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Mega-Umbau bei Renault: Was jetzt wichtig ist!

Inhaltsverzeichnis

Das Ende des Verbrennungsmotors ist längst nicht so nahe wie viele Menschen glauben. Diese Ansicht vertritt zumindest der französische Autokonzern Renault.

Tatsächlich wollen die Franzosen im Rahmen einer weitreichenden Umstrukturierung dem Verbrenner Tribut zollen. Das kündigte das Unternehmen vor wenigen Tagen an. Dabei wird auch ein chinesischer Wettbewerber eine Rolle spielen.

„Horse“: Renault und Geely planen Verbrenner-Kooperation

Konkret will Renault zusammen mit Geely unter dem Namen „Horse“ ein Joint-Venture gründen. Die Gemeinschaftsfirma soll hochmoderne Systeme und Komponente für Verbrennungs- und Hybridantriebsstränge entwickeln, produzieren und verkaufen. Renault-Boss Luca de Meo betonte, dass das Joint-Venture von Tag eins an einen Umsatz von jährlich mehr als 15 Milliarden Euro erzielen werde. „Horse“ werde zu Beginn 17 Werke betreiben und Kunden in 130 Ländern beliefern.

Luca de Meo jedenfalls rechnet damit, dass der Verbrenner weiterhin relevant bleiben wird, vor allem in Märkten außerhalb Europas – zum Beispiel in Lateinamerika, Indien und Nordafrika. Demnach soll der Absatz von Benzinern und Hybriden in den restlichen 20er Jahren gar um 2 Prozent pro Jahr zunehmen.

Durch die Kooperation mit dem chinesischen Autokonzern Geely dürfte sich Renault auch einen besseren Zugang zu Chinas Verbrennermarkt erhoffen. Die Gemeinschaftsfirma mit ihren 19.000 Mitarbeitern soll im nächsten Jahr an den Start gehen.

Renault will Elektrosparte „Ampere“ aufs Börsenparkett hieven

Das aber ist noch längst nicht alles: Luca de Meo hatte Mitte 2020 das Ruder bei Renault übernommen und mit Blick auf die strauchelnde Bilanz schon damals eine umfassende Umstrukturierung angekündigt. Diese beinhaltet neben dem Festhalten an der Verbrennertechnologie freilich auch die Elektromobilität.

Nun kündigte der Konzernchef eine Abspaltung des Elektrogeschäfts an – unter dem Namen „Ampere“. Die Firma soll bis 2031 eine Million E-Autos produzieren und auch in der wichtigen Softwareentwicklung tätig sein. Hierfür will man Spezialisten wie den US-Chipgiganten Qualcomm und den Software-Konzern Alphabet an Bord holen. Der Clou: Renault will zwar eine Mehrheit an „Ampere“ halten, die Firma aber noch im nächsten Jahr separat an die französische Börse bringen.

Dadurch will man zum einen frische Geldmittel einstreichen sowie zum anderen das zukunftsträchtige Elektrogeschäft am Kapitalmarkt präsenter machen und von der Verbrenner-Sparte optisch sowie operativ abtrennen.

Umstrukturierung: Luca de Meo forciert höhere Gewinnmarge

Doch Renault plant noch weitere Einheiten mit eigener Steuerung und eigener Bilanz: Insgesamt will sich der Konzern in fünf separate Strukturen gliedern:

  1. Renault Classic (Verbrennerautos von Renault und Dacia)
  2. Horse (Antriebstechnologien für Verbrenner)
  3. Ampere (Elektroautos und Software)
  4. Mobilize (Bank- und Servicedienstleistungen)
  5. Re-Factory (Recycling von Roh- und Werkstoffen)

Luca de Meo will den Konzern damit zusammen mit Partnern schlagkräftiger, effizienter und profitabler machen. Bis 2030 peilt der Manager eine Gewinnmarge von mehr als 10 Prozent an. Zum Vergleich: Für 2022 prognostiziert Renault eine 5-prozentige Marge.

Fragezeichen rund um Nissan-Mitsubishi

Änderungen könnte es übrigens auch bei der Allianz mit Nissan und Mitsubishi geben. Die drei Unternehmen kooperieren seit Jahren in der Entwicklung von Autos, Motoren und Komponenten. Derzeit hält der japanische Autobauer Nissan 15 Prozent der Renault-Anteile. Die Franzosen wiederum halten 43 Prozent an Nissan.

Laut Medienberichten könnte Renault künftig Nissan-Anteile verkaufen. Damit könnten sich die Franzosen weiteres frisches Geld für den Umbau ins Haus holen. Das Problem: Renault hat hierzu bislang kaum stichhaltige Informationen veröffentlicht. Die Anleger sitzen deshalb auf glühenden Kohlen.

Mein Fazit für Sie

Dass sich Renault eine modernere Struktur auferlegt, ist prinzipiell positiv zu bewerten. Und auch das Festhalten am Verbrenner macht mit Blick auf einige außereuropäische Märkte betriebswirtschaftlich Sinn.

Der wohl kommende Börsengang der Elektrosparte ist ebenfalls ein interessanter Schachzug. Ob sich dieser auszahlen wird, lässt sich aus derzeitiger Sicht allerdings kaum vorhersagen. Renault muss hier ordentlich auf die Tube drücken und neue innovative Elektromodelle  sowie interessante Software-Features präsentieren, um angesichts der starken Konkurrenz nicht unter die Räder zu geraten.

Immerhin: Renault kündigte inzwischen an, dass man die Partnerschaft mit der Google-Holding Alphabet intensivieren werde. Demnach wollen die Konzerne unter anderem sogenannte „digitale Zwillinge“ für Autos entwickeln. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Kopie von Fahrzeugen, anhand derer man neue Software-Features entwickeln und die Integration in „echte“ Autos vorbereiten kann. Zudem will Renault auf die Cloud-Systeme von Google zurückgreifen und dessen Betriebssystem Android noch stärker in den eigenen Autos nutzen. Das Ziel ist ein softwaredefiniertes Fahrzeug.

Die grundlegende Richtung stimmt also.