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Europa ruft zum Energiesparen auf – Großbritannien macht nicht mit

Inhaltsverzeichnis

Europa muss Energiesparen. Das weiß man schon lange und hat sich im Rahmen der Klimaschutzpläne für die erste Hälfte des Jahrhunderts so einiges vorgenommen. Nun aber muss es schnell gehen. Es herrscht Energieknappheit, die Rohstoffbeschaffung wird immer teurer, der Bedarf muss sich anpassen und möglichst auf das Allernötigste reduziert werden.

Deutschland bringt gesetzliche Regelungen auf den Weg

Wie strikt die Appelle ausfallen und wie sehr die Regierungen auf eine tatsächliche Umsetzung bedacht sind, ist allerdings höchst unterschiedlich. In Deutschland etwa treten in diesem Herbst verschiedene Verordnungen in Kraft. Sie regeln die Begrenzung der Beheizung von öffentlichen Gebäuden, auch Arbeitgeber sind angehalten, die Raumtemperatur von 20 auf 19 Grad zu senken. Öffentliche Gebäude werden nachts nicht mehr angestrahlt, nächtliche Schaufensterbeleuchtungen sind ebenfalls nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.

Auch im Nachbarland Belgien wird das Licht ausgeknipst. Unter anderem betrifft es dort die sonst hell erleuchteten Autobahnen. Fortan werden auch die Belgier im Dunkeln fahren müssen, wie es in den meisten anderen EU-Staaten auf einem Großteil der Strecken längst Standard ist.

Frankreich appelliert unverbindlich an Verbraucher

Die französische Regierung appelliert an Unternehmen und Bürger mit einer großangelegten öffentlichen Kampagne zum Energiesparen und gibt Tipps vom Lichtschalter bis zum Öko-Waschgang. Ein bisschen erinnert das an die kürzlich von deutschen Politikern aufgestellten Berechnungen zum Einsparpotenzial durch um ein bis zwei Minuten verringerte Duschzeiten.

Darüber hinaus gibt es in Frankreich nunmehr eine Art regelmäßigen Statusreport, ähnlich dem Wetterbericht oder der Corona-Inzidenz in den Nachrichten: Es soll gezeigt werden, zu welchen Uhrzeiten in welchen Regionen der Energieverbrauch besonders hoch oder gering ist, um eine bessere Lastenverteilung zu ermöglichen.

EU-Parlament diskutiert Winterpause für Straßburg

Die Informationskampagne und Appelle in Frankreich sind somit in der Öffentlichkeit auf allen Kanälen sehr präsent – allerdings nicht verpflichtend, alles geschieht auf freiwilliger Basis. Die Situation ist angespannt, seit mehrere Atommeiler vorübergehend abgeschaltet werden mussten.

Auch auf EU-Ebene ist das Thema Energiesparen präsent. Zurzeit wird darüber diskutiert, eine Art Winterpause für den in Straßburg gelegenen Zweitsitz des Europaparlaments einzuführen. Üblicherweise pendelt das gesamte EU-Parlament für einzelne Sitzungswochen regelmäßig zwischen Brüssel und Straßburg. Unnötige Energieverschwendung sei das und in diesen Zeiten nicht angemessen, heißt es nun vermehrt.

Keine Vorgaben in Großbritannien

Ganz anders in Großbritannien: Dort verfolgt man nach dem Austritt aus der Europäischen Union eine grundlegend gegensätzliche Strategie – schließlich war das Lossagen von der „Bevormundung“ durch Brüssel seinerzeit eines der Hauptargumente der Brexit-Befürworter. Dieser Linie folgend überrascht es demnach wenig, dass die britische Regierung ihren Bürgern keinerlei Vorschriften oder auch nur Vorschläge macht, um Energie zu sparen. Die Versorgung sei nicht gefährdet, ein Blackout drohe nicht, man habe die Szenarien durchgespielt und sei gut aufgestellt, heißt es dazu von offizieller Seite.

Dennoch wird offenbar an Anreizen gearbeitet, um Verbraucher zu belohnen, die ihren Energiebedarf zu Spitzenzeiten absenken. Eine unfreiwillige Motivationsspritze dürfte dabei auch die Inflationsentwicklung sein: In Großbritannien lag die Teuerungsrate zuletzt bei rund 10 Prozent, die Energiepreisentwicklung liegt – wie im Rest Europas – noch deutlich darüber.

Bundesnetzagentur schlägt Alarm – Verbrauch muss deutlich sinken

Während man im Vereinigten Königreich also vergleichsweise zuversichtlich den Wintermonaten entgegenblickt und keine größeren Ausfälle bei der Energieversorgung befürchtet, warnt die EU-Kommission mittlerweile vor Blackout-Szenarien auf dem Kontinent. Im schlimmsten Fall käme dann der Katastrophenschutz zum Einsatz, auf den sonst etwa bei Umweltkatastrophen zurückgegriffen wird.

Für Deutschland schlägt inzwischen die Bundesnetzagentur Alarm. Demnach sinkt der Gasverbrauch nicht etwa – er steigt sogar, gemessen an den Durchschnittswerten der Vorjahre. Notwendig wären dagegen Einsparungen in einer Größenordnung von mindestens 20 Prozent – andernfalls sei eine Gasnotlage im Winter kaum vermeidbar, so die Behörde.

Immerhin: Die Gasspeicher sind mittlerweile zu mehr als 90 Prozent gefüllt, Ziel ist ein Füllstand von 95 Prozent bis Ende Oktober, um stabil über den Winter zu kommen. Das ist allerdings nur eine bedingte Entwarnung: Experten blicken bereits mit Sorge auf die Winterperiode im kommenden Jahr. Das erneute Auffüllen der Gasspeicher bis zum Herbst 2023 könnte schwierig werden, immerhin steht von Anfang an weniger Gas zur Verfügung als in diesem Jahr, als zumindest in den ersten Monaten noch Gaslieferungen aus Russland einfließen konnte.