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Befreit sich China nun aus seinem eigenen Corona-Würgegriff?

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Es sind Bilder voller Panik und Verzweiflung: Nachdem in einer Fabrik des Apple-Auftragsfertigers Foxconn im chinesischen Zhengzhou Corona-Fälle registriert wurden, haben viele Mitarbeiter die Flucht ergriffen – dokumentiert in zahlreichen Handy-Videos.

Für Foxconn und Apple ist das ein Desaster. Denn: Der Standort Zhengzhou ist nicht nur irgendeine Fabrik, er ist der mit Abstand wichtigste Produktionsort des iPhones auf der Welt. Etwa jedes zweite Apple-Handy wird dort produziert, normalerweise von rund 200.000 Mitarbeitern.

Der US-Techkonzern musste inzwischen seine Kunden und Anleger warnen, dass deshalb die weltweiten Auslieferungen von neuen Geräten ausgerechnet vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft ins Stocken geraten.

China lockert Corona-Politik – ein wenig

Dabei ist das Debakel in Zhengzhou nur das neuste Beispiel, wie die strenge Corona-Politik die Wirtschaft Chinas, aber auch die der gesamten Welt in Mitleidenschaft zieht. Bislang hatte sich die Parteiführung in Peking bei diesem Thema eisern gezeigt – trotz aller Negativfolgen.

Doch allmählich scheint die No-Covid-Politik zu bröckeln. Schon vor einigen Wochen gab es Gerüchte, wonach die Kommunistische Partei eine Lockerung der Corona-Maßnahmen ins Auge gefasst hat. Nun haben die Behörden einen solchen Schritt unternommen, wenngleich einen vorsichtigen.

Diese Lockerungen planen die chinesischen Behörden

Wie staatliche Akteure in China kürzlich bekannt gaben, sollen künftig die Quarantänezeiten für enge Kontaktpersonen von Infizierten von sieben auf fünf Tage reduziert werden. Auch soll eine Ermittlung von sogenannten sekundären Kontakten wegfallen. Zur Streichung steht ebenfalls die Bestrafung von Fluggesellschaften, mit der infizierte Personen nach China eingereist sind. Und nicht zuletzt planen die Behörden eine Beschleunigung der Impfkampagne.

Aber auch in Sachen Quarantäne strebt Peking Veränderungen an. So soll es bei der Kategorisierung von Corona-Risikogebieten künftig nur die Kategorien „hoch“ und „niedrig“ geben. Die Kategorie „mittel“ wird demnach abgeschafft. Dadurch dürfte die Zahl der Personen, die von harten Corona-Maßnahmen betroffen sind, zurückgehen, so zumindest das Kalkül der Behörden.

Klar: Die Ankündigungen bedeuten noch längst kein Ende von Chinas harter Corona-Politik. Die Nationale Gesundheitskommission des Landes machte klar, dass eine komplette Öffnung nach wie vor nicht angestrebt werde. Es handle sich lediglich um Anpassungen.

Kapitalmarkt reagiert erleichtert

Trotzdem sieht der Kapitalmarkt darin einen Schritt in die richtige Richtung. Nach Bekanntgabe der leichten Lockerungen schoss der Hongkonger Aktienindex Hang Seng vor wenigen Tagen um 7 Prozent nach oben – der größte Tagesgewinn seit März. Hang Seng ist der wichtigste Index in Hongkong und bildet die Kurse der 50 größten und meistgehandelten chinesischen Aktien ab. Zu den Einzelprofiteuren zählten unter anderem:

  • Alibaba
  • Tencent
  • Xiaomi
  • China Construction Bank
  • und Lenovo.

Ist die Euphorie verfrüht?

Jetzt von einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung auszugehen, dürfte allerdings verfrüht sein. Bruce Pang, Chefökonom der Beratungsfirma Jones Lang Lasalle, sagte zur Nachrichtenagentur Reuters, dass einige Interpretationen zu optimistisch seien. Ähnlich äußerte sich Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer in Peking. Die große Frage sei, wann China dazu bereit sein werde, tatsächlich eine weitreichende Impfkampagne zu starten, um das Land wirklich zu öffnen, so Wuttke.

Viele Experten rechnen damit, dass China frühestens nach der Parlamentssitzung im März mit der Wiedereröffnung beginnen werde. Bis dahin dürfte das Land im Corona-Schock verweilen. Erst kürzlich hatten die Behörden neue Infektionszahlen gemeldet und darauf mit harten Maßnahmen reagiert – unter anderem in Peking und Chongqin. Aber auch der Foxconn-Standort Zhengzhou meldete abermals steigende Fallzahlen.

Dabei sind die Zahlen im globalen Vergleich alles andere als hoch. Am letzten Donnerstag meldeten die Behörden 10.535 neue im Inland übertragene Fälle. Für ein Land mit einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden ist das eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Für die Behörden reicht das aber trotzdem immer noch aus, um beispielsweise den Nahverkehr komplett einzustellen und Menschen den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen, Büros Geschäften sowie Restaurants zu verwehren.

Mein Fazit für Sie

Sie sehen also: China hat seine äußerst strenge Corona-Politik längst noch nicht überwunden. Erst eine wirkliche und vor allem glaubwürdige Öffnungsperspektive dürfte den chinesischen Aktienmarkt nachhaltig beleben.