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Warum ist Gas bei uns so unverschämt teuer?

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In meinem gestrigen Beitrag hatte ich Ihnen über den europaweiten Gaspreisdeckel geschrieben. Ich hatte Ihnen gezeigt, dass die Gaspreisblase in Europa seit dem Sommer auch ohne den Preisdeckel geplatzt ist und dass der jetzt beschlossene Markteingriff erst bei einer erneuten Preisverdopplung überhaupt greifen würde. Im Grunde also nutzlos ist.

Ich habe den Eindruck, dass dieser Preisdeckel nur Augenwischerei ist. Denn die gegenwärtigen europäische Gaspreise von ca. 100 Euro pro Megawattstunde sind zwar deutlich niedriger als noch im August (360 Euro), aber gleichzeitig sehr viel höher als vor zwei Jahren (16 Euro). Die Preise können also trotz Preisdeckel vergleichsweise hoch bleiben.

Und sie sollen es vermutlich auch. Bleibt die Frage, warum ist Erdgas bei uns in Europa eigentlich so wahnsinnig teuer? Warum nur bei uns und in keinem anderen Teil der Welt?

Warum ist Gas bei uns so unverschämt teuer?

Das beliebteste Politikermärchen ist, der Gaspreisanstieg wäre durch den russischen Überfall auf die Ukraine entstanden. Das ist aber nur ein kleiner teil der Wahrheit, denn der größte Teil des Preisanstieges fand lange vor dem Kriegsbeginn im Februar 2022 statt. Der Krieg hat die Entwicklung nur noch weiter beschleunigt. Wo liegen also die wahren Ursachen?

Dieser Preisanstieg geht auf eine völlig irrsinnige Energiepolitik zurück, die Gas mittels Steuern und CO2-Abgaben künstlich teuer macht, gleichzeitig aber die Gasnachfrage erheblich angeheizt hat, weil Gaskraftwerke als Puffer für schwankungsanfälligen Wind- und Sonnenstrom unerlässlich sind.

Mit anderen Worten: die Politik hat durch einen falschen Anreiz die Gasnachfrage angeheizt (Preise steigen) und zusätzlich noch die Steuern und Abgaben auf Gas massiv erhöht (Preise steigen noch weiter). Nur um jetzt zu sagen: „Böser Markt, teurer als 180 darf es aber nicht werden!“.

Der effektivste Weg für sinkende Gaspreise

Warum sinken aktuell die Gaspreise, obwohl die Steuern unverändert sind und Gaskraftwerke nötiger sind als je zuvor?

Ganz einfach: wir sehen in Europa eine wahre Flüssiggasschwemme. Vor den spanischen Häfen stauen sich die LNG-Tanker, Deutschland baut massive Überkapazitäten bei LNG-Terminals auf. Experten sprechen von deutlich mehr Kapazitäten als die ausgefallenen Russland-Lieferungen ausmachen.

Gleichzeitig sind die Gasspeicher (noch) ziemlich voll und ein Teil der Wirtschaft ist durch die hohen Preise insolvent geworden (fällt also dauerhaft als Nachfrager weg). Durch all diese Entwicklungen gehen wir auf einen Angebotsüberhang zu. Das drückte und drückt die Preise im Großhandel. Vermutlich unabsichtlich, aber sehr effektiv, Doch bleibt das so?

Sinken die Gaspreise jetzt dauerhaft?

Falls ja, wäre es eine wunderbare Nachricht für Wirtschaft und Verbraucher in den kommenden Jahren. Dann sehen wir die Wirkung des üblichen Schweinezyklus`. Man baut in einer Knappheit unter dem Anreiz hoher Preise Kapazitäten auf, die sich am Ende als übertrieben erweisen. Dann fallen die Preise wieder und die Kapazitäten werden zurückgefahren, die Preise steigen wieder usw.

Es gibt jedoch eine Entwicklung, die diesen ganzen schönen Traum wieder zunichtemachen könnte. Und das liegt ausgerechnet am Gaspreisdeckel, der ja eigentlich dazu da sein soll, die Preise in Schach zu halten. Mehr dazu in meinem Beitrag morgen.