+++ GRATIS Online-Webinar: Ruhestandsgipfel: Der Millionärs-Effekt - Mit 4€ zum Ruhestandsmillionär | 03.10., 18 Uhr +++

USA: Leitzins nähert sich der Schmerzgrenze

Inhaltsverzeichnis

Die gestrige US-Notenbanksitzung bot überraschenderweise Erleichterungspotenzial für die Börsen. Hier kam es „nur“ zu der bereits angekündigten großen Zinserhöhung von 75 Basispunkten, während sich die insgeheimen Befürchtungen eines XXL-Zinsschrittes von 100 Basispunkten nicht bewahrheiteten.

Damit liegt der Leitzins in den USA nun künftig in einer Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent und gleichzeitig auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren. Es handelt sich bereits um die dritte Zinserhöhung um 75 Basispunkte in Folge.

USA: Leitzins nähert sich der Schmerzgrenze

Experten sehen die wirtschaftliche Schmerzgrenze bei ungefähr 4 Prozent. Dieses Niveau dürfte bald erreicht werden, denn die einzelnen Mitglieder des Offenmarktausschusses signalisieren deutlich stärkere Zinserhöhungen für das aktuelle Jahr und das kommende Jahr als bisher.

So wird der Leitzins Ende 2022 im Median nun bei 4,4 Prozent gesehen, nach nur 3,4 Prozent bei Veröffentlichung der letzten Projektionen im Juni. Ende 2023 wird der Leitzins im Median nun bei 4,6 Prozent (zuvor: 3,8 Prozent) erwartet. Ende 2024 wird der Leitzins nun im Median bei 3,9 Prozent (zuvor: 3,4 Prozent) und längerfristig weiter bei 2,5 Prozent gesehen.

Ist bald Schluss mit Zinserhöhungen?

Das würde aber auch bedeuten, dass nur noch wenige Zinserhöhungen kommen werden. Die meisten noch in diesem Jahr. Bis Jahresende stehen noch zwei Zinsentscheide an.

Eine Kröte musste der Markt bei den Wachstumsprognosen der Zentralbank schlucken, die regelrecht eingedampft wurden. Für das vierte Quartal 2022 wird nun im Median nur noch ein Wachstum um 0,2 Prozent (zuvor: 1,7 Prozent) gegenüber dem Vorjahr erwartet. Für 2023 werden nun 1,2 Prozent (zuvor: 1,7 Prozent) und für 2024 1,7 Prozent (zuvor: 1,9 Prozent) erwartet.

Wann reagiert die Inflation auf die Zinsschritte?

Erneut betonte Fed-Chef Jerome Powell, dass man stark entschlossen sei, die Inflation wieder auf das Fed-Ziel von zwei Prozent zu reduzieren. In den kommenden Monaten werde man nach “überzeugenden Anzeichen” Ausschau halten, dass sich die Inflation reduziere.

Man wolle zudem ein Wachstum unter dem Trend sowie Anzeichen dafür sehen, dass Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wieder stärker ins Gleichgewicht kommen. Heißt: die Fed nimmt auch einen Abschwung in Kauf und eine (gewisse) Erhöhung der Arbeitslosenquote.

Lichtblick für die Börsen: Mit steigendem Leitzins werde es wahrscheinlicher, dass es angemessen sei, das Tempo der Erhöhungen zu verlangsamen und die Auswirkungen der Zinserhöhungen zu überprüfen, so Powell.

Börsen fahren Achterbahn nach Zinsentscheid

Und die Märkte? Aktien fuhren Achterbahn. Brachen erst ein, drehten dann plötzlich ins Plus, nur um wieder tiefrot zu schließen. Der Dollar stieg kräftig (Euro demzufolge tief im Minus), Gold fiel.

Auf so eine initiale Reaktion gebe ich nicht viel. Heute und in den nächsten Tagen wird sich zeigen, was die Märkte daraus machen. Die Aussicht auf weitere Zinsschritte belastet etwas. Andererseits sind diese schon eingepreist. Schwierig wird es erst, wenn die Inflation weiter oben bleibt oder sogar steigt.

Mit dem zuletzt deutlich gefallenen Ölpreis (und anderen rückläufigen Rohstoffpreisen) ist diese Gefahr jedoch gering. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt allerdings Russland, einer der größten Rohstofflieferanten der Welt. Eskaliert der Wirtschaftskrieg mit dem Westen weiter, könnte sich das Blatt erst deutlich später zum Guten wenden als gedacht.