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Vier Anforderungen müssen Fonds erfüllen

Wenn Sie in einem Fonds anlegen wollen, lassen Sie dem Fondsmanager hohen Freiraum, er soll »fischen«, wo es in Zukunft die größten Chancen gibt. Bei zu engen »Fischgründen« wird das Fangergebnis ungewiss, denn Fischschwärme ändern ihre Routen, oder zu viele andere Fischer versuchen ihr Glück an derselben Stelle. Mit zu engen Fischgründen, mit der viele Fonds werben, treffen sie eine Vorauswahl, die ihnen künftig die Hände bindet, Gefahren auszuweichen oder Chancen anderswo wahrzunehmen. Lassen Sie die Finger von solchen speziellen Fonds wie etwa Thailand oder Biotechnologie. Breit gestreute Fonds partizipieren an unerwarteten Entwicklungen, für die Sie wahrscheinlich nie Spezialfonds aussuchen würden. Die neuen östlichen Beitrittsländer der EU könnten der Börsenrenner des nächsten Jahrzehnts werden, aber Sie hätten vielleicht nie Fonds aus diesem Bereich gekauft. Entwicklungsländer können alle anderen Aktienmärkte überflügeln, aber Sie haben keine im Depot. Japanische Bank-Aktien könnten sich nach 15 Jahren Talfahrt stark erholen, Sie hätten nie damit gerechnet. Kleine Unternehmen könnten den großen für längere Zeit die Schau stehlen, aber Ihr spezialisierter Fonds ist nicht darin investiert.

 

Fonds Vergleich: Vier Anforderungen müssen Fonds erfüllen

  1. In mindestens 50 Aktien repräsentativ für ein Viertel des Welt-Aktienmarktes anlegen. Ein weltweiter oder europaweiter Fonds erfüllt diese Anforderung. Die ausgewählten Aktien dürfen keine »Klumpen« bilden, also einseitig aus einem Land oder einer Branche stammen, sonst entsteht ein hohes Marktrisiko. Dazu ist es notwendig, dass Fonds:
  2. in Aktien vieler Branchen
  3. in mehreren Ländern
  4. nach einem langfristig erfolgreichen oder mehreren Investmentstilen anlegen.

 

Sinnvolle Regeln zur Risikosenkung

 

Erstens: mindestens 50 Aktien

Der Fonds ist damit vor der Pleite oder dem Kursrückgang einzelner Aktien ausreichend geschützt. Diese Anforderung erfüllen praktisch alle (Offenen) Aktieninvestmentfonds.

Sind 50 Aktien für eine breite Streuung wirklich ausreichend? Ja, falls sie breit gestreut werden und repräsentativ für zumindest ein Viertel des Welt-Aktienmarktes sind. Wenn auch ein mehr an Streuung sicher nicht schadet. Was glauben Sie: Wenn man ausschließlich Jungwähler oder Pensionisten oder Ärzte oder Hausfrauen befragt, kann man daraus eine realistische Wahlprognose erstellen? Wohl kaum. In der Marktforschung gilt, dass man bei Wahlumfragen mit 1.000 Befragten durchaus zu aussagekräftigen Werten für ein Land mit 50 Millionen Wählern kommt. Vorausgesetzt, die Auswahl muss tatsächlich die Wählerstruktur widerspiegeln, also nach geografischer und sozialer Herkunft, Alter, Bildung und Einkommen der Realität entsprechen.

50 richtig gestreute Aktien reichen aus, um repräsentativ für rund 10.000 Aktien zu sein, wenn es gut gemacht wird. Denn die 10.000 wertvollsten Aktien machen mehr als 90 Prozent des weltweiten Aktienwerts aus. Aber um die Streuung gut zu machen, müssen die Punkte »zweitens« bis »viertens« erfüllt sein.

 

Zweitens: viele Branchen

»Ein Gericht in Miami, Florida, wird ein Urteil zu einer Klage von 500.000 Rauchern gegen US-Tabakhersteller in Kürze fällen … Das Gericht könnte die Tabakunternehmen zu Schadenersatzzahlungen von über 100 Milliarden Dollar verurteilen, ein Betrag, der möglicherweise die Branche zwingt, den Bankrott zu erklären.« (USA Today, 8.Mai 2000)

Interview mit Ryan Jacobson, Internet Fonds Manager, 29 Jahre – die Wertentwicklung seines Fonds betrug 1998 plus 308 Prozent –, erklärt zur weiteren Zukunft der Internetanlage: »In einigen Jahren müssen alle Unternehmen über das Internet verkaufen, Firmen, die das nicht tun, scheiden aus der Geschäftswelt aus.« (Business Week, online, 22.3.1999)

Wo hätten Sie 2000 investiert: in Tabak oder Technologie? Sehen wir uns die tatsächliche Wertentwicklung der beiden Branchen von Mitte März 2000 bis Ende 2004 an: Tabak, bester Sektor weltweit: plus 286 Prozent; Technologie, schlechtester Sektor weltweit: minus 69 Prozent.

Der Unterschied, ob Sie 2000 denselben Betrag in Tabak oder in Technologie anlegten, hätte nach vier Jahren das 13fache ausgemacht. Ich habe Ende 1999 in mehrere Tabakunternehmen investiert. Es war natürlich riskant und hätte auch schief gehen können, obwohl ich auch europäische Tabakhersteller beimischte. War ich ein Hellseher? Nein, eine einfache Kennzahl hat zu diesem Zeitpunkt angezeigt, dass Tabak der billigste und Internet der teuerste Sektor weltweit waren. Daher war die folgende Entwicklung eher logisch als Zufall. Sie kennen diese Kennzahl bereits es ist das KGV. Mit dieser Kennzahl gelingt das einfache Erkennen von Spekulationsblasen.

Viele Aktienfonds sind Einzelbranchenfonds: besser Hände weg! Sie sind meist am Namen zu erkennen, denn sie heißen zum Beispiel Technologie-, Telekommunikations-, Internet-, Pharma,- Banken-, Rohstoff- oder Goldminenfonds. Branchenfonds werden mit ähnlichen Argumenten verkauft, entweder wegen des bisherigen hohe Anlageerfolgs oder aufgrund des künftigen starken Wachstums. Ein starker bisheriger Kursanstieg bedeutet häufig, dass die Aktien bereits zu teuer sind. Kennzahlen zeigen so etwas an, aber ist man kein Profi, ist das schwer zu beurteilen.

Das Wachstumsargument für einen Sektor sieht verführerisch aus, zum Beispiel für Internet oder Biotechnologie. Man schätzt selbst ein, ob das logisch klingt. Glaubt man es, springt man, so die Hoffnung, vielleicht auf einen anfahrenden Zug auf. Nur: Die Botschaft, dass hohes Marktwachstum automatisch zu stark steigendem Kurs führt, ist ein Märchen. Das Wachstum einer Branche ist nur einer von vielen Gründen, warum Aktienkurse steigen. Ein starkes Marktwachstum hilft wenig, wenn viele Unternehmen daran glauben, auf Teufel komm raus investieren, Fabriken bauen und die Preise verderben, um sich einen Marktanteil zu sichern.

Im 20. Jahrhundert legte das Auto einen beeindruckenden Siegeszug hin. Auf Auto-Aktien zu setzen wäre aber kein glänzender Erfolg geworden. Vor 1914 gab es in den USA über 100 Automobilproduzenten, heute nur mehr zwei, General Motors und Ford. Beide Konzerne waren 2005 angeschlagen, ihre Anleihen sind nicht mehr sicher. Kein Wunder, General Motors hat nur einen Börsenwert von zehn Milliarden Dollar aber Schulden von 300 Milliarden Dollar, das ist eine Million Dollar Schulden pro Mitarbeiter. Obendrein hat General Motors mehr Rentner, für die es Firmenpensionen zahlt, als aktive Mitarbeiter – eine Folge der Automatisierung in der Automobilproduktion.

Hat jemand nach dem Zweiten Weltkrieg darauf gesetzt, dass der Flugverkehr dramatisch steigen wird, lag er richtig. Dumm nur, dass es keine Branche mit mehr Pleiten börsennotierter Unternehmen gibt. Manche amerikanischen Fluglinien schafften das Kunststück, dreimal hintereinander Bankrott zu machen. In der europäischen Branche sieht es nicht besser aus, denken Sie nur an die belgische Sabena oder die Schweizer Swissair. Sabena schloss nur eines von 30 Jahren mit Gewinn ab – ein erstaunliches Kunststück, überhaupt so lange zu überleben. Oder Alitalia, das 2004 knapp an einer Pleite vorbeiflog. Hohes Wachstum sprach für die Flugbranche für einige Jahrzehnte, aber ruinöse Preiskämpfe und starke Pilotengewerkschaften sorgten dafür, dass für die Aktionäre wenig übrig blieb. Den Flugzeugherstellern ging es nicht viel besser. Heute gibt es nur mehr zwei Unternehmen, die große Passagierflugzeuge bauen: Boeing und die EADS-Tochter Airbus, und bei kleineren Flugzeugbauern sind Pleiten häufig, etwa bei Dornier oder Fokker.

Selbst große Branchen wie Gesundheit /Pharma und Finanzen haben nur einen Anteil am weltweiten Aktienwert von zehn bis 15 Prozent und sind damit zu klein für eine breite Streuung. In einzelnen Branchen kann es zu massiven Wertschwankungen der Aktien kommen, und man kann sich nur mit der Streuung auf mehrere Branchen davor schützen. Glücklicherweise sind Schwankungen in einem breit gestreuten Portfolio viel berechenbarer. Dazu später mehr.

 

Drittens: mehrere Länder

9.11.1989, Fall der Berliner Mauer, der eiserne Vorhang wurde endgültig zerschlagen. Schon vorher wurden die Stacheldrähte an der österreichisch-ungarischen Grenze durchschnitten. Der österreichische Aktienindex stieg von Februar 1989 innerhalb von zwölf Monaten um 145 Prozent! Es herrschte Ost-Phantasie: Insbesondere österreichische Bauunternehmen müssten doch vom Aufbau der darniederliegenden Infrastruktur in den östlichen Staaten profitieren. Sind Sie im Februar 1990 tatsächlich in Österreich eingestiegen, hätten Sie Pech gehabt. Übrigens hätte das Frühwarnsignal, das noch vorgestellt wird, Österreich zu diesem Zeitpunkt als den teuersten europäischen Aktienmarkt angezeigt.

Die folgenden zehn Jahre, als es in den USA und den meisten europäischen Aktienmärkten atemberaubend bergauf ging, ging es in Österreich nur bergab. Die langsame wirtschaftliche Erholung der osteuropäischen Länder hatte die Börse gelangweilt, neue Hoffnungsmärkte fanden sich anderswo. Im März 2000 war der Aktienindex in Österreich um 30 Prozent niedriger als zehn Jahre zuvor, Österreich war gemessen an jener Kennzahl das billigste Land Westeuropas. Jetzt ging es nach unten mit den Aktienkursen in der Welt, aber in Österreich ging es wieder nach oben, die EU-Osterweiterung stand bevor. Fünf Jahre später hatte der Index um 139 Prozent zugelegt, im selben Zeitraum hatten sich die deutschen Aktien halbiert. Haben Sie jetzt den Durchblick wann Sie wo investieren sollten?

Sehen wir uns einige weitere Beispiele für außergewöhnliche reale Zwölf-Monats-Gewinne an, also nach Abzug der Inflation:3 Was geschah 1986 auf den Philippinen, bei Aktienkurssteigerungen von 683 Prozent? Kardinal Sin, das kirchliche Oberhaupt von Manila, beantwortet diese Frage am besten:

»Die Panzer wollten sich einen Weg durch die Menge bahnen. Und die Menschen beteten und hoben ihre Rosenkränze hoch. Dann erschien ihnen eine wunderschöne Frau. Ich weiß nicht, ob sie vom Himmel kam oder ob sie am Boden stand. Sie war so schön, und ihre Augen glitzerten. Sie sprach zu den Soldaten: »Liebe Soldaten, halt! Bleibt stehen! Schadet meinen Kindern nicht!« Und als die Soldaten das hörten, legten sie alles nieder. Sie stiegen aus den Panzern und schlossen sich den Menschen an. Das war das Ende der Anhänger von Marcos.«

Kein Zweifel: Wem solche Rosen gestreut werden, der hat als Kandidatin für die folgenden Präsidentschaftswahlen einen guten Einstand. Im Februar 1986 fand die 20-jährige Marco-Diktatur ihr Ende, Corazon Aquino, die neue Präsidentin, wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt. Die Menschen der Philippinen setzten große Hoffnung auf die beginnende Demokratie. Und Hoffnung und Optimismus waren und sind der beste Treibstoff für Aktienkurse.

Wo hingegen Hoffnung zerstört wird, dort rasseln Aktien hinunter – etwa in Russland, das 1997 die Zahlung der Inlandsschulden aussetzte. Deutschland war 2003 besonders betroffen, gerüchteweise waren einige Banken und Versicherungen finanziell angeschlagen, es gab außenpolitische Spannungen mit den USA und Großbritannien wegen des bevorstehenden Irak Krieges. Die amerikanische Handelskammer in Brüssel empfahl US-Unternehmen erst gar nicht mehr, in Deutschland zu investieren. Die weltweit angelsächsisch dominierte Investmentfondsbranche wurde ermuntert, Geld aus Deutschland abzuziehen. Eine Kursspirale nach unten setzte sich in Gang.

Außer amerikanischen Aktien erfüllt kein Land die Anforderung, zumindest ein Viertel der weltweiten Aktienwerte auszumachen. Trotzdem, auch ein reiner USA Fonds ist nicht empfehlenswert, sowohl wegen des politischen und volkswirtschaftlichen als auch wegen des Währungsrisikos für einen Europäer. Der US-Dollar ist gegenüber der DM von 1985 bis 1987 um mehr als 50 Prozent gefallen und von 2000 bis 2003 gegenüber dem Euro beinahe ebenso stark. Die 25-Prozent-Anforderung am Welt-Aktienmarkt wird von einem Europa-Fonds gerade noch erfüllt, und bei dem besteht kein oder nur ein geringes Währungsrisiko.

Wer also einseitig mit einem Fonds auf nur ein Land oder kleine Länder setzt, muss im Extremfall mit höheren kurzfristigen Verlusten rechnen als bei breiter Streuung. Bisherige maximale Verluste bei ausreichender Streuung werden in den folgenden Kapiteln vorgestellt.

 

Viertens: bewährter Anlagestil

Auf viele Arten werden Fische gefangen. Zuerst fällt einem die Angel ein oder ein Netz. Aber es gibt viel mehr Möglichkeiten. Im Amazonas-Gebiet bin ich mit Einheimischen nachts mit einer Taschenlampe auf dem Strohhut und einem Speer fischen gegangen. Die Taschenlampe leuchtet auf eine Stelle vor dem Kanu; erscheint ein Fisch, wird der Dreizack geschleudert. Es funktioniert. Auf Borneo werfen Eingeborene zerstampfe giftige Blätter in einen Bach und sammeln weiter abwärts die betäubten Fische ein. Noch weniger elegant, aber effektiv fischt man mit Dynamit. In China wird mit abgerichteten Kormoranen gefischt. Der Kormoran trägt einen Ring um seinen Hals, er kann nur kleine Fische schlucken, die großen liefert er seinem Besitzer ab. An manchen Meeresküsten werden Amphoren an einem Seil versenkt; quartieren sich Tintenfische oder Krebse ein, werden sie hochgezogen. In der Südsee werden Inselbuchten bei Flut mit Zäunen abgesperrt. Bei Ebbe zappeln die Fische hilflos auf dem Trockenen. Die Lehre daraus? Viele Wege führen zum Erfolg!

 

Fonds Vergleich: Verschiedene Anlagestile

Wie »fischt« ein Fondsmanager die besten Aktien? Es ist wie die Suche nach dem Stein der Weisen. Werfen wir einen Blick in die »Alchemistenküche« der Fondsmanager. Um zu erklären, warum ein Fonds besonders gut ist, fehlen den Verantwortlichen selten Argumente: sei es, weil ein revolutionäres Computerprogramm bei der Aussuche hilft, weil die Firmen wesentlich häufiger und besser analysiert werden und so weiter. Die gute Nachricht: Die Unterschiede im Ertrag sind langfristig meist kleiner als behauptet. Klug ist es, nicht einseitig auf einen Stil zu setzen, falls Sie in mehrere Fonds investieren. Fast alle Fonds folgen einem Fundamentalstil, sie orientieren sich bei Ländern am Wirtschaftswachstum und an der politischen Stabilität und bei Unternehmen an Gewinn, Umsatz, Schulden und Wachstum. Häufig genannte Spielarten des Fundamentalstils sind »Growth«, also Wachstum, und »Value«, also Werthaltigkeit.

 

»Growth-Stil«, wörtlich: Wachstum

Ein Grundstück mit jungen Apfelbäumen wird Ihnen zum Kauf angeboten. Sie rechnen, ob sich ein Kauf lohnt. Sie schätze,n wie viele Äpfel Sie pro Jahr ernten werden, dieses Jahr und sobald die Äpfelbäume größer sind, und was Ihnen nach Verkauf der Ernten und Spesen übrig bleibt. Kommt heraus, dass Sie nach wenigen Jahren den Kaufpreis eingefahren haben, können Sie zugreifen. Sie haben gerade den Ertragswert berechnet, ein Growth-Manager nutzt dasselbe Hilfsmittel.

Ein Growth-Fondsmanager sucht Unternehmen mit hohen Wachstumschancen, denn langfristig steigen Aktien wegen wachsender Unternehmensgewinne. Bei Vergleichen zwischen Unternehmen hilft der Ertragswert. Er ist die Summe der künftigen Unternehmensgewinne und entspricht dem Ertrag aus den jährlichen Apfelernten im obigen Beispiel. Ist auch logisch, so kann man Aktien untereinander oder mit Immobilien und Anleihen vergleichen. Der Ertragswert einer Immobilie ist die Summe der künftigen Mieteinnahmen und bei einer Anleihe die Summe der künftigen Zinsen plus Rückzahlung. Ist der Ertragswert einer Aktie höher als der aktuelle Aktienkurs, liegt ein Schnäppchen vor. Die Methode hat nur einen Haken: Niemand kennt die künftigen Gewinne genau, so wenig wie künftige Apfelernten. Man muss Prognosen vertrauen, das ist der Haken an der Methode.

 

»Value-Stil«, wörtlich: Wert.

Den Wert eines Grundstücks mit Apfelbäumen kann man auch anders bestimmen, nämlich nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Sie zählen zusammen, was die Äpfel einbringen, die am Baum hängen, das Holz, falls Sie die Bäume fällen, und der Verkauf des leeren Grundstücks. Das ist der »Buchwert« des Grundstücks. Ziehen Sie davon Kaufpreis und Kosten ab. Bleibt ein Gewinn, machen Sie ein gutes Geschäft. Sie sind unabhängig von künftigen Wetteränderungen und Grundstückspreisen. Keine Sorge, die Bäume werden nicht umgehackt, aber die Kalkulation beruhigt, man weiß ja nie, wie künftige Apfelernten ausfallen werden. Der Value-Fondsmanager traut dem Heute mehr als der Zukunft. Er prüft die Bilanz eines Unternehmens, also den Wert der Grundstücke, Gebäude, des Lagerbestands, der Maschinen, Vorräte, ausstehenden Zahlungen von Kunden, Markenrechten und Beteiligungen, und zieht davon die Schulden ab. Ziel ist es zu errechnen, was an »Substanz« oder Buchwert vorhanden ist. Ist der Aktienkurs niedriger als der ermittelte Buchwert, liegt ein Schnäppchen vor.

Ob sich ein Fonds am Growth- oder am Value-Stil orientiert, kann man häufig am Fondsnamen erkennen, beispielsweise Fidelity European Growth Funds oder Nordea European Value Funds. Meist erleichtert auch ein kurzes Fondsporträt die Zuordnung. Manche Fonds rechnen sich keinem Stil klar zu. Das geht in Ordnung, denn häufig ist es so, dass der Growth-Stil in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs bessere Ergebnisse bringt und der Value-Stil in wirtschaftlich schwächeren Zeiten. Ebenfalls am Namen oder an einer kurzen Beschreibung erkennt man, ob ein Fonds eher in große oder in kleine Unternehmen investiert.

 

»Blue chips« beziehungsweise »large caps«, wörtlich: hoher Börsenwert

Der Fonds investiert nur in sehr bekannte und große Unternehmen. Etwa ein Drittel des weltweiten Börsenwerts stellen Unternehmen dar, die es 30 Jahre vorher nicht gab. In junge dynamische Unternehmen in einem Frühstadium investieren solche Fonds nicht.

 

»Small caps«, wörtlich: kleiner Börsenwert

Der Fonds setzt auf kleine Unternehmen. Schneidet Goliath oder David besser ab? Mal ist einige Jahre die eine, dann die andere Gruppe erfolgreicher. Vergleichsstudien zeigen langfristig eher einen kleinen Renditevorsprung für Small Caps, die rund 20 Prozent des weltweiten Börsenwerts ausmachen.

Egal ob Value, Growth, Large Cap oder Small Cap, manche Fonds orientieren sich entweder stärker an volkswirtschaftlichen Daten oder ausschließlich an Unternehmensdaten bei der Aktienauswahl.

 

Der Top-down-Ansatz, wörtlich: von oben nach unten

Bei diesem volkswirtschaftlichen Ansatz wird die Gesamtlage der Wirtschaft geprüft, wenig aussichtsreiche Branchen und Länder kommen quasi ins Kröpfchen und die guten ins Töpfchen. Welches Land hat ein hohes Wirtschaftswachstum, ein stabiles Regierungssystem, eine starke Währung? Erst im zweiten Schritt wird in den ausgesuchten Ländern und Branchen nach Aktien gesucht.

 

Der Bottom-up-Ansatz, wörtlich: von unten nach oben

Der Fondsmanager macht keine Vorausscheidung von Ländern oder Branchen. Er sucht überall nach »Unternehmensperlen«.

 

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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