Entscheidender Aspekt bei Rohstoff-Aktien: Das Wo zählt

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Es ist nicht nur die Höhe der Ressourcen, die ausschlaggebend ist für die Ausbeutung einer Lagerstätte und schließlich für den Erfolg einer Mine. Auch die Jurisdiktion spielt eine immer größere Rolle. Für ein Minenunternehmen und dessen Aktie macht es bisweilen einen riesengroßen Unterschied, in welchem Staat oder in welcher Region die jeweiligen Projekte forciert werden – gerade mit Blick auf die zunehmende politische und ökologische Brisanz der Rohstoffe.

Fraser Institute: Neues Ranking zu Bergbau-Jurisdiktionen

Hierzu veröffentlicht das kanadische Fraser Institute jedes Jahr ein interessantes Ranking, dessen neuste Ausgabe wir uns heute etwas genauer anschauen. Zunächst ein paar Worte zur Methodik: Das Fraser Institute hat für das neuste Ranking zwischen dem 16. August 2023 und dem 9. Januar 2024 insgesamt 2.045 Unternehmen der Minenbranche rund um den Globus befragt. Zu den Akteuren zählen vor allem Explorateure und Entwickler von Bergbauprojekten. Kumuliert planten die befragten Unternehmen für 2023 Explorationsausgaben von 4,1 Milliarden USD. Insgesamt umfasst die neue Erhebung 86 Jurisdiktionen auf allen Kontinenten (außer Antarktika).

Das Ziel der Umfrage ist die Ermittlung der attraktivsten Gerichtsbarkeiten im Bergbausektor. Die Gretchenfrage: Wo sind die Geschäftsbedingungen und das regulatorische Umfeld für Investitionen am besten? In der Umfrage geht es also vor allem um politische, steuerliche, arbeitsmarktrelevante und juristische Sachverhalte. Zusätzlich wird auch das Mineralienpotenzial abgefragt. Aus all diesen Einzelpunkten erstellen die Studienautoren zu jeder Jurisdiktion einen Indexwert und damit letztendlich das Ranking. Die Erhebungen vom Fraser Institute gelten als sehr renommiert und werden in der Branche bisweilen auch als Entscheidungshilfe herangezogen.

Die Top 5: Utah triumphiert vor Nevada und Saskatchewan

Kommen wir nun zu den Ergebnissen der neusten Studie. Kurzum: Auf Platz 1 der attraktivsten Bergbau-Jurisdiktionen befindet sich der US-Bundesstaat Utah. Utah hat eine sehr lange Bergbautradition und sitzt trotz jahrhundertelanger Ausbeutung immer noch auf gigantischen Ressourcen. Eine der größten Minen der Welt befindet sich in dem Bundesstaat: die Kupfermine Kennecott von Rio Tinto.

Insgesamt auf dem zweiten Platz landete Utahs Nachbarstaat Nevada, der im letztjährigen Ranking noch an der Spitze gewesen war. Nevada hat durch seine geologischen Spezifikationen ebenfalls eine lange Bergbautradition. Neben den klassischen Goldminen (u.a. von Barrick Gold und Newmont) spielt in dem Bundesstaat inzwischen auch Lithium eine größer werdende Rolle.

Mit dem Projekt Thacker Pass soll in Nevada eine der bislang größten Lithiumlagerstätten in den USA ausgebeutet werden – mit staatlicher Unterstützung. 2023 hatte ein Gericht die Einwände der Minengegner rund um Tacker Pass abgewiesen und dem Projektbetreiber Lithium Americas grünes Licht gegeben. In diesem Jahr dann gab das US-Energieministerium ein milliardenschweres Darlehen für das Projekt frei, damit das Lithium so schnell wie möglich gefördert werden kann, um die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten zu reduzieren.

Auf dem dritten Rank positionierte sich dieses Jahr die kanadische Provinz Saskatchewan. Diese ist im Bergbaubereich vor allem bekannt durch Uran und Kali. Vor Ort sind unter anderem die beiden Kaligiganten Nutrien und K+S zugegen. Und auch der Rohstoffkonzern BHP baut in der kanadischen Provinz derzeit einen großen Kali-Standort. Ein etablierter Uran-Player in Saskatchewan ist Cameco, während kleinere Akteure wie Uranium Energy dort aktuell ihre Aktivitäten intensivieren.

Hinter Saskatchewan reiht sich Westaustralien ein. Die dortige Region Pilbara ist vor allem für ihren Eisenerzbergbau bekannt, den dort Big Player wie Rio Tinto und BHP betreiben. Zudem werden in Pilbara mit Unterstützung der Politik umfangreiche Assets im Bereich Kupfer und Lithium forciert.

Komplettiert wird die Top 5 von Quebec. Die kanadische Provinz beherbergt umfangreiche Bodenschätze und etliche Explorationsfirmen, die derzeit mit viel Unterstützung der Behörden neue Minenbetriebe vorbereiten. Bekannte Explorateure vor Ort sind Azimut und Probe Gold, die beide sehr eng mit den lokalen Gemeinden und politischen Akteuren zusammenarbeiten.

USA, Kanada und Australien dominieren Top 10

Im Bild sehen Sie die Top 10 des diesjährigen Rankings:

Quelle: Fraser Institute (https://www.fraserinstitute.org/studies/annual-survey-of-mining-companies-2023)

Was direkt auffällt: Die zehn besten Bergbau-Gerichtsbarkeiten befinden sich allesamt entweder in den USA (3), Kanada (5) oder in Australien (2). Alle drei Länder bieten vergleichsweise stabile politische Systeme, viel Sicherheit und umfangreiche staatliche Unterstützungen mit Blick auf kritische Rohstoffe.

Die beste europäische Jurisdiktion ist laut der Umfrage indes Finnland (#17), gefolgt von Schweden (#18). Schweden etwa war zuletzt wegen eines großen Funds an Seltenen Erden in die Schlagzeilen geraten.

Wer sind die Schlusslichter?

Schauen wir uns noch kurz die hinteren Ränge an: Laut der Umfrage ist die unattraktivste Jurisdiktion das afrikanische Land Niger. Das Land ist einer der größten Uranproduzenten der Welt und auch beim Gold ein wichtiger Förderer. 2023 war es im Niger wohl mit Unterstützung russischer Wagner-Söldner zu einem Militärputsch gekommen, woraufhin internationale Verträge mit westlichen Staaten aufgekündigt wurden.

Auf dem vorletzten Platz findet sich China. Die Volksrepublik gilt wegen ihrer protektionistischen Wirtschafts- und Handelspolitik als wenig interessant für ausländische Bergbauakteure.

Mein Fazit für Sie

Wollen Sie in Rohstoff-Aktien investieren, dann sollten Sie auch darauf achten, in welchen Ländern der jeweilige Konzern aktiv ist. Allgemein gilt: Eine höhere Diversifizierung ist auch bei diesem Thema ein Indikator für mehr Investmentsicherheit.

Achten Sie explizit in erster Linie darauf, dass die Jurisdiktionen politische Stabilität und Sicherheit bieten. Erst in der nachgelagerten Analyse sollten meiner Meinung nach Faktoren wie Subventionen, Bürokratie und natürlich die Mineralienressourcen selbst eine Rolle spielen.