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Ifo-Geschäftsklima kollabiert: Ist das Paniktief erreicht?

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im September regelrecht eingebrochen. Das zeigt der Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser sank im September weiter auf nur noch 84,3 Punkte.

Das ist der niedrigste Wert seit Mai 2020, also kurz nach dem Höhepunkt des Coronacrashs. Im August lag der Index noch bei 88,6 Punkten. „Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession”, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Ifo-Geschäftsklima kollabiert regelrecht – Paniktief erreicht?

Der Rückgang zieht sich laut ifo Institut durch alle vier Wirtschaftsbereiche. Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten auf die kommenden Monate klar schlechter. Im Einzelhandel fielen die Geschäftserwartungen sogar auf ein historisches Tief.

Ungewöhnlich finde ich, dass die Geschäftslage (also die Realität) immer noch stabil beurteilt wird. Hier bewegen wir uns auf dem Niveau des (guten) Vorjahres. Gleichzeitig sind die Geschäftserwartungen ungewöhnlich strak kollabiert und befinden sich nahe von den Niveaus am Höhepunkt des Coronacrashs 2020. Schießt die Wirtschaft mit ihrem Pessimismus über das Ziel hinaus?

Natürlich gibt es genügend Gründe, um sich Sorgen zu machen. Nach Einschätzung von ifo-Experte Klaus Wohlrabe haben sich auch die Lieferengpässe in der deutschen Industrie wieder verschärft. Zwei Drittel aller Unternehmen klagten über Engpässe, das sind rund vier Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Wurde in den vergangenen Monaten nicht in den Medien verbreitet, dass sich die Liefersituation entspannen würde? Pustekuchen!

Schlüssel zur Trendwende bleibt die Lösung der Energiekrise

Das andere große Problem für die Unternehmen sind aber die tödlich hohen Energiepreise. Kleiner Lichtblick: Hier gab es in den vergangenen vier Wochen eine spürbare Entspannung an den Spotmärkten, weil Flüssiggaslieferungen den befürchteten Gasmangel unwahrscheinlicher werden lassen und zudem Preisregulierungspläne geschmiedet werden. Diese Entspannung reicht allerdings noch nicht aus. Es ist zudem fraglich, inwiefern und wann diese sich in den Endpreisen bei den Gasverbrauchern niederschlagen wird.

Die Politik sollte daher ihre Pläne zu einer Preisdeckelung bei Gas und Strom schnellstmöglich umsetzen, bevor eine gewaltige Insolvenzwelle das Land überrollt. Der Energiepreisschock lässt die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und macht die Produktion vieler Unternehmen unrentabel.

DAX stürzt ab – ist jetzt genug Pessimismus im Markt?

Für deutsche Anleger bleibt das Börsenumfeld damit eine große Herausforderung. Der Absturz des DAX am Freitag unter die mittelfristig wichtige Unterstützung bei 12.500 Punkte spricht da leider Bände. Die Börse hat der Politik das Vertrauen entzogen.

Auf der anderen Seite könnte eine zumindest vorübergehende Lösung der Energiekrise mittels staatlicher Eingriffe und vermehrter Flüssiggaslieferungen eine kräftige Kurserholung jederzeit auslösen. Zumal die Stimmung sowohl an den Börsen und in der Wirtschaft extrem mies ist. Das wäre typisch für einen Boden. Niemand glaubt mehr an eine Besserung.