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RWE Aktie trotzt Ausschreitungen in Lützerath

Inhaltsverzeichnis

In Lützerath liefern sich Klimaaktivisten und Demonstrierende seit Tagen eine heftige Auseinandersetzung mit der Polizei und Sicherheitskräften des Energiekonzerns RWE. Es geht um den dortigen Braunkohletagebau.

Ortschaft soll weichen – Kohledeal zwischen RWE und grünen Ministerien

Wie viele andere Dörfer soll auch die längst geräumte Ortschaft Lützerath dem Schaufelbagger weichen, um die darunterliegende Braunkohle zutage zu fördern. Eine entsprechende Genehmigung hatte der RWE-Konzern mit dem Land NRW und der Bundesregierung ausgehandelt – die zuständigen Ressorts liegen beide ausgerechnet in der Zuständigkeit der Grünen, die die Kohleverstromung seit Langem ebenso ablehnen wie die stetige Ausweitung des Tagebaus im Kölner Umland.

Dennoch kam der Deal zustande. Im Gegenzug zu den weiteren Baggerarbeiten soll der Kohleausstieg von 2038 auf das Jahr 2030 vorgezogen werden. Das aber geht den Aktivisten nicht weit genug. Ähnlich wie vor einigen Jahren im Hambacher Forst proben sie sämtliche Formen des zivilen Ungehorsams, um die Arbeiten aufzuhalten. Mehrfach kam es am Wochenende zu Eskalationen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften.

Drohender Stromengpass in Baden-Württemberg

Zugleich machte am Sonntagabend eine Schlagzeile die Runde, vor der sich viele seit Monaten fürchten: Es drohte ein Stromengpass in einzelnen Regionen Baden-Württembergs in den frühen Abendstunden.

Die drohenden Engpässe hatten jedoch nicht etwa mit zu geringer Stromerzeugung zu tun – ganz im Gegenteil. Im Norden liefen die Windräder an diesem besonders stürmischen Sonntag auf Hochtouren. Das allerdings führte zu Überlastungen im Übertragungsnetz: Die Strommengen flossen nicht mehr reibungslos in den Süden des Landes, wo viel Strom verbraucht, aber wenig erzeugt wird. Windkraftanlagen sind in Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise wenig verbreitet, durch den Atomausstieg wird auch von dieser Seite weniger ins Netz eingespeist.

Insgesamt befindet sich die deutsche Energiepolitik in einem schwierigen Dilemma. Auf der einen Seite soll die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen zurückgefahren und aus erneuerbaren Energieträgern ausgebaut werden. Auf der anderen Seite stockt der Ausbau gerade von Windkraftanlagen insbesondere im Süden wegen der dortigen Abstandsregelungen zu Wohnhäusern, während zugleich die Gasimporte aus Russland vor wenigen Monaten unangekündigt zum Erliegen kamen und nun kurzfristig teuer am Weltmarkt nachgekauft werden muss.

RWE Aktie nach Tief zu Jahresbeginn auf Erholungskurs

Man hätte gerne die Energiewende, aber man ist noch längst nicht so weit. Für die Jahre des Übergangs müssen nun tragfähige Kompromisse gefunden werden. Lützerath ist einer davon. Anleger betrachten die Situation im rheinischen Revier mit Skepsis: In den ersten Tagen des noch jungen Jahres ging es für die RWE Aktie zunächst abwärts. Inzwischen konnte sich das Papier aber fangen und hat auf Wochensicht gut 6 Prozent zugelegt auf zuletzt rund 42 Euro.

Angeschoben wurde der Kurs zuletzt durch zwei frische Analystenempfehlungen – beide rieten zum Kauf der RWE Aktie. Das Analysehaus Jefferies senkte dabei jedoch das Kursziel von 54 auf 50 Euro ab, bei Oddo BHF ging es in die gegenläufige Richtung: Hier stieg das Kursziel in der aktuellen Empfehlung von 53 Euro auf 57,50 Euro.