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Brown-Forman – Schluck aus der Pulle

Inhaltsverzeichnis

Der im US-Bundesstaat Kentucky beheimatete Spirituosen-Hersteller Brown-Forman – bekannt vor allem für die Whisky-Marke Jack Daniels – verliert nach einem bislang starken Jahr 2022 etwas an Fahrt und vermeldet gemischte Quartalszahlen.

39 Jahre – 39 Dividendenerhöhungen

Es ist ein Spiel, dessen die Aktionäre von Brown-Forman sicher nicht so schnell überdrüssig werden. Am 17. November 2022 gab der 1870 gegründete Traditionskonzern bekannt, seine Quartalsdividende zu erhöhen (von 18,85 auf 20,55 Cent je Aktie). Mal wieder. Wie bereits 2021 und 2020 und 2019. Wie in jedem Jahr seit inzwischen 39 Jahren – eine Serie, die Brown-Forman einen Platz im prestigeträchtigen S&P 500 Dividend Aristocrats-Index einbrachte (für dessen Aufnahme US-Unternehmen mindestens 25 Jahre kontinuierlicher Dividendensteigerungen vorweisen müssen).

Kein Wunder also, dass die Aktie so beliebt ist und selbst große Krisen wie die Corona-Pandemie oder den Ukraine-Krieg vergleichsweise glimpflich übersteht. Im laufenden Jahr 2022 lief es für die Aktie sogar besonders gut, denn im August wurde bei etwas über 77,50 Euro ein neuer historischer Höchstkurs erreicht. Seitdem ging es zwar etwas zurück, aber auch mit den aktuellen rund 70 Euro verbleibt unter dem Strich ein Plus von mehr als 10 Prozent seit Jahresbeginn – der S&P 500 verlor im gleichen Zeitraum etwa 18 Prozent!

Starker Dollar bremst Wachstum

Im am 31. Oktober 2022 beendeten zweiten Quartal des Geschäftjahres 2023 gelang Brown-Forman gegenüber dem Vorjahr trotz dämpfender Währungseffekte ein Umsatzplus von 10 Prozent auf gut 1,09 Milliarden US-Dollar. Das organische Wachstum betrug sogar 16 Prozent. Die Erwartungen der Branchenanalysten wurden damit leicht übertroffen. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres ergibt sich ein Umsatzanstieg von 11 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Zu den wachstumsstärksten Märkten zählten im ersten Halbjahr Brasilien mit einem im Vorjahresvergleich um 44 Prozent gesteigerten Umsatz und Kanada, wo es um 33 Prozent nach oben ging. Vor allem die europäischen Märkte litten derweil (trotz des Wegfalls von EU-Strafzöllen für Whisky) unter dem starken Dollar – das organische Umsatzplus konnte sich jedoch auch in Polen (plus 27 Prozent) oder Deutschland (plus 14 Prozent) sehen lassen.

Gewinnzahlen etwas schwächer als gedacht

Nicht ganz so gut lief es im zweiten Quartal in Sachen Gewinn. So sank das Betriebsergebnis um 2 Prozent auf 313 Millionen Dollar und das Nettoeinkommen um 4 Prozent auf 227 Millionen Dollar. Auch das hat mit Währungseffekten zu tun, organisch ging es beispielsweise beim Betriebsergebnis um 8 Prozent nach oben. Das verwässerte Ergebnis je Aktie sank um 2 Cent auf 0,47 Dollar und verfehlte damit die von Analysten berechneten 52 bis 55 Cent recht deutlich.

Über das gesamte erste Halbjahr betrachtet sieht es besser aus: Das Betriebsergebnis stieg um 8 Prozent auf 656 Millionen Dollar, das Nettoeinkommen um 11 Prozent auf 476 Millionen Dollar und das verwässerte Ergebnis je Aktie um 10 Cent auf 0,99 Dollar.

Höherer Ausblick trotz Inflation und Währungseffekten

Nach dem ersten Halbjahr erhöht das Management von Brown-Forman seine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2023 trotz der unsicheren makroökonomischen und geopolitischen Lage leicht. Wurde bisher ein organisches Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich anvisiert, ist nun ein Anstieg im hohen einstelligen Prozentbereich das Ziel. Das Gleiche gilt für das organische Betriebsergebnis: Auch hier soll ein Plus im hohen, statt im mittleren einstelligen Prozentbereich erreicht werden. Die Anleger reagieren auf die Quartalszahlen und den Ausblick gelassen, kurz vor US-Börsenstart liegt die Aktie im deutschen Handel bei knapp 70 Euro um 1 bis 2 Prozent im Minus.