wofür er dann 6 % Zinsen erhalten würde. Aus seiner Sicht eine vollkommen risikolose Kapitalanlage mit hoher Rendite.

Ein Praxisnutzen des angeblichen Steuertricks ist für Anleger nicht vorhanden!

Das ist leider ein Trugschluss: Das Finanzamt würde eine derartige Überzahlung nicht anerkennen und annehmen. Darüber hinaus beginnt die gesetzliche Zinsberechnung erst 15 Monate (!) nach Ablauf des Steuerjahres. Allein dadurch wird dieser angebliche Steuertrick wirtschaftlich vollkommen uninteressant, weil ein Anleger dem Staat 15 Monate das Geld unverzinst zur Verfügung stellt. Nur damit er dann vielleicht für wenige Monate – oder auch nicht – einen Zins von 0,5 % pro Monat bekommt.

Grafik: Aktien im Aufwärtstrend!

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Eine relativ lange, aber durchaus nicht seltene Wartezeit für eine Steuerrückerstattung liegt bei rund 17 Monaten. In der Praxis bedeutet das, dass nur zwei Monate attraktiv verzinst werden. Die Durchschnittsrendite auf die Gesamtlaufzeit liegt dadurch bei lediglich rund 0,7 % jährlich. Dafür gibt es weit bessere Möglichkeiten.

 

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Über den Autor
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Markus Miller

Markus Miller ist ein gefragter Experte, wenn es um das komplexe Thema internationale Vermögensstrukturierung und die globale Steuerung von Vermögenswerten geht.

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