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Duolingo – Modern talking

Inhaltsverzeichnis

Die jüngste Finanzierungsrunde des Kölner Start-Ups Deepl ist ein guter Anlass für einen Blick auf den bereits börsennotierten US-amerikanischen Sprachlehrer Duolingo.

Was macht Duolingo?

Mit den Tutorials von Duolingo können Menschen wie Du, Sie und ich Sprachen online erlernen. Ein Teil des Angebots ist kostenlos, ein anderer Teil gebührenpflichtig. Nach Unternehmensangaben sind mehr als 50 Millionen aktive Nutzer registriert, um die 3,5 Millionen Menschen als zahlende Kunden.

Das Unternehmen mit dem dunkel-melodisch klingenden und zugleich vielsagenden Namen wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet. Ende November des Jahres 2011 ging eine Beta-Version des Sprachen-Lernprogramms online. Hauptsitz der Firma ist Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Derzeit können Menschen um die 80 Sprachen per App lernen.

Duolingo vs. Deepl

Bei näherem Hinsehen ist Duolingo kein direkter Wettbewerber des Kölner Start-Ups die Deepl. Geschäftsmodell der US-amerikanischen  Firma ist, jedem schnell und unaufgeregt das Lernen fremder Sprachen zu ermöglichen, um sich zum Beispiel während des Urlaubs in fernen Ländern mehr als nur radebrechend verständigen zu können.

Deepl wiederum steht, in der kostenlosen Version für Krethi und Plethi, als schneller Online-Übersetzer zur Verfügung. In den linken Kasten einfach den deutschen Text hineintippen, rechts erscheint dann im Handumdrehen und wie von Geisterhand die Übersetzung in gewünschter Sprache. Und umgekehrt selbstverständlich.

Duolingo zielt also mit seinem Angebot eher auf den Hausgebrauch, Deepl schon auf etwas anspruchsvollere Klientel.

Doch Hand aufs Herz und nur meine Meinung dazu. Benötigte ich einen Vertrag rechtssicher übersetzt etwa ins Englische oder in exotischere Sprachen, würde ich einen professionellen Übersetzungsdienstleister beauftragen. Deepl oder Duolingo zu bemühen wäre mir viel zu heikel. Doch um zu erfahren, was „Pommes rot/weiß“ zum Beispiel auf Isländisch heißt, zöge ich so lange Deepl, vielleicht auch Duolingo zurate, bis ich eines Besseren belehrt würde.

Duolingo – starkes Wachstum, weiter rote Zahlen

Auch im dritten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres (Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr liegen noch nicht vor) verdiente der US-amerikanische Sprachlehrer kein Geld. Allerdings wurden die Verluste mehr als halbiert.

Denn je Aktie verzeichnete das Unternehmen ein Minus von 0,46 US‑Dollar nach -0,98 Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Positiv ist, dass der Umsatz im Vergleich mehr als die Hälfte zulegte – von 63,6 Millionen US-Dollar auf 96,1 Millionen Dollar. Bedarf gibt es also reichlich, jetzt muss Duolingo irgendwann liefern, damit Investoren ihren Spaß haben und nicht recht einsilbig das Weite suchen.

Was macht die Aktie von Duolingo?

Die Aktien des Unternehmens (WKN: A3CWBB) werden seit Sommer des Jahres 2021 an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Seinerzeit flossen dem Unternehmen mehr als 500 Millionen US-Dollar Investoren-Gelder zu. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro.

Damit hat Duolingo den Kölnern von Deepl zumindest zweierlei voraus: Die Domstädter sind (noch) nicht an der Börse gehandelt, und nach der jüngsten Finanzierungsrunde wird deren Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro bewertet.

Ob ich die Aktie von Duolingo kaufen würde? Nein, zumindest jetzt. Bislang konnten die Amerikaner mich nicht überzeugen, dass deren Geschäftsmodell aufgeht. Gleichwohl war der Wertverlust mit knapp 11 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten durchaus erträglich – insbesondere in Anbetracht der Achterbahnfahrt und anderer Turbulenzen an den Aktienmärkten im vergangenen Jahr. Da die Firma bis dato rote Zahlen schreibt, gibt es auch kein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als für Investitionen nicht unwichtige Kennziffer.

Das KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis) wiederum sinkt zwar voraussichtlich von gut 350 im Geschäftsjahr 2021 auf von Analysten erwartete 100 im laufenden Geschäftsjahr. Das ist für mich allerdings immer noch jenseits von Gut und Böse. Bei einem aktuellen Kurs von rund 84 US-Dollar wäre mir die Aktie für den jetzigen Einstieg viel zu riskant. Die Amerikaner müssen erst ein paar Quartale schwarze Zahlen schreiben, bevor ich meine Meinung ändere. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Aktienkurs dann um die Hälfte höher als heute notiert.