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Proto Labs-Aktie mit 30% Kursverlust nach den Zahlen

Inhaltsverzeichnis

Starke Nerven brauchen Anleger weiterhin bei der Aktie des Auftragsfertigers Proto Labs. Seit die Aktie am 27. Januar 2021 ihr Allzeithoch bei 251 Dollar markierte, ging es rasant bergab. Immerhin rauschten die Papiere, trotz zwischenzeitlicher Erholungstendenzen, seither um 90% in den Keller. Nach dem Kurssturz in der letzten Woche notieren die Papiere nur noch bei 24 Dollar. Wer auf einen entscheidenden Schub durch die jüngst präsentierten Geschäftszahlen gehofft hatte, wurde massiv enttäuscht.

Proto Labs – längst kein Start up mehr

Proto Labs wurde 1999 von Larry Lukis, einem erfolgreichen Unternehmer und Computerfreak, gegründet. Sein Ziel war es, die Herstellung von Prototypen im Spritzguss aus Kunststoff zu revolutionieren. Seine Lösung bestand in der Automation des traditionellen Herstellungsverfahrens durch die Entwicklung komplexer Software, die mit einem Netz aus Fräsmaschinen und Spritzguss-Pressen kommunizierte. Er vernetzte also die Maschinen so, dass sie Daten austauschen konnte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Kunststoff- und Metallteile konnten in einem Bruchteil der zuvor erforderlichen Zeit produziert werden.

In den darauffolgenden zehn Jahren entwickelte das Unternehmen seine Spritzgussmöglichkeiten weiter, führte ein Express-Verfahren für CNC-Bearbeitung ein und eröffneten Produktionsanlagen in Europa und in Japan. 2014 brachten Proto Labs industriegeeignete 3D-Druckdienste auf den Markt, um Produktentwicklern, Designern, Ingenieuren und Konstrukteuren den Weg von ersten Prototypen bis zur Kleinserienherstellung zu erleichtern.

Spezialist für Kleinserienherstellung

Heute hat sich der US-Konzern komplett auf die Annahme von Aufträgen für Prototypen und Kleinserien spezialisiert. Die Aufträge kommen digital rein und werden extrem schnell bearbeitet. Der Kunde erhält automatisiert innerhalb von Minuten einen Kostenvoranschlag für die Fertigung. Nach Auftragsvergabe werden beispielsweise Kunststoff- und Metall-Prototypen innerhalb weniger Tage, zum Teil sogar innerhalb von nur 24 Stunden fertiggestellt. Anstatt dass Kunden Wochen auf einen Prototyp warten müssen, geht es bei Proto Labs blitzschnell.

Quer durch die Branchen genutzt

Entscheidend für den Unternehmenserfolg ist dabei die Software zur Auftragsverarbeitung und die Schnelligkeit der Lieferung. Proto Labs selbst beschäftig mehr als 2.700 Mitarbeiter und verfügt mittlerweile über 12 Fertigungsstätten in sieben Ländern. Dabei bedient das Unternehmen komplett unterschiedliche Industrien. Den adressierbaren Gesamtmarkt schätzt Proto Labs auf über 100 Milliarden Dollar.

Proto Labs mit Umsatzrückgang im dritten Quartal

Im dritten Quartal musste Proto Labs allerdings einen Dämpfer hinnehmen: Die Umsätze sanken 2,9% auf 121,7 Millionen Dollar und verfehlten die Erwartungen um 4,3 Millionen Dollar (Quelle: Seeking Alpha). Dabei wurden 81,3% der Umsätze in den USA erzielt, 17,6% in Europa und der Rest (1,1%) in Japan. Dabei hat der Konzern im ersten Quartal 24.058 Produktentwickler bedient.

Proto Labs berichtet über Einnahmen in vier Marktsegmenten: Spritzguss, CNC-Bearbeitung, 3D-Druck und Blech. Der Spritzguss machte rund 40% des Gesamtumsatzes des Unternehmens (48,9 Mio. Dollar) aus, sank aber im Jahresvergleich um 12%. Im Segment CNC-Machining wuchs das Unternehmen unterdessen beim Umsatz um 12% auf 47,5 Mio. Dollar, während das Segment Blech um 8% auf 5,2 Mio. Dollar anstieg. Im Zukunftsmarkt mit 3D-Druck kletterten die Erlöse um 11% auf 19,8 Millionen Dollar. Damit stand der 3D-Druck gerade mal für 16,2% der Gesamtumsätze.

Gewinn trifft Erwartungen – schwache Prognose erschreckt die Anleger

Unter dem Strich erzielte Proto Labs einen bereinigten Gewinn von 10,8 Millionen Dollar beziehungsweise 40 Cent je Aktie. Das lag 13%  über dem Vorjahresquartal und traf exakt die Erwartungen der Analysten. Positiv: Die Bilanz ist grundsolide. Proto Labs ist schuldenfrei und sitzt auf einem Cash Berg von 113,9 Millionen Dollar.

Allerdings fiel die Prognose deutlich schwächer aus als von den Analysten erwartet: Proto Labs stellt für das Schlussquartal einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 18 und 26 Cent in Aussicht. Zum Vergleich: Die Konsensschätzung lag bislang bei 43 Cent. Auch der erwartete Umsatz liegt mit voraussichtlich 107 bis 115 Millionen Dollar spürbar unter den Erwartungen von 126,02 Millionen Dollar.

Gründe hierfür gibt es genug: Proto Labs rechnet damit, dass Fremdwährungen einen ungünstigen Einfluss von rund 4,2 Millionen Dollar auf den Umsatz haben werden. Zugleich soll die Schließung des Japan-Geschäfts zu Belastungen von voraussichtlich 3,5 Millionen Dollar führen.

Fazit: Der gesamte Börsenwert liegt bei 677 Millionen Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr liegt auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen (Quelle: Seeking Alpha) bei 16. Vor dem Hintergrund der Wachstumsdelle sind die Anleger aber skeptisch und warten bis der Konzern beim Wachstum wieder auf die Überholspur wechselt.