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Kohle-Boom: Diese Firma aus Südafrika meldet Gewinnexplosion

Inhaltsverzeichnis

Wegen der aktuellen Energiekrise setzen europäische Staaten zur Stromerzeugung wieder mehr auf Kohle. Schauen Sie: In Deutschland machten Kohlekraftwerke im dritten Quartal 36,3 Prozent des eingespeisten Stroms aus. Das geht aus neuen Daten des Statistischen Bundesamtes hervor.

Demnach nahm die Einspeisung von Kohlestrom im Vergleich zum dritten Quartal 2021 um 13,3 Prozent zu. Für den Klimaschutz ist das natürlich eine bittere Pille – als Anleger aber können Sie vom neuen Kohle-Boom profitieren.

Thungela: Kohle für die Welt

Dafür müssen Sie jedoch etwas in die Ferne blicken. Genauer gesagt: nach Südafrika. Dort sitzt das börsennotierte Unternehmen Thungela. Dabei handelt es sich um eine Abspaltung des Londoner Bergbaukonzerns Anglo American. Thungela ist einer der weltweit größten Produzenten von Kraftwerkskohle und gleichzeitig einer der wichtigsten Exporteure.

Das Unternehmen besitzt Anteile an mehreren südafrikanischen Steinkohlebetrieben, Verarbeitungsanlagen und nicht zuletzt am sogenannten Richards Bay Coal Terminal (RBCT). RBCT ist ein gigantisches Kohleterminal am größten Exporthafen Südafrikas, dem Richards Bay. Über das Terminal werden pro Jahr 91 Millionen Tonnen Kohle verschifft.

2022: Südafrikaner melden Gewinnexplosion

Vor wenigen Tagen hat Thungela nun eine Meldung veröffentlicht, die zeigt, wie massiv der Konzern vom neuen Kohle-Boom profitiert. Demnach rechnen die Südafrikaner für das nun auslaufende Jahr mit einer Verdopplung des Gewinns. Konkret soll der Gewinn je Aktie auf 131 Rand (7,65 US-Dollar) nach oben schießen – von 66,47 Rand im Vorjahr.

Thungela betonte die extrem gestiegenen Kohlepreise infolge des Nachfrage-Booms in Europa. So lag der Benchmark-Kohlepreis im Jahresverlauf durchschnittlich bei 276,57 US-Dollar pro Tonne. Im letzten Jahr waren es laut Thungela lediglich 124,11 US-Dollar gewesen.

Probleme beim Export heizen Engpass-Ängste an

Dabei waren die Südafrikaner selbst mit einigen Krisen konfrontiert. Wegen der Probleme beim staatlichen Bahn- und Hafenbetreiber Transnet kam es zu Engpässen bei Lokomotiven und Ersatzteilen. So hatte ein Streik der Transnet-Mitarbeiter den Betrieb im Oktober zwischenzeitlich lahmgelegt. Zudem kam es zu einer Entgleisung eines Kohlezugs Anfang November.

Deshalb geht Thungela davon aus, dass die eigenen Exportmengen in diesem Jahr unterm Strich um 15 Prozent auf 12,8 Millionen Tonnen zurückgehen werden. Das muss für das Unternehmen nicht unbedingt schlecht sein. Denn: Die geringeren Exportmengen könnten gerade mit Blick auf den neuen Bedarf Europas Ängste vor einer Verknappung aufkommen lassen, was den Kohlepreis und die Gewinnmargen von Thungela prinzipiell unterstützen würde.

Thungela-Aktie seit Februar ein Highflyer

Wie dem auch sei: Thungela will am 27. März 2023 seine endgültigen Zahlen zum Jahr 2022 veröffentlichen. Dann will der Konzern auch die Höhe der Dividende bekannt geben, die wegen des enormen Gewinnrauschs besonders üppig ausfallen dürfte.

Übrigens: Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar hat die Aktie bereits massiv zugelegt. Zwischen dem 24. Februar und dem 9. Dezember steht das Papier von Thungela Resources mit 130 Prozent im Plus (Stand: 09.12.2022, 14:30 Uhr, Tradegate).

Mein Fazit für Sie: langfristige Risiken – kurzfristige Chancen

Es ist eine ambivalente Situation: Eigentlich wollen Deutschland und andere westliche Staaten Südafrika mit Milliardenkrediten dabei helfen, von den fossilen Brennstoffen loszukommen. Doch gleichzeitig kaufen deutsche Versorger wegen der Energiekrise nun massenhaft Steinkohle aus dem Land ein.

Und eben hier liegt das größte Problem der Thungela-Aktie: Zwar ist die Kraftwerkskohle in Südafrika selbst der mit Abstand wichtigste Stromerzeuger (rund 90 % am Strommix). Das Unternehmen ist aber massiv von den Exporten und damit von der Nachfrage aus anderen Ländern abhängig.

Das Problem: Selbst wenn die Kohlestromerzeugung in Südafrika noch Jahrzehnte lang relevant bleiben sollte, wird dies etwa in Europa wohl nicht der Fall sein. Denn zum Beispiel Deutschland will bis spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen. Bei dem aktuellen Kohle-Boom handelt es sich also weitestgehend um eine Sonderkonjunktur, deren Ende absehbar ist.

Das belastet auf langfristige Sicht die Gewinnmargen von Thungela und damit die Perspektive der Aktie. Auf den Punkt gebracht: Die Thungela-Aktie ist wegen ihrer Abhängigkeit von Kohle meiner Meinung nach kein nachhaltiges Investment – weder in ökonomischer noch in ökologischer Hinsicht.

Kurz- bis mittelfristig hingegeben bietet die Aktie für Sie als Anleger aber durchaus Renditepotenzial. Denn das Papier ist trotz des bereits erfolgten Kursaufschwungs immer noch recht günstig bewertet. Berücksichtigt man die neue Gewinnprognose für 2022 und den aktuellen Aktienkurs, ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von lukrativen 2,14 Zählern (Stand: 09.12.2022, 14:30 Uhr, Tradegate).

Beachten Sie aber unbedingt den Umstand, dass es völlig unklar ist, wann genau die Sonderkonjunktur zu Ende gehen wird. Der Höhenflug der Aktie kann also jederzeit abrupt enden.