Luftfahrtbranche in Turbulenzen

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Die Reisebranche ist frohen Mutes: Nach zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen rechnen Reiseveranstalter, Airlines und andere Touristikunternehmen mit einem hohen Nachholbedarf in diesem Jahr.

Lufthansa warnt vor steigenden Ticketpreisen

Bereits rund um die Osterfeiertage wird mit einer großen Reiselust gerechnet. Darüber hinaus liegt alle Hoffnung auf dem Sommer. So erwartet etwa Lufthansa-Chef Carsten Spohr in der Sommersaison eine Sitzkapazität von 90 Prozent des letzten Vor-Corona-Jahres 2019. Zuletzt empfing die Lufthansa etwa 50 Prozent des damaligen Passagieraufkommens an Bord ihrer Maschinen, im vergangenen Jahr waren es um diese Zeit noch 40 Prozent.

Die Tendenz ist also steigend – doch die Preise sind es auch. Zwar verweist Spohr darauf, dass die Lufthansa zwei Drittel ihres Treibstoffs bereits am Terminmarkt gesichert habe und sich die stark gestiegenen Kerosinkosten damit nicht unmittelbar auf die Ticketpreise auswirken. Doch mittelfristig dürften die Preise auch für die Kunden spürbar anziehen. Immerhin macht der Treibstoff bis zu 30 Prozent der Kosten eines Fluges aus – und der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten in die Höhe geschnellt auf zeitweise deutlich über 120 US-Dollar je Barrel.

Fraport zählt mehr Passagiere

Steigende Passagierzahlen verzeichnet unterdessen auch der Flughafenbetreiber Fraport, der in erster Linie den Frankfurter Flughafen und damit den Hauptstandort der Lufthansa betreibt. An Deutschlands größtem Flughafen wurden im März etwas mehr als 2,9 Millionen Passagiere abgefertigt – eine Steigerung um 800.000 gegenüber dem Februar und dreimal so viele wie im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Vom vorpandemischen Niveau ist man damit aber immer noch weit entfernt: Im Vergleich zu März 2019 fiel das Passagieraufkommen im März dieses Jahres um 47 Prozent geringer aus. Das während der Pandemie besonders starke Frachtgeschäft erlitt zuletzt einen Dämpfer und ging im Vergleich zum Vorjahresmonat im März um rund 13 Prozent zurück auf 177.600 Tonnen. Verglichen mit dem März 2019, also vor Ausbruch der Pandemie, fiel das Frachtaufkommen am Frankfurter Flughafen zuletzt 10,5 Prozent niedriger aus.

Zur Begründung des jüngsten Rückgangs im Frachtgeschäft verweist Fraport einerseits auf die umfassenden Lockdown-Maßnahmen in China zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens, zum anderen wirken sich auch die Luftraumsperrungen negativ aus, die in Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine verhängt wurden.

Aktien wegen Ukraine-Krieg unter Druck

Am Börsenparkett bekamen die Aktien von Lufthansa und Fraport, die beide im MDax gelistet sind, vor allem den Beginn des Kriegsgeschehens in der Ukraine kräftig zu spüren: Nach einer positiven Kursentwicklung seit Anfang Dezember stürzten beide Papiere Anfang März auf einen Jahrestiefstwert. So rutschte die Fraport Aktie am 7. März ab auf 45 Euro, die Lufthansa Aktie markierte am selben Tag ebenfalls ihr 52-Wochen-Tief bei 5,27 Euro.

Inzwischen haben sich die Kurse wieder einigermaßen gefangen. Die Lufthansa Aktie behauptet sich mittlerweile wieder oberhalb der Marke von 7 Euro. Anteilsscheine des Flughafenbetreibers erholen sich demgegenüber langsamer und notierten zuletzt bei rund 52 Euro. Zum Vergleich: Vor Beginn des Ukraine-Krieges war die Fraport Aktie rund 67 Euro wert.

Deutsche Bank reduziert Kursziel und stuft Aktien herunter

Analysten positionierten sich zuletzt trotz des steigenden Passagieraufkommens und höherer Nachfrage bei den Buchungen eher zurückhaltend. Dabei verweisen die Experten insbesondere auf das Problem der steigenden Ölpreise, die die Erholung der Luftfahrtbranche insgesamt ausbremsten.

Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel für die Fraport Aktie deutlich von 80 auf 49 Euro und verabschiedete sich von der Kaufempfehlung, stattdessen raten die Analysten des größten deutschen Geldhauses nun lediglich zum Halten des Papiers. Auch bezüglich der Lufthansa Aktie schraubte die Deutsche Bank ihre Erwartungen zurück: Hier erfolgte ebenfalls eine Abstufung von „buy“ auf „hold“, zugleich wurde das Kursziel von 8,30 auf 7,90 Euro reduziert.

Weitere Analystenstimmen: Optimistische Goldmänner, skeptische Briten

Optimistischer zeigten sich die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie beließen ihre Empfehlung für Anteilsscheine der Lufthansa zwar bei „neutral“, hoben aber das Kursziel an von 7,10 auf 8,00 Euro. Dabei verwies die Studie auf die steigenden Buchungszahlen trotz des Kriegsgeschehens in der Ukraine. Für Fraport sprechen die Goldmänner sogar eine Kaufempfehlung aus, das Kursziel liegt hier bei 65 Euro.

Die britische Barclays Bank hingegen hält zurzeit nicht viel von Deutschlands Luftfahrtbranche. Sie bestätigte zuletzt ihre Verkaufsempfehlungen für beide Aktien sowie die jeweiligen Kursziele. Demnach stufen die Briten die faire Bewertung für Fraport mit 54 Euro ein, bei der Lufthansa Aktie lautet das Kursziel 5,20 Euro.

Experten rechnen mit Ausweitung von Verlusten in Q1

Frische Zahlen, die die Entwicklung des aufreibenden ersten Quartals des Jahres konkreter beziffern, liefern beide Unternehmen Anfang Mai. Für die Lufthansa, die ihre Quartalsbilanz voraussichtlich am 5. Mai vorlegen wird, rechnen Experten im Schnitt mit einem Verlust in Höhe von 0,48 Euro je Aktie nach einem Minus von 0,22 Euro je Aktie im vorangegangenen Vierteljahr.

Auch bei Fraport gehen Analysten für das Auftaktquartal von einer Ausweitung der Verluste aus. Hatte der Gewinn je Aktie im Schlussquartal 2021 noch bei minus 0,15 Euro gelegen, wird nun ein Verlust von 0,43 Euro je Aktie erwartet. Das Zahlenwerk des Flughafenbetreibers wird voraussichtlich am 10. Mai vorgestellt.