Dillard’s – wie aus dem Ei gepellt?

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Langweiliger geht’s nicht. Zumal in einer Branche, die vom Aussterben bedroht ist. Das konnte der Aktie von Dillard’s (WKN: 861569) bislang nichts anhaben. Gilt das auch für die nächsten Jahre?

Erstaunliche Performance

Heute beginne ich ausnahmsweise mit einer kurzen Rückschau, heißt: mit dem Blick auf die Wertentwicklung der Dillard’s Aktie in den vergangenen Jahren. Diese hat es wahrlich in sich. Denn zahlten Investoren zur Jahresmitte 2020 je Anteilsschein noch keine 50 Dollar, kosten die Papiere mittlerweile mehr als 430 US‑Dollar. Nahezu eine Verzehnfachung in noch nicht einmal vier Jahren. Und das bei DEM Geschäftsmodell …

Denn die Firma ist ein Einzelhändler; und zwar nicht in irgendeiner Nische mit traumhaft hohen Gewinnmargen, sondern die US-Amerikaner machen in Mode und dem, was sonst noch dazu passt. Zu allem Überfluss so gut wie nicht online, sondern stationär in Läden.

Wir wissen – Zalando lässt grüßen – dass dieses Geschäftsmodell im Grunde überholt ist. Nicht nur in Deutschland quietscht es beim stationären Modehandel an allen Ecken und Enden. Dennoch laufen bei Dillard’s die Geschäfte alles andere als schlecht – siehe oben: Kursexplosion seit Sommer 2020.

Stellt sich die Frage, weshalb Investoren derart heftig zugegriffen habe bzw. ob sie dies überhaupt getan haben. Denn Wachstum sieht anders aus, wie die Zahlen zum Geschäftsjahr 2023 signalisieren. Dazu später mehr.

Verknappung durch Aktienrückkäufe

Das Unternehmen, dessen Verwaltung in Little Rock (US-Bundesstaat Arkansas) angesiedelt ist, hat seit dem Jahre 2011 massiv Aktien zurückgekauft. Seinerzeit waren rund 67 Millionen Anteilsscheine im Umlauf, voriges Jahr weniger als 17 Millionen. Die Firma hat also ihren starken und stabilen Cashflow ins eigene Unternehmen investiert, so das Angebot an Aktien verknappt und den Gewinn je Aktie heftig nach oben geschraubt.

Das ist statthaft, und nicht viele Unternehmen machen dasselbe. Nur: Bei den Mammuts wie Apple oder Microsoft fällt dies wegen der hohen Marktkapitalisierung und der gigantischen Zahl ausstehender Aktien kaum ins Gewicht. Da höhlt eher steter Tropfen den Stein.

Bei Dillard’s betrug der Gewinn je Aktie im Jahr 2021 knapp 42 US-Dollar, ein Jahr später waren es nahezu 51 Dollar – also gut 20 Prozent mehr. Es wäre allerdings vermessen, hier von einem nachhaltigen unternehmerischen Wachstum zu sprechen. Zumal die Geschäftszahlen für das Jahr 2023 eine deutliche Sprache sprechen.

Geschäftsjahr 2023 – Umsatz und Gewinn runter

Die US-Amerikaner haben ein ziemlich „krummes“ Geschäftsjahr, falls man dies so sagen darf. Denn es endete am 3. Februar 2024, rund drei Wochen später lagen die Zahlen auf dem Tisch. Die Umsatzerlöse sanken von 6,87 Milliarden US-Dollar im davorliegenden Jahr auf 6,75 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn betrug 738 Millionen Dollar nach 891 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 44,73 US-Dollar, im Vergleichszeitraum waren es 50,81 Dollar.

Operativ scheinen die Zahlen also für das abgelaufene Geschäftsjahr nicht berauschend, eine Katastrophe sind sie aber nicht. Nunmehr stellt sich die Frage, ob der aktuelle Kurs der Dillard’s Aktie in der Region von gut 430 US-Dollar gerechtfertigt oder aber ziemlich korrekturgefährdet ist.

Wie geht’s weiter bei Dillard’s?

Ich mache keinen Hehl daraus: Hätte ich die Dillard’s Aktie im Portfolio, ich bekäme kalte Füße. Denn den aktuellen Kurs halte ich für nicht gerechtfertigt – auch weil der historische Höchststand von Einiges über 440 US-Dollar fast erreicht ist.

Zu schaffen macht mir, dass das operative Geschäft aus meiner Sicht so gut wie keine Wachstumsperspektive hat. Zwar rühmt sich das Unternehmen einer überdurchschnittlich guten Kundenbindung, was nicht zuletzt auf den nach eigenen Angaben erstklassigen Service und die vergleichsweise gute Qualität der Ware zurückzuführen ist.

Doch angesprochen scheint mir hier eher die ältere Generation, die – mit Verlaub – zunehmend in der Minderheit scheint. Jüngere setzen beim Konsum eher auf das Disruptive und kaufen online. Kurz und gut: Wer Dillard’s Aktie hat, sollte nach meiner Meinung dringlich über Gewinnmitnahmen nachdenken. Zudem glaube ich, dass sich der Kauf der Papiere zumindest momentan nicht aufdrängt.