RWE spekuliert auf Subventionen beim grünen Wasserstoff

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Der Staat gewährt dieser Tage hohe Subventionen – und gewinnt damit Unternehmen aus dem Ausland dafür, in den Standort zu investieren. Ob Tesla in Grünheide, Intel bei Magdeburg oder TSMC in Dresden, allerorten sprießen nun Produktionsstätten aus dem Boden und sorgen für tausende neue Arbeitsplätze.

RWE fordert Subventionen für grüne Wasserstofftechnologie

Nun hält auch eine andere Branche die Hand auf. Energieriese RWE fordert die Bundesregierung auf, die notwendigen Investitionen in die klimafreundliche („grüne“) Gewinnung von Wasserstoff mit Subventionen zu unterstützen. Andernfalls rechne sich das Geschäft nicht für den Essener Konzern.

Das mag auf der einen Seite logisch klingen. Immerhin waren auch Wind- und Solarenergie in den Anfangsjahren stark durch staatliche Mittel gefördert worden und die Energiewende hin zu klimaneutralen oder zumindest weniger belastenden Energieträgern ist ausdrücklich politisch gewollt.

Auf der anderen Seite aber klingt es fast zynisch, hat RWE doch jahrzehntelang hohe Gewinne eingefahren mit seinen Atomkraftwerken – und bekam nach deren Abschaltung sogar eine stattliche Entschädigung zugesprochen, die ebenfalls aus der Staatskasse bezahlt werden musste.

RWE: Überraschend starke Q2-Bilanz – Jahresprognose angehoben

Auch das jüngste Zahlenwerk zum 2. Quartal des laufenden Jahres erweckt nicht den Eindruck eines hilfsbedürftigen Unternehmens. Ganz im Gegenteil: Die Geschäfte entwickelten sich im Frühjahr stärker als gedacht, die Prognose für das Gesamtjahr konnte sogar nach oben korrigiert werden.

Konkret rechnet der Dax-Konzern für dieses Jahr mit einem bereinigten Ebitda zwischen 7,1 und 7,7 Milliarden Euro. Zuvor war man von lediglich 5,8 bis 6,4 Milliarden Euro ausgegangen. In der ersten Jahreshälfte strich RWE einen operativen Gewinn von mehr als 4,5 Milliarden Euro ein.

Bundesregierung offen für Subventionen?

Dennoch werde man keine Investitionen freigeben, die sich für das Unternehmen nicht rechnen, hieß es aus dem Vorstand mit Blick auf den grünen Wasserstoff. Der Energieträger soll in Zukunft anstelle von Erdgas, Kohle oder Öl zum Einsatz kommen, etwa in der Chemie- und Stahlindustrie oder auch in Kraftwerken sowie bei Schiffsantrieben.

Tatsächlich dürfte RWE mit seinen Forderungen in Berlin auf offene Ohren stoßen. Wie ernst es der Bundesregierung mit dem Ausbau der Wasserstoffproduktion ist, wurde erst vor wenigen Wochen deutlich, als das Kabinett ein neues Strategiepapier zum Thema verabschiedete.

Nationale Wasserstoffstrategie sieht Förderungen vor

Darin werden die Produktionsziele bis 2030 verdoppelt von 5 auf mindestens 10 Gigawatt, die allein in Deutschland produziert werden sollen. Der Bedarf ist groß, wenn weite Teile der Industrie in den kommenden Jahren dazu befähigt werden sollen, möglichst klimaneutral zu agieren. Beschleunigt wird das Vorhaben der Energiewende durch Russlands Angriff auf die Ukraine im vergangenen Jahr. Seither bemüht sich die Bundesrepublik, bei der Energieversorgung unabhängiger zu werden und sich zügiger als bislang geplant von fossilen Brennstoffen zu verabschieden.

In der aktualisierten Fassung des Strategiepapiers finden sich zudem auch Subventionsankündigungen, wobei „eine direkte finanzielle Förderung der Wasserstofferzeugung (…) auf die Erzeugung von grünem Wasserstoff begrenzt“ sei, wie es wörtlich heißt. Der Ausbau der Technologie soll beschleunigt werden, auch Antrags- und Genehmigungsverfahren werden dafür entschlackt und verkürzt.

RWE Aktie zählt zu Dax-Verlierern im Jahresverlauf

Mit Blick auf den Import von Wasserstoff – der notwendig sein wird, da bundesweite Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen werden, um den Bedarf gerade in der Industrie zu decken – setzt die Regierung auf eine möglichst breite Diversifizierung. Der Hintergrund ist klar: Neue Abhängigkeitsverhältnisse wie in der Vergangenheit beim Gasimport von Russland sollen künftig unbedingt vermieden werden.

Die Aktie von RWE ging nach einigem Auf und Ab letztlich 0,3 Prozent schwächer ins Wochenende. Auf Wochensicht ist der Kurs damit um 1,6 Prozent gefallen, seit Jahresbeginn ging es bis dato um fast 8 Prozent bergab. Damit zählt das Papier zu den schwächsten Dax-Titeln im bisherigen Jahresverlauf: Lediglich 12 der 40 Dax-Werte liegt in dieser Zeitspanne aktuell in der Verlustzone.