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Aktien: Die Katastrophe in Zahlen – und wie geht es weiter?

Inhaltsverzeichnis

Das erste Halbjahr ist vorbei und die Börse blickt auf Monate des Chaos und Krieges zurück. Man sollte gar nicht lange drum herumreden: Die ersten 181 Tage des Jahres waren für den Aktienmarkt eine Katastrophe.

Grund genug, dass wir heute ein Resümee ziehen und auch einen (vorsichtigen) Blick in die Zukunft wagen.

US-Aktien im freien Fall

Fangen wir bei den wichtigsten Indizes an. Der renommierte US-Index Dow Jones hat zwischen Anfang Januar und Ende Juni mehr als 15 Prozent seines Werts eingebüßt. Der Dow legte damit das schlechteste erste Halbjahr seit 1962 hin. Der deutlich breiter gefasste S&P 500 gab in dem Zeitraum um rund 21 Prozent nach. Und der technologielastige NASDAQ verlor gar 30 Prozent. Nie zuvor waren die US-Tech-Aktien in einem ersten Halbjahr kumuliert so stark abgerutscht.

Angefangen bei der grassierenden Inflation, den hohen Preisen für Rohstoffe und Energie, den anhaltenden Einschränkungen in den Lieferketten über die straffere Geldpolitik der Notenbank Fed bis hin zu der allgegenwärtigen Angst vor der Rezession: Die Unsicherheitsfaktoren, die im ersten Halbjahr auf den Kapitalmarkt gedrückt haben, sind extrem.

Tech-Branche besonders unter Druck

Dass der NASDAQ deutlicher nachgab als etwa der Dow Jones und der S&P 500, dürfte indes kein Zufall sein. So hatte sich in den letzten Jahren bei den US-Tech-Aktien eine gigantische Blase aufgebaut, aus der nun offenbar ordentlich Luft herausgelassen wurde.

Zudem ist die Tech-Branche prinzipiell stärker von den steigenden Zinsen betroffen. Schließlich sind jene Firmen traditionell sehr innovationsstark und müssen deshalb für frisches Geld nun wesentlich höhere Kosten einkalkulieren.

Tiefrote Kurse auch in Deutschland

Aber auch in Deutschland war das erste Halbjahr ein Trauerspiel. Im Folgenden sehen Sie die Entwicklung der drei wichtigsten deutschen Indizes zwischen Anfang Januar und Ende Juni:

Schwere Zeiten für HelloFresh-Aktie

Schauen wir uns nun ein paar Einzelaktien an. Einer der größten deutschen Verlierer im ersten Halbjahr war die Dax-Aktie HelloFresh. Der Kochboxenversender wird derzeit gleich mit zwei gravierenden Problemen konfrontiert.

Zum einen mit der hohen Inflation, die die Verbraucherstimmung eintrübt und dafür sorgen könnte, dass die Bürger bei höherpreisigen Lebensmitteln zurückhaltender werden. Zum anderen treibt die Aktionäre von HelloFresh die Angst um, dass man das gigantische Wachstum aus der Corona-Pandemie nicht in die Zukunft überführen kann.

Rheinmetall-Aktie schoss durch die Decke

Extreme Rückgänge gab es übrigens auch bei anderen konjunkturanfälligen Aktien wie Zalando (-62 %), BASF (-37 %) und Adidas (-34 %). Als stabil erwiesen sich hingegen defensive Titel wie Beiersdorf (+7,7 %). Allzu große Kurssprünge gab es im Dax allerdings nicht. Um diese zu finden, muss man schon eine Liga weiter nach unten gehen: nämlich in den MDax.

Dort findet sich der Rüstungskonzern Rheinmetall. Dessen Aktie konnte zwischen Anfang Januar und Ende Juni um sagenhafte 152 Prozent zulegen. Der Grund ist klar: Die westlichen Staaten – allen voran Deutschland – wollen als Antwort auf die russische Aggression ihre Streitkräfte auf Vordermann bringen und brauchen deshalb die Munition, Panzer und Militärsysteme der Düsseldorfer.

Wie geht es weiter?

Jetzt stellt sich natürlich die alles entscheidende Frage: Wie geht es mit dem Aktienmarkt im zweiten Halbjahr weiter? Nun, diese Frage kann leider niemand mit absoluter Sicherheit beantworten. Entsprechend streiten sich die führenden Analysehäuser derzeit um die Deutungshoheit.

Manche Experten sehen für die nächsten Monate einen beachtlichen Aufschwung auf den Aktienmarkt zurollen. Andere sind deutlich pessimistischer gestimmt und erwarten gar einen noch tiefgreifenderen Crash.

Das Schreckgespenst Rezession

Es ist vor allem die drohende Rezession, die derzeit an den Kapitalmärkten für Unsicherheit sorgt. Sollte die Weltwirtschaft tatsächlich schrumpfen, hätte das erhebliche Negativkonsequenzen für praktisch alle Beteiligten. Klar: Diese Angst ist im Aktienmarkt längst eingepreist. Entsprechend könnte eine Abwendung der Rezession die Kurse wieder beflügeln.

Die Frage ist nur: Wie heftig würde ein solcher Wirtschaftsrückgang ausfallen? Das wäre in erster Linie davon abhängig, ob und wie schnell sich der Ukraine-Krieg und der Handelskonflikt mit Russland ausweiten. Zudem steht natürlich die Frage nach dem Fortgang der Corona-Pandemie im Raum und wie Politik auf eine Verschärfung der Infektionslage im Herbst reagieren würde. Das Bittere: Zu beiden Punkten lässt sich einfach keine stichhaltige Prognose abgeben.

Nur eine Frage der Zeit

Trotzdem: Als Anleger sollten Sie stets berücksichtigen, dass der Aktienmarkt immer schon zyklisch war. Das heißt: Auf Abwärtsphasen (Bärenmarkt) folgte stets eine Hochphase (Bullenmarkt). Den Aktienmarkt also jetzt abzuschreiben, wäre doch sehr übertrieben. Früher oder später wird der Optimismus allein schon wegen des Grundbedürfnisses des Menschen nach Profit zurückkehren. Leidlich das Wann ist nun fraglich.