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Katar wird Großaktionär bei RWE – Einfluss der Golfstaaten steigt

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In wenigen Wochen startet die Winter-WM in Katar. Die Vorfreude unter den Fußballfans ist einigermaßen verhalten. Eine WM im Winter, mutmaßlich gekauft im undurchsichtigen Funktionärssystem der Fifa, und dann immer wieder die Berichte über tausende tote Gastarbeiter, die während der Errichtung der Spielstätten umgekommen sein sollen – auch wenn manch ein deutscher Fußballmanager betont, ihm seien bei seinen Besuchen vor Ort keine Menschenrechtsverletzungen aufgefallen.

Doch die Ölmilliarden der Scheichs aus dem Wüstenstaat fließen nicht nur an die Fifa. Auch in Europas Wirtschaft hat sich das Emirat inzwischen gut eingekauft – vor allem für deutsche Unternehmen scheint man sich besonders zu interessieren.

Katar steigt bei RWE ein

So wurde erst vor wenigen Tagen bekannt, dass der katarische Staatsfonds fortan als größter Einzelaktionär des deutschen Energieriesen RWE fungieren wird. Die arabischen Investoren schießen knapp die Hälfte bei zur Finanzierung einer rund 7 Milliarden Euro schweren Übernahme. RWE plant den Zukauf eines US-Spezialisten für Solarenergie, Con Edison Clean Energy Businesses. Der Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2023 über den Tisch gehen, sofern die zuständigen Behörden grünes Licht geben.

Mit einer Pflichtwandelanleihe in Höhe von 2,43 Milliarden Euro beteiligt sich der katarische Staatsfonds QIA – und steigt dadurch mit gut 9 Prozent bei RWE ein. Die Essener befinden sich damit in guter Gesellschaft, selbst mit Blick auf die Dax-Familie: Auch bei Volkswagen, Siemens oder der Deutschen Bank ist Katar bereits in großem Stil investiert. Beim Börsengang des Sportwagenherstellers Porsche sicherte sich das Emirat einen Anteil von rund 5 Prozent und gehört damit ebenfalls zu den größten Anteilseignern.

Kritiker warnen vor zu starken Abhängigkeiten

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern Europas hat sich der Golfstaat strategisch eingekauft. Gerade nach dem Bruch mit Russland dürften die Handelsbeziehungen zwischen Europa und den Golfstaaten in den kommenden Jahren weiter vertieft und ausgebaut werden. Schon jetzt reist ein Spitzenpolitiker nach dem anderen in die Golfregion, üblicherweise begleitet von hochrangigen Wirtschaftsdelegationen, die bei der Gelegenheit den einen oder anderen Milliardendeal eintüten.

Kritiker warnen jedoch vor dem wachsenden Einfluss der Emirate in Europa – und der umgekehrt steigenden Abhängigkeit. Wie schwierig politische Verhandlungen werden können, wenn die wirtschaftlichen Abhängigkeiten allzu stark und allzu einseitig sind, hat sich gerade erst an Russlands Gashahn gezeigt. Sich nun ganz auf die Golfstaaten zu verlassen, könnte sich künftig rächen.

Dennoch gibt es kaum Alternativen: Die Stärkung der transatlantischen Beziehungen stößt zwar auf viel positives Echo, könnte jedoch mit einer Wiederwahl Donald Trumps schon bald wieder zunichtegemacht werden. Und dann ist da noch China, das zurzeit geduldig abwartet – und sich schon lange vor Katar in europäischen Firmen eingekauft hat.