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Lufthansa steigt bei ITA ein

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Angekündigt war der Schritt schon seit Längerem, nun geht es an die Umsetzung: Mit einer Beteiligung von zunächst rund 40 Prozent steigt die Lufthansa bei der italienischen Staatsairline ITA Airways ein. Medienberichten zufolge sollen hierfür zwischen 320 und 330 Millionen Euro fließen. Der Deal steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen nationalen und europäischen Wettbewerbsbehörden.

Stufenweise Übernahme geplant

Für das Jahr 2025 peilt die Lufthansa die Übernahme weiterer 49 Prozent an und würde damit zur Mehrheitseignerin. Langfristig geplant ist die vollständige Übernahme der ITA, die erst im Jahr 2020 gegründet wurde und im Herbst 2021 den Flugbetriebt der insolventen Alitalia übernommen hat, ohne allerdings deren Rechtsnachfolgerin zu werden.

Genau hier sehen viele Anleger ein Problem: Zum einen kämpft ITA mit vielen Altlasten und hausgemachten Problemen, zum anderen fährt die Airline derzeit nicht einmal Gewinne ein. Im vergangenen Jahr summierte sich der Verlust unterm Strich auf fast 500 Millionen Euro bei 1,6 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Dass zudem noch bis mindestens 2025 der italienische Staat mit an Bord ist und die Lufthansa nur eine Minderheitsbeteiligung hält, stößt bei Anlegern ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Die Lufthansa Aktie gab am Freitag bis zum Nachmittag um knapp 1 Prozent nach.

Spohr spricht von „Win-Win-Situation“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr blickt dagegen optimistisch auf den Expansionsschritt und betonte zuletzt im Rahmen der Hauptversammlung Anfang des Monats die Relevanz einer breiteren internationalen Aufstellung, um im globalen Wettbewerb mit Konzernen wie etwa Air France-KLM dauerhaft bestehen zu können.

Außerdem verwies Spohr auf ein Hintertürchen: Sollte es nicht gelingen, die ITA in den kommenden Jahren in die Gewinnzone zurückzuführen und ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu etablieren, kann die Lufthansa sich die Sache mit der Übernahme auch noch einmal anders überlegen. Dann allerdings stünde die ITA vor noch größeren Problemen als ohnehin schon und auch die Lufthansa müsste sich den Vorwurf gefallen lassen, Unsummen verbrannt zu haben.

Folgerichtiger Expansionsschritt?

Beide Seiten sind so gesehen zum Erfolg verdammt. Trotz kritischer Stimmen, die eine erfolgreiche Integration der ITA in die Lufthansa-Familie anzweifeln, scheint der Schritt doch einer gewissen Logik zu folgen: Immerhin hat die Lufthansa zuvor mit Swiss, Austrian und Brussels ebenfalls nationale Airlines in die Konzernfamilie geholt, die jedoch weiterhin unter eigenständigen Markenauftritten fliegen. Gleiches ist wohl auch mit der ITA geplant.

Schon heute ist Italien – nach den USA – der wichtigste Auslandsmarkt für die Lufthansa Gruppe. Im prosperierenden Norden des Landes liegen Ziele für Geschäftsreisende, entlang der Mittelmeerküste erstrecken sich zahlreiche Urlaubsziele für Touristen. Die eigene Position am italienischen Markt zu stärken, erscheint folgerichtig – gerade weil sich externe Billiganbieter wie Easyjet oder zuletzt vor allem Ryanair in Italien breitgemacht haben und der Lufthansa die Passagiere streitig machen.

Lufthansa zurück in der Erfolgsspur

Die Lufthansa selbst erholt sich gerade erst von den Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die die Luftfahrtbranche besonders hart getroffen hat. Damals musste die Airline mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt werden, die Aktie ist seither nicht mehr in der ersten Börsenliga gelistet, sondern im MDax zu finden.

Dennoch rechnet Vorstandschef Spohr damit, dass schon bald das Vorkrisenniveau in Sachen Kapazitätsauslastung wieder erreicht werden dürfte – und auch eine Rückkehr der Lufthansa Aktie in den Dax scheint zunehmend realistisch.

Aktuelle Analystenstimmen mit gegensätzlichen Einschätzungen

Aktuelle Analystenstimmen liegen in ihrer Bewertung weit auseinander. Sowohl das US-Analysehaus Bernstein Research als auch die Schweizer Großbank UBS aktualisierten in dieser Woche ihre Einschätzungen zur Lufthansa Aktie – und diese könnten unterschiedlicher kaum sein.

So loben die Schweizer den Einstieg bei ITA als wichtigen Expansionsschritt und bestätigen neben ihrer Kaufempfehlung für die Lufthansa Aktie auch das Kursziel von 14,25 Euro. Damit bescheinigt die UBS der Kranich Aktie ein Aufwärtspotenzial von rund 50 Prozent.

US-Analysehaus deutlich skeptischer

Bernstein Research rät Anlegern dagegen, sich von der Lufthansa Aktie zu trennen und sieht das Kursziel mit 8 Euro noch unterhalb des derzeitigen Kurses von rund 9,20 Euro. Zur Begründung verweisen die Analysten auf das veränderte Marktumfeld der Luftfahrtbranche nach der Pandemie insgesamt: So finden weniger Geschäftsreisen und Kurzstreckenflüge statt, während bei den Langstreckenzielen die transatlantischen Verbindungen an Bedeutung gewinnen, während Destinationen in Fernost weniger stark nachgefragt beziehungsweise häufiger bei arabischen Airlines gebucht werden. Hierauf habe sich die Lufthansa noch nicht hinreichend eingestellt.

Zudem verweisen die Autoren auf Streikrisiken, die auch in diesem Sommer nicht ausgeschlossen sind. Im vergangenen Jahr waren tausende Flüge ausgefallen wegen Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa selbst und ihren Tochtergesellschaften, aber auch beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und dessen Partnerunternehmen.