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Warum die Geldpolitik jetzt zur Crashgefahr für die Börsen wird

Inhaltsverzeichnis

In meinem gestrigen Artikel hatte ich Ihnen geschrieben, warum die deutsche Wirtschaft bald in eine schwere Stagflation abrutschen dürfte. Und dass die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen machtlos ist. Das letztgenannte Argument möchte ich Ihnen heute näher begründen. Denn hier stehen bald wichtige Ereignisse bzw. Weichenstellungen an.

Denn in der kommenden Woche kommt die EZB am 9. September zur nächsten Ratssitzung zusammen, um über die künftige Ausrichtung ihrer Geldpolitik zu beraten. Auf dieser Sitzung könnten die Gräben kaum tiefer sein.

Strafft die EZB kommende Woche die Geldpolitik?

So gibt es immer mehr Stimmen in der EZB, die eine Reduzierung der laufenden Anleihenkäufe und damit eine erste Straffung der Geldpolitik in der Eurozone fordern. Und zwar bereits im vierten Quartal, also frühestens ab Oktober. Das wäre eine zeitnahe Straffung der Geldpolitik, um die stark steigende Inflation womöglich doch noch in den Griff zu bekommen.

Zu diesen Vertretern zählen etwa der österreichische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied, Robert Holzmann. Und auch der Vizepräsident der EZB, Luis de Guindos, sowie das niederländische EZB-Ratsmitglied Klaas Knot.

Knot sagte in einem Interview, zuletzt hätten praktisch alle Wirtschaftsdaten positiv überrascht. Das PEPP-Programm könne deshalb im März enden. Dazu müssen Sie wissen, dass die EZB derzeit gleich zwei Anleihenkaufprogramme parallel führt.

Das „Pandemiekaufprogramm“ PEPP im Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro (Laufzeit mindestens bis März 2022) und das „reguläre“ Anleihenkaufprogramm APP (Laufzeit „open end“) im Umfang von 20 Milliarden Euro pro Monat. Es geht hier also höchstens um eine graduelle Straffung der Geldpolitik oder besser gesagt: eine geringere Lockerung als bisher.

Inflation in der Eurozone jetzt auf 10-Jahres-Hoch!

Und da sind wir beim eigentlichen Problem: Die EZB muss dringend ihre Geldpolitik überdenken. Denn der jüngste starke Inflationsanstieg erlaubt eigentlich keine milliardenschweren Anleihenkäufe im Rahmen des APP-Programms mehr.

Inzwischen liegt die Inflationsrate in der Eurozone seit August bei bereits 3,0 Prozent, was der höchste Stand seit zehn Jahren ist! Und deutlich über dem EZB-Ziel von „nahe 2 Prozent“. Dabei hat der Anstieg der Inflation gerade erst begonnen. Auch wenn die EZB gebetsmühlenartig etwas anderes behauptet. Sie lag bisher immer falsch.

Und weil das so ist, hat sie ihr Inflationsziel im Juli kurzerhand angepasst. Künftig wird eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent angestrebt, statt wie bisher “unter, aber nahe zwei Prozent”. Sie möchte dabei explizit auch eine „vorübergehend moderat höhere Inflation“ akzeptieren.

Das ist schön praktisch: Wenn das Ziel nicht erreicht werden kann, wird es eben angepasst oder „temporär“ aufgegeben. Ich wünschte, der Staat wäre bei den Steuern oder Ordnungswidrigkeit ebenso tolerant wie die EZB bei ihrer Geldpolitik. Wäre das nicht mal ein toller Vorschlag?

Und echte Zinserhöhungen?

Also: mit der Rechtfertigung von Anleihenkäufen wird es bald schwierig werden, wenn die Inflation (wie absehbar ist) beständig über zwei Prozent bleiben sollte. Bleiben noch echte Zinserhöhungen am Leitzins. Sozusagen die große Fliegenklatsche gegen Inflation. Hier windet sich die EZB wie ein Aal.

Beim Zinsentscheid im Juli hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde drei Bedingungen genannt, die erfüllt sein müssten, bevor die Leitzinsen wieder angehoben werden könnten. Unter anderem, dass die Inflationserwartungen für die nächsten vier Jahre bei über zwei Prozent liegen müssten.

Das war bis vor kurzem noch undenkbar. Doch inzwischen wird selbst dieses Ereignis immer wahrscheinlicher.

EZB wartet bis zuletzt und muss dann überstürzt reagieren – Crashgefahr für die Börsen!

Damit könnte bald der Punkt erreicht sein, an dem die EZB ihre ultralockere Geldpolitik nicht mehr rechtfertigen kann und ein plötzliches Ende der EZB-Unterstützung droht. Dieses Ereignis wiederum dürfte gerade die europäischen Aktien in ein völlige Chaos stürzen. Die Mischung aus plötzlich steigenden Zinsen, einem bereits begonnenen Abschwung und einer starken Überbewertung könnte sogar für einen echten Börsencrash sorgen.

Seien Sie deshalb bei europäischen Aktien jetzt besonders vorsichtig. Es gibt genügend andere Anleger, die sich vom Aufwärtstrend der letzten 17 Monate haben einlullen lassen und die wahrscheinlich einen großen Teil ihres Kapitals im nächsten Crash einbüßen werden. Seien Sie schlauer.