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Habecks neues China-Papier: Welche Aktien wären betroffen?

Inhaltsverzeichnis

Es ist die alles entscheidende Frage, wenn es um die Zukunft der deutschen Wirtschaft geht: Sollen hiesige Firmen ihre Abhängigkeit von China reduzieren? Und wenn ja: Wie umfangreich soll das Ganze vonstattengehen?

Das Bundeswirtschaftsministerium jedenfalls hat darauf nun eine Antwort gefunden, wie Sie in den Medien bestimmt schon gelesen haben. Laut den Berichten, die sich auf ein Positionspapier des Ministeriums berufen, soll Deutschland weit unabhängiger vom Reich der Mitte werden.

Bundeswirtschaftsministerium will  China die rote Karte zeigen

Demnach will Wirtschaftsminister Robert Habeck sehr strenge Auflagen für deutsche Konzerne im China-Geschäft auf den Weg bringen. So sollen deutsch-chinesische Projekte weit weniger politische Unterstützung erhalten. Dabei geht es unter anderem um die sogenannten Investitionsgarantien.

Bislang konnten sich deutsche Unternehmen dank dieser Garantien Verluste vom Staat erstatten lassen, wenn sie Investitionen zum Beispiel wegen Enteignungen oder eines militärischen Konflikts abschreiben müssen. Diese staatliche Rückendeckung soll nun mit Blick auf China reduziert werden.

Doch das ist nicht alles: Das Bundeswirtschaftsministerium will, dass Chinas Status als Entwicklungsland gestrichen werden soll. Obwohl das Reich der Mitte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, erhählt das Land immer noch milliardenschwere Unterstützung. Allein Deutschland überwies im Jahr 2020 rund 475 Millionen Euro an Entwicklungshilfe nach China.

Insgesamt will Habecks Ministerium deutsche Investitionen in chinesische Firmen stärker prüfen und spätestens ab nächstem Jahr keine Entwicklungskredite mehr an China vergeben.

Taiwan-Annexion bis 2027?

In dem Positionspapier zeichnen die Mitarbeiter des Ministeriums ein düsteres Bild. Demnach gehen die Beamten davon aus, dass die Kommunistische Partei bis spätestens 2027 den Inselstaat Taiwan annektieren wird.

Das hätte wohl enorme Konsequenzen für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Westen und Peking. In der Folge würden wahrscheinlich extrem scharfe Sanktionen gegen China auferlegt, die das Geschäft deutscher Firmen im Reich der Mitte zum Erliegen bringen könnten. Die vom Bundeswirtschaftsministerium forcierten Maßnahmen sind somit auch als Vorsichtsmaßnahme in Sachen Taiwan-Konflikt zu verstehen.

Klar: Noch sind die Pläne längst nicht in trockenen Tüchern. Denn in der Ampel-Koalition gibt es durchaus unterschiedliche Vorstellungen zum Umgang mit China. So will das von Annalena Baerbock geführte Außenministerium ebenfalls eigene China-Leitlinien erarbeiten. Diese Mehrgleisigkeit stößt bei der Industrie freilich auf wenig Gegenliebe. Eine ökonomisch sinnvolle Planung von Projekten in China ist dadurch erst einmal kaum noch möglich.

Deutsche Autobranche muss zittern

Aber was heißt das jetzt für Sie als Anleger? Ganz einfach: Aktien mit einem starken China-Geschäft könnten unter die Räder geraten. Gerade die deutsche Automobilbranche hat sich in den letzten Jahren massiv von der Volksrepublik abhängig gemacht. Würde dieses Geschäft einbrechen oder gar komplett wegfallen, wäre eine massive Verzwergung die Folge.

Schauen Sie: Allein im dritten Quartal 2022 wurden etwa 37,5 Prozent aller Fahrzeuge der drei großen deutschen Auto-Börsenkonzerne Volkswagen (38 %), Mercedes-Benz (37 %) und BMW (37 %) im Reich der Mitte abgesetzt. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2011 waren es insgesamt nur 24 Prozent gewesen.

BASF und Infineon

Betroffen wäre auch die Chemiebranche. Allen voran: BASF. Der Ludwigshafener Konzern gilt als größter ausländischer Chemieinvestor in China. Im letzten Jahr machte das Unternehmen rund 12,4 Prozent seines Umsatzes in der Volksrepublik – Tendenz steigend. Denn: Konzernchef Martin Brudermüller hatte unlängst neue Mega-Investitionen angekündigt. So will das Management in der südchinesischen Provinz Guangdong bis 2030 zehn Milliarden Euro in einen neuen Verbundstandort investieren.

BASF reagiert damit auch auf die immer schwierigere Ausgangslage in Deutschland. Wegen der hierzulande hohen Energiekosten muss sich der Konzern nach Alternativen umschauen, um die Verluste auf dem Heimatmarkt kompensieren zu können.

Extrem abhängig von China ist übrigens auch Infineon. Der Deutsche Halbleiterhersteller erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2022 (per Ende September) in der Region Greater China (Festlandchina und Hong Kong) einen Umsatz von 5,2 Milliarden Dollar. Das entspricht 36 Prozent der Gesamterlöse.

Adidas leidet unter China-Flaute

Wie schnell sich China zum Bumerang entwickeln kann, zeigt indes das Beispiel Adidas. Der Sportartikelgigant hatte vormals massiv von seinem florierenden China-Geschäft profitiert. Inzwischen aber sind die Verkäufe in der Volksrepublik eingebrochen – unter anderem wegen der dortigen Corona-Lockdowns, aber auch wegen des allgemeinen Drucks vonseiten der Kommunistischen Partei gegenüber ausländischen Modekonzernen.

Adidas hatte deshalb zuletzt mehrfach seine gesamte Geschäftsprognose nach unten korrigieren müssen und nicht zuletzt einen Chefwechsel angekündigt.

Mein Fazit für Sie

Wollen Sie in den deutschen Aktienmarkt investieren, sollten Sie unbedingt darauf achten, wie umfangreich das China-Geschäft der jeweiligen Aktie ist. Diese Kennzahl könnte in Zukunft eine sehr große Rolle spielen. Natürlich sollte man niemals den Teufel an die Wand malen. Doch Fakt ist: Einfacher wird es für deutsche Unternehmen in China nicht. Das Ganze ist längst zu einem Politikum avanciert. Und werden Firmen zu einem Spielball der Politik, ist das schlicht keine gute Geschäftsgrundlage.

Gerade eine mögliche Eskalation des Taiwan-Konflikts könnte bittere Konsequenzen für viele deutsche Börsenkonzerne haben. Die wirtschaftlichen Folgen wären dann wohl noch deutlich schlimmer als beim Ukraine-Krieg.