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Aufdecker-Story: Deka Commodities Fonds

Trader´s Daily-Leser Klaus L. schrieb mir:

„Ich bin schon langjähriger Leser Ihrer Newsletter Traders Daily (Anmerkung M.V.: Recht so!). Heute habe ich eine Frage (…). Ich habe Mitte 2007 in den Fonds Deka Commodities investiert. Der Grund war, dass ich mich gegen steigende Inflation und Rohstoffpreise absichern wollte. Insbesondere gegen einen steigenden Ölpreis, da ich noch eine Ölheizung besitze. Bis Mitte 2008 hat der Fonds gut performt und ziemlich genau den Anstieg des Ölpreises abgebildet. Leider hat das Fondsmanagement wohl noch nie was von `Gewinne absichern´ gehört, so dass der Fonds den Absturz des Ölpreises voll mitgemacht hat.“

Und weiter:

„Nun zu meinem Problem: Seit die Rohstoffpreise wieder angestiegen sind, hat der Fonds diesen Anstieg nur noch abgeschwächt mitgemacht und deutlich underperformt, und das in einem Rohstoff-Bullenmarkt. Da habe ich mich ernsthaft gefragt, wie viel Inkompetenz man besitzen muss, um so einen Fonds managen zu dürfen.“

Meine Antwort:

Je nun – da war man = Ihr Autor in der Tat baff. Und zwar, als ich mir den Jahresbericht des Deka Commodities (WKN: DK0EA3) angesehen hatte! Zunächst hatte ich in der „Fondsphilosophie“ diesen Satz gefunden: „Deka-Commodities beabsichtigt indirekt die Entwicklung an den internationalen Rohstoff- und Warenterminmärkten zu nutzen.“

Also ein Rohstoff-Fonds. Erlaubte Instrumente? Geeignete Derivate, Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Optionsscheine etc. pp. Also ziemlich die gesamte Bandbreite. Doch wie gesagt…ein Rohstoff Fonds. Das Wort „Commodity“ heißt genau das…Rohstoff.

Der Leser wies mich auf eine Stelle im Jahresbericht hin,….als ich das gelesen hatte, machte ich ein Geräusch wie eine Kuh, welche ansetzt, zu muhen – es sich dann aber doch anders überlegt. Stichwort „Die Vermögensaufstellung“!

Was ich da bei einem Rohstoff-Fonds erwartet hätte: Rohstoff Futures. Vielleicht auch einige physische Metalle und auf jeden Fall Edelmetalle. Minen-Aktien. Bonus-Zertifikate.

Und was findet sich in der Vermögensaufstellung dieses Fonds?

Gesamtes Fondsvermögen am Stichtag waren 310.130.424,44 Euro. Gut 310 Mio. Euro, das ist doch schon mal eine Ecke. Wie angelegt?

Satte 47,01% des Fondsvermögens waren in Anleihen angelegt! (Quelle: Letzter Jahresbericht, Seite 10). Anleihen der LB Baden-Württemberg (Kupon 1,2050%), des Landes Nordrhein-Westfalen oder der Staaten Belgien oder Italien.

Und dann das: Weitere 41,37% des Fondsvermögens ruhten auf „Bankguthaben, Geldmarktpapieren und Geldmarktfonds“.

Da 10 Mio. bei der Landebank Hessen-Thüringen, Festgeld zu sage und schreibe 0,25% Verzinsung. Da 15 Mio. Euro bei der NORD/LB, Zinssatz 0,28%. Nochmal 10 Mio. bei der NORD/LB als Festgeld, Zinssatz 0,82%. Und so weiter, und so fort. Insgesamt über 128 Mio. Euro, angelegt entweder unverzinslich bei der Depotbank (DekaBank) oder deutschen öffentlich-rechtlichen Instituten.

Und das bei einem Rohstoff-Fonds! Wo wir mitten drin sind in einem Rohstoff-Bullenmarkt!

Insgesamt über 88% des Fonds-Vermögens in Anleihen und Tagesgeld! Und dann noch weitere knapp 10% in Nullkupon-Anleihen!

Was bleibt eigentlich für Rohstoffe? Diverse Swap-Geschäfte…mit einem Anteil am Fondsvermögen von sage und schreibe 2,19%!

Bei einem Rohstoff-Fonds!

Da braucht sich der Leser über die schlechte Performance nicht zu wundern. Per saldo hat der Fonds im letzten Geschäftsjahr (bis 31.8.2010) ein Minus von 2,86 Mio. Euro erzielt.

Ist ja auch klar: Bei einem TER (Total Expense Ratio) von 1,67%….

Was nichts anderes bedeutet als: 1,67% des Fondsvermögens gehen als Kosten drauf. Da ist die Verwaltungsvergütung, die Depotbankvergütung, die Vertriebsprovision, und die beliebten „sonstigen Aufwendungen“.

Bei 1,67% Kosten pro Jahr ist es doch abzusehen, dass dieser Fonds ein Minus machen wird, wenn der weitaus größte Teil des Fondsvermögens zu Verzinsungen angelegt wird, welche GERINGER sind als die Kosten. Wie soll ich das bezeichnen…wenn das Fondsmanagement weiß, dass es Kosten von 1,67% pro Jahr produziert…dann aber Fondsvermögen zu z.B. 0,28% Zinssatz anlegt?

Und das ist noch nicht alles….bzw. doch, für heute schon, der Versandtermin naht in wenigen Minuten…bis morgen!

Und sehr ärgerliche Grüße! Auf wen? Das Fondsmanagement dieses Deka Commodities Fonds! Hoffentlich sind nicht mehr Mitglieder der Gemeinde betroffen.

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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Alte Kommentare
  • Roland Balzer schrieb am 03.03.2011, 12:42 Uhr

    Na das ist ja ein Ding. Wir haben doch in den letzten 14 Tagen viel über Betrug gehört. Das was die DEKA hier abzieht ist eigentlich nichts anderes. Es ist zumindest Prospektbetrug, denn im Verkaufsprospekt steht etwas anderes über die verwendeten Instrumente zur Erlangung des Anlageziels. Jedenfalls sind dort keine Staatsanleihen (!!!) oder Tagesgelder (!!!) genannt. Wäre ja auch ein wenig blöd bei einem Rohstofffond. Bei der Vermögensaufstellung des letzten Jahresberichts vom September 2010 sollte eigentlich die BAFIN als Aufsichtsorgan mal große Augen bekommen und einschreiten. Schließlich ist der DEKA Commodities kein Geldmarktfond. Und wenn man in einen Rohstofffond investiert muß man ja auch als Anleger nicht damit rechnen, dass man in Wahrheit sein Geld auf ein mickrig verzinstes Sparbuch legt, das auch noch höhere Kosten verursacht, als es an Rendite abwirft. Das versagende Management sollte zur Rechenschaft und Haftung herangezogen werden.

    • Steffen R antwortete am 08.03.2011, 15:32 Uhr

      Liebe Leserinnen und Leser ! Ich würde allen hier so fleißig schreibenden Autoren empfehlen, dass Produktinformationsblatt des Deka Commodities einmal genauer zu lesen. Dies sollte man meiner Meinung nach tun, bevor man die Wörter Betrug, kriminell und Inkompetenz einfach so dahinschreibt. Das Fondsmanagement verfolgt nämlich die Strategie, die Entwicklung der Rohstoffmärkte über Derivate auf Rohstoffindizes abzubilden. Dafür benötigt man, wie einige scheinbar nicht wissen, weniger Cash als bswp. bei einer Direktanlage in Aktien von Unternehmen aus der Rohstoffbranche. Da der Fonds also nicht bzw. nur sehr wenig in Direktengagement investiert, sondern hauptsächlich in Derivaten, bleibt jede Menge Cash im Fonds übrig. Dieses Geld, so auch in der Strategiebeschreibung des Fonds beschrieben, wird in Euro lautende Geldmarkt- und Rentenpapiere angelegt. Siehe: https://www.deka.de/mms/PIB_LU0263138306.pdf. Im übrigen kann man selbstverständlich nicht einfach so auf den Ölpreis gucken und das dann mit seinem Commodities Fonds vergleichen (egal welcher Fonds bzw. welche Gesellschaft). Commodities sind z.B. auch Nahrungsmittel (Vieh, Landwirtschaft), Metalle etc.. Auch hier hilft nachlesen: https://www.deka.de/decontent/produkte/fonds/portrait/portraitLU0263138306.jsp?isFromFondsFinder=true&rMode=&currentPage=&universalValue=commo&sMode=S1&savingsModelFlag=0&filterFlag=0&contextFlag=0&fundCcy=&assetClassId=0&assetFocusId=&disbursementLoad=&ACTION_FIELD=backFromPortrait&issueCompany=#. Des Weiteren hat sich der Fonds von 2009-heute relativ gut entwickelt und ist in 2008 (Krisenjahr) relativ gut davongekommen.

  • Triple A schrieb am 03.03.2011, 12:45 Uhr

    Wow, geradezu kriminell diese Fondsverwaltung. Sieht für mich so aus, als ob dieser Fonds nur existiert um Verwaltungskosten zu generieren! Da muss sich doch irgend etwas in einem straftatsrelevanten Kontext zu finden sein, um die dranzukriegen? Ich kann mir gut vorstellen, dass gesetzlich gesehen etwas über 2% Rohstoffanteil bei weitem nicht genügend sind, um die juristischen Voraussetzungen für einen Rohstoff-Fonds zu erfüllen. Freundliche Grüsse.

  • Steffen Esser schrieb am 03.03.2011, 16:30 Uhr

    Starker Toback.... Das riecht nachKkontrolle beim Bundesamt für das Finanz- und Versicherungswesen.... Ich würde den Fall der Bafin MELDEN !!!

  • R Viefhaus schrieb am 03.03.2011, 20:09 Uhr

    Für mich klingt das nach Veruntreuung von Kundengeldern. Das die Anlage die "Möglichkeit eines Verlustes" beinhaltet - schön und gut. Aber die Fondverwaltung unternimmt offenbar nichteinmal den Versuch die anvertrauten Gelder kostendeckend anzulegen.

  • Dr Eckehard A Hilf schrieb am 04.03.2011, 01:24 Uhr

    Ist denn das zu fassen? Da tritt der zu Guttenberg zurück, weil er ein bisschen geschummelt hat, na schön, wem hat der damit geschadet? Den Akademikern, die es anders gemacht haben? Die haben doch ihren Titel, sollen sie sich freuen! Aber hier wurden Leute betrogen, haben wirklich Schaden erlitten. Wo sind sie denn, die ehrenwerten Glaubenshüter der Wahrheit, dass sie nun hier mal den Schnabel aufreißen?

    • Hartmut Fischer antwortete am 04.03.2011, 16:55 Uhr

      Was soll denn in Ihrem Sinn am Verhalten der Fondsgesellschaft und der Banken schlimm sein? Die haben doch wie Guttenberg auch "nur ein bisschen geschummelt", um sich Vorteile zu verschaffen! Und die Kunden sollen sich doch freuen, haben ein gutes Werk für die Banken getan! Jeder ist sich doch selbst der Nächste, oder?

  • Helmut Höhenberger schrieb am 04.03.2011, 04:58 Uhr

    ...da ist ja das ganze "who is who" der Geldverbrenner der letzten Finanzkrise enthalten...mich wundert in dieser Republik nichts mehr!Das ist wahre Leidenschaft, nur weiter so!

  • setzensechs schrieb am 04.03.2011, 11:38 Uhr

    Zunächst zum Anleger: Wenn ich mich gegen die Preisentwicklung von Erdöl hedgen will, sollte ich keinen Fonds kaufen, in dem Ölpreise nur zu ~25% enthalten sind. Der Fonds hat bildet einen breiten Rohstoffindex ab, der vielmehr als Öl beinhaltet. Nun zu unserem Experten: Es lohnt sich zu wissen wie man solche Listen zu lesen hat. Was als Derivat ausgewiesen wird ist die gegenwärtige GuV aus Swaps auf Commodity Indizes - nicht die Notionals! Schonmal was von Investmentrecht gehört? Ein Publikumsfonds darf nicht ohne weiteres in vollem Umfang Rohstofffutures kaufen, deswegen benutzt man Swaps und legt das Fondsvermögen im Geldmarkt an. Die Performance des Fonds bildet im Ergebnis die Preisentwicklung des breiten Rohstoffuniversums ab (in dem Fall glaube ich DJ UBS Commodity Index). Fazit: Ein Problem im Onlinezeitalter: Jeder darf sich Experte nennen und gefährliches Halbwissen in den Äther plärren...

    • Hartmut Fischer antwortete am 05.03.2011, 10:18 Uhr

      Vielen Dank für den aufklärenden Beitrag! Allerdings steigt der Rogers-Fond A0JK68 seit Anfang 2009 von ca. 17 kontinuierlich auf jetzt ca. 28 ! Sind da bei der DEKA nicht zumindest Stümper am Werk? Hartmut fischer

  • Hartmut Fischer schrieb am 04.03.2011, 12:51 Uhr

    Das ist nicht nur Betrug, sondern Verschwörung von Staats(nahen) Institutionen (Landesbanken) zur Kundenabzocke und Aufbesserung ihrer Bilanzen. Man sollte hier vielleicht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung klagen! Mich wundert in diesem Staat gar nichts mehr. Guttenberg und Schröder (hat die Vorgaben seiner Bosse-Genossen vollzogen und ansonsten garantiert und klagebewehrt ungefärbte Haare) und andere sind nur Symptome! Hartmut Fischer

  • cuno schrieb am 05.03.2011, 11:41 Uhr

    eine Frage dazu (zum Verständnis): letztes Jahr im Juni stand der Fonds bei ca 66/67 Euro. Heute wird er bei ca 90 Euro gehandelt. (So jedenfalls zeigt Onvista den Verlauf von WKN DK0EA3, über den reden wir doch hier) Es mag durchaus stärkere Commodities-Fonds geben. Aber knapp 35 Prozent Steigerung in 15 Monaten.... Sehr unzufrieden wäre ich damit nicht.