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Ab heute: Französische Finanztransaktionssteuer!

Stichtag 1. August. Ab heute gilt in Frankreich eine Finanztransaktionssteuer. Hier die Fakten:

  1. Es wird eine Steuer von 0,2% auf den Handel mit französischen Aktien erhoben. „Französische Aktie“ ist eine, bei welcher der Firmensitz innerhalb der „grande nation“ liegt. Bei einer Marktkapitalisierung unter 1 Mrd. Euro (Stichtag 1. Januar) fällt die Steuer weg.
  2. Eine Steuer von 0,01% wird erhoben auf den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) und im Hochfrequenzhandel („high frequency trading“).
  3. Keine Steuer wird erhoben auf den Handel mit Anleihen, seien es Staats- oder Unternehmensanleihen.

Für die Berechnung der Steuer spielt es keine Rolle, WO der Umsatz stattfindet. Also auch wenn Sie in Frankfurt VIVENDI-Aktien kaufen, dann fällt ab sofort die Finanztransaktionssteuer von 0,2% an.

Der französische Staat hat eine Liste der Unternehmen ins Netz gestellt, bei denen diese Finanztransaktionssteuer von 0,2% greift. Sprich, bei denen die Marktkapitalisierung am 1. Januar bei mindest. 1 Mrd. Euro lag und die ihren Firmensitz in Frankreich haben:

Link zur Liste der französischen Unternehmen, welche von der Finanztransaktionssteuer betroffen sind.

 

Meine Bewertung der neuen Finanztransaktionssteuer

Ich begrüße Punkt 2 SEHR. Eine Steuer von 0,01% auf den Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS) und für den Hochfrequenzhandel = high frequency trading = HFT.

Auf HFT habe ich einen regelrechten Hals. Denn: Beim HFT kommt es verstärkt zu sogenannten „Flash Orders“. Und das hat nichts mehr mit positiven Dingen wie „Spenden von Liquidität“, „Arbitragegeschäften“ etc. zu tun.

Bei den Flash Orders geht es darum: Via HFT werden Hunderttausende Kauf- oder Verkaufsorders platziert. Aber nur für den Bruchteil einer Sekunde! So kurz, dass sie gar nicht ausgeführt werden (das sollen sie nämlich auch gar nicht). Aber das reicht, um den Markt zu beeinflussen.

Nach dem Motto: Wir rufen jetzt alle bei einem Versandhändler an, bestellen was – legen aber alle kurz vor Abschluss der Bestellung wieder auf. Dann sind alle Leitungen des Versandhändlers belegt. So wird er beeinflusst.

Und so werden Aktien- und Futureskurse beeinflusst. Durch diese „Flash Orders“ via HFT.

Da es da gar nicht um die tatsächliche Ausführung geht, würde eine geringe Gebühr pro Transaktion dem Spuk weitgehend ein Ende bereiten. Insofern wäre eine Gebühr von einigen Cent pro eingestellter Order sinnvoll.

Die Finanztransaktionssteuer von 0,01% fällt nur an, wenn der Umsatz tatsächlich stattfindet, ist deshalb nicht optimal. Aber auf jeden Fall eine große Verbesserung! Denn wenn beim HFT das „Risiko“ besteht, dass einige der Hunderttausend Flash Orders pro Sekunde ausgeführt werden und entsprechend besteuert werden, steigt das Risiko. Und damit sollte die Zahl der Transaktionen via Flash Orders generell zurückgehen.

Auch für den Handel mit den CDS gefällt mir die Finanztransaktionssteuer sehr gut. Das war ja auch ein Mit-Auslöser für die Finanzkrise. Ist irgendwie auch pervers, dass eine Kreditausfallversicherung völlig losgelöst vom Kreditgeber gehandelt werden kann. Das soll ruhig mal ein bisschen besteuert werden, um es zu erschweren, und so Geld in die Staatskasse spülen.

Anders meine Bewertung der Finanztransaktionssteuer auf Aktien. Da gefiel mir erst einmal nicht, dass die konkrete Höhe (0,2%) dem Parlament erst wenige Stunden vor der Abstimmung mitgeteilt worden war. Kein guter Stil, denn wie soll man sich da sachlich in die Materie einarbeiten, wenn die konkreten Zahlen erst kurz vor der Abstimmung genannt werden?

Handwerklich gut (aus Sicht des französischen Staates) die festgeschriebene Irrelevanz des Handelsplatzes. Also auch in Frankfurt oder London müssen beim Handel mit den beschriebenen Aktien die 0,2% bezahlt werden. Ansonsten hätte es zu deutlichen Umsatzeinbußen an den französischen Börsen kommen müssen.

Diese neue Steuer auch auf Aktien fördert nicht gerade die Aktienkultur bei Kleinanlegern. Andererseits wird sich wohl auch kaum jemand aus dem Aktiengeschäft zurückziehen, nur weil jetzt eben 0,2% Transaktionssteuer bezahlt werden müssen. „Klein Vieh macht auch Mist“, gilt wohl in Bezug auf den Fiskus. Und warum auch nicht? Wir können nicht über die schlechte Lage der staatlichen Finanzen in der EU lamentieren, und dann Maßnahmen zur Einnahmenverbesserung wie diese verdammen.

Mein Fazit: Die 0,01% für Handel mit CDS und HFT begrüße ich uneingeschränkt. Feine Sache! Die 0,2% für den Handel mit französischen Aktien kann ich verstehen, muss es aber nicht klasse finden. Da hätte ich einen Satz von 0,1% sinnvoller gehalten. Nach dem Motto: Bringt immerhin einige Einnahmen, aber stört auch niemanden wirklich. Und genauso würde ich es handhaben, wenn ich deutscher Finanzminister wäre und – wie für Trader´s Daily-Leser üblich – das Gemeinwohl im Sinn hätte.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

 

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Leo schrieb am 02.08.2012, 11:40 Uhr

    Ich staune! Wie kann es sein, dass der franz. Staat eine Transaktionssteuer von mir verlangen bzw. einziehen kann, wenn ich als Deutscher auf deutschem Staatsgebiet in Frankfurt eine Aktie kaufe oder verkaufe?! Seit wann lässt sich beliebig französisches Steuerrecht in Deutschland anwenden? Was sagt der Schäuble dazu? Werden jetzt im Gegenzug Steuern nach Deutschland auf in Frankreich verkaufte deutsche Autos fällig? ;-)