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Indikatoren: Auf diese Stimmungsindikatoren ist tatsächlich Verlass

Jeden Monat, zum vorletzten Tag des Berichtsmonats, gucken Anleger gespannt auf den GfK-Konsumklimaindex, als ob es sich bei diesem Indikator um eine Kristallkugel handelt, in der sich die Zukunft der Börsenkurse lesen lässt. Was schön wäre, ist aber leider nicht immer verlässlich.

Stimmungsindikatoren beeinflussen Anlegerverhalten

Es gibt weiche und harte Stimmungsindikatoren an der Börse. Beide können zur Entscheidungsfindung und Kursprognose herangezogen werden. Weiche Stimmungsindikatoren basieren auf Abstimmungen. Institute fragen dabei zum Beispiel zufällig ausgewählte Verbraucher, Manager oder institutionelle Anleger nach ihrer Marktmeinung.

Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK, beispielsweise, befragt monatlich 2000 repräsentativ auswählte Personen ab 14 Jahren nach ihren Einkommens- und Konsumerwartungen bezogen auf die nächsten zwölf Monate, sowie nach ihren eigenen Konsumneigungen. Aufgrund dieser Daten wird dann der Konsumklimaindex GfK erstellt, der die Konsumneigung der Privathaushalte widerspiegeln soll.

Sind Stimmungsindikatoren wirklich verlässlich?

Klingt erst einmal nach einem guten Indikator. Die Ergebnisse sind allerdings zweifelhaft. Wenn Sie den Index jahrelang beobachten, so fällt ihnen auf, dass die GfK fast monatlich in Jubelmeldungen ausbricht. Der Index erreiche neue Höchststände beim Konsumklima und der Anschaffungsneigung der deutschen Bevölkerung.

Eine Woche später kommt dann vom Statistischen Bundesamt die Einzelhandelsumsatzstatistik mit seit Jahren stagnierenden realen Umsätzen. Wie passen auf der einen Seite hohe Anschaffungsneigungen und stagnierende Einzelhandelsumsätze zusammen? Ganz einfach.

Die Daten der GfK zeigen, wie subjektiv weiche Stimmungsindikatoren sind. Denn was diese 2000 Befragten auf der einen Seite sagen und auf der anderen Seite machen, sind oft zwei völlig verschiedene Dinge. Jemand kann gleichzeitig sagen, dass er sich vorstellen könne, künftig mehr zu konsumieren, gleichzeitig aber lieber jeden Monat sein Geld aufs Tagesgeldkonto schieben. Jemand kann eine tolle optimistische Börsenstimmung verkünden und gleichzeitig keine Aktien.

Ifo und Co.: Weiche Indikatoren sind kaum nützlich

Zu den weichen Stimmungsindikatoren zählen auffallend viele häufig zitierte Zahlen. So sind praktisch alle Einkaufsmanager-Indizes weiche Indikatoren. Der ifo Index ist so weich wie warme Butter. Hier werden die Manager nicht nur nach ihrer Meinung befragt – die Daten, auf denen die Manager ihre Meinung bilden, dürfen sie sich auch noch selbst aussuchen. Wenn jeder Manager auf anderer Grundlage antwortet und die kundgetane Meinung dann nicht einmal mit den Handlungen des Managers übereinstimmen muss, kann kein sinnvoller Indikator herauskommen.

Daher mein Rat: Schauen Sie sich an, ob es sich bei den von Ihnen beobachteten Indikatoren um weiche Indikatoren handelt. Werfen Sie diese Indikatoren aus Ihrer Beobachtungsliste. Wann immer Ihnen jemand mit einem solchen Indikator etwas erklären möchte, ignorieren Sie ihn. Aus weichen Indikatoren können Sie nichts ablesen außer den Glauben anderer Marktteilnehmer an die Relevanz dieses Indikators.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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