Chance für Wasserstoff? Neuer Hoffnungsschimmer aus den USA

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Wasserstoff, insbesondere die grüne Variante, gilt als zentraler Hebel zur Dekarbonisierung einiger Industriebranchen. Wie Sie sicherlich wissen, ist der klimaschonende Energieträger bis dato jedoch vor allem eines: Zukunftsmusik. Doch das soll sich in den nächsten Jahren gravierend ändern. Das Ziel ist die Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft – also die Fähigkeit, den Energieträger umfassend und zu ökonomisch sinnvollen Konditionen produzieren, verkaufen, transportieren und nutzen zu können.

Um das Realität werden zu lassen, braucht es üppige staatliche Unterstützung, die im Optimalfall als Initialzündung den Weg in die Wirtschaftlichkeit bereitet. Nun gibt es in den USA hierzu interessante Neuigkeiten, die für den an der Börse notorisch strauchelnden Wasserstoffsektor neue Hoffnung implizieren.

750 Millionen Dollar: US-Regierung will Wasserstoff wettbewerbsfähig machen

Aber der Reihe nach: Vor wenigen Tagen hat das US-Energieministerium (DOE) angekündigt, 750 Millionen USD für Projekte in 24 Bundesstaaten zur Verfügung zu stellen. Damit sollen neue Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff geschaffen werden, um den Energieträger wettbewerbsfähig zu machen. Insgesamt 52 Projekte sollen demnach gefördert werden. Dabei geht es im Kern um sechs Aspekte der Wasserstoffwertschöpfung:

  • Herstellung von Elektrolyseuren mit hohem Durchsatz (316 Mio. USD)
  • Entwicklung von Elektrolyseurkomponenten und Lieferketten (81 Mio. USD)
  • Fortschrittliche Technologie- und Komponentenentwicklung (72 Mio. USD)
  • Fortschrittliche Fertigung von Brennstoffzellenbaugruppen und -stacks (150 Mio. USD)
  • Entwicklung der Brennstoffzellen-Lieferkette (82 Mio. USD)
  • Aufbau eines Recycling-Konsortiums für Wasserstoffmaterialien und -komponenten (50 Mio. USD)

Das übergeordnete Ziel ist die drastische Senkung der Kosten für die Produktion von nachhaltigem Wasserstoff und Brennstoffzellen. Hintergrund: Der sogenannte grüne Wasserstoff wird in Elektrolyseuren durch die Aufspaltung von Wasser per Öko-Strom produziert. Der entstehende Wasserstoff dient somit als Energieträger für nachhaltigen Strom etwa aus Wind- und Solarkraft und kann in einigen Industriebereichen als klimaschonende Alternative eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu gibt es den seit Jahrzehnten bereits etablierten grauen Wasserstoff, der aus fossilen Energien (i.d.R. Erdgas) per Dampfreformierung hergestellt wird.

Grüner Wasserstoff jedoch ist derzeit noch wesentlich teurer als sein graues Pendant, auch weil die Elektrolysekapazitäten aktuell vergleichsweise gering sind und der Energieverlust entlang der vielen Prozessschritte relativ hoch ist. Wichtig: Erst wenn der grüne Energieträger eine nachhaltige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit bietet, ist er in der Lage auch ohne staatliche Rückendeckung zu prosperieren. Deshalb ist die perspektivische Senkung der Herstellungskosten das A und O zur Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft und nicht zuletzt zur Erreichung der Klimaziele.

USA: Große Wasserstoff-Hubs geplant

Die neue Förderung in den USA jedenfalls ist Teil eines noch wesentlich größeren Unterfangens. Im Oktober 2023 hatte das Energieministerium die Unterstützung von sieben großen Wasserstoff-Hubs in 16 Bundesstaaten angekündigt, im Volumen von 7 Milliarden USD. Diese sollen die Infrastruktur schaffen, die benötigt wird, um sauberen Wasserstoff zu industriellen Nutzern wie Stahlproduzenten und Zementwerken zu transportieren. Die neuen Zuschüsse sollen nun den Grundstein für diese Wasserstoffzentren legen und basieren ebenfalls auf dem 2021 von Präsident Joe Biden verkündeten, überparteilichen Infrastrukturgesetz im Umfang von insgesamt 950 Milliarden USD. Dieses Subventionspaket wurde später durch die Bestimmungen des Inflation Reduction Act (IRA) ergänzt.

Mit den Subventionen will die US-Regierung die heimischen Elektrolysekapazitäten auf rund 10 Gigawatt ausbauen. Damit könnten pro Jahr zusätzliche 1,3 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden. Hinzu sollen umfangreiche Kapazitäten im Bereich der Brennstoffzellen kommen, mit denen Wasserstoff in Fahrzeugen oder Industrieanlagen verstromt werden kann. Brennstoffzellen gelten gerade für den Schwerlastverkehr als interessante Alternative zu Batterieantrieben. Zudem können sie etwa in extrem energieaufwendigen KI-Rechenzentren als stationäre Stromgeneratoren dienen, um deren Versorgung autarker vom Stromnetz zu machen.

Wasserstoff-Aktien: tiefrote Krise

Interessant ist die Wasserstoff-Offensive in den USA auch mit Blick auf die Aktien. Wie Sie im Chart sehen können, liefen die Wasserstoff-Titel in den letzten Jahren ziemlich schlecht (3-Jahres-Chart, Stand: Schlusskurs vom 15.03.2024):

Ein Bild, das Diagramm, Screenshot, Text, Reihe enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Quelle: JustETF (https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00BMDH1538#chart)

In dem gezeigten ETF ist das Who’s Who der Branche vertreten: angefangen bei kleineren Aktien wie Plug Power, Nel ASA, Ballard Power und Bloom Energy bis hin zu den größeren Gasekonzernen wie Linde und Air Liquide. Seit April 2021 hat der ETF um -65,62 % abgewertet und lief damit deutlich schlechter als der allgemeine Aktienmarkt.

Das Desaster lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass die Wasserstoffwirtschaft auch durch die makroökonomischen Widerstände offenbar noch weiter in die Zukunft gerückt ist, bzw. es gar prinzipielle Zweifel an der Umsetzung gibt. Hinzu kommt, dass das Geschäft im Großen und Ganzen immer noch defizitär ist, was an der Geduld der Aktionäre nagt.

Mein Fazit für Sie

Dass die US-Regierung nun viel Geld in die Hand nimmt, um den Wasserstoffsektor zu beflügeln, ist erst einmal eine gute Nachricht für die entsprechenden Aktien, die dadurch Rückendeckung bekommen. Das große Ziel einer umfangreichen sowie ökologisch und ökonomisch sinnvollen Wasserstoffwirtschaft liegt meiner Meinung trotzdem immer noch sehr viele Jahre in der Zukunft.

Als Anleger sollten Sie das berücksichtigen – ebenso das Risiko, dass gerade einige der kleineren Player immer noch scheitern können. Die teils extrem hohe Volatilität der Wasserstoff-Aktien dürfte daher so schnell nicht verschwinden, was die Titel im Umkehrschluss vor allem für nervenstarke und risikobewusste Anleger interessant macht.