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Ölkonzerne machen Kasse: Rekordgewinne zu Lasten der Verbraucher?

Inhaltsverzeichnis

Die Welt ächzt unter der höchsten Inflation seit vier Jahrzehnten. Privathaushalte, Industrieunternehmen und sämtliche Verbraucher leiden unter steigenden Preisen. Angetrieben wird die Inflationsdynamik bereits seit Monaten vor allem von höheren Energiekosten.

Krisengewinner Ölkonzerne

Energieträger wie Öl und Gas werden immer teurer, die Preise am Weltmarkt steigen um ein Vielfaches schneller als die allgemeine Inflation. Binnen Jahresfrist haben sich die Energiepreise hierzulande zum Teil mehr als verdoppelt. Zusätzlich befeuert wird die Entwicklung durch den Krieg in der Ukraine seit dem russischen Angriff Ende Februar.

Doch es gibt auch in dieser Krise Gewinner. Die großen Ölkonzerne haben im Zeitraum von April bis Ende Juni Rekordergebnisse eingefahren und ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal vervielfacht – sehr zur Freude der Anleger, die über höhere Zwischendividenden und neue milliardenschwere Aktienrückkaufprogramme profitieren.

Quartalszahlen im Überblick

Chevron meldete für das zweite Kalenderquartal einen Rekordgewinn in Höhe von 11,6 Milliarden US-Dollar nach 3,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie fiel mit 5,82 Dollar höher aus als erwartet. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Anstieg auf 5,08 Dollar je Aktie gerechnet – nach gerade einmal 1,71 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal.

Beim Umsatz verzeichnete Chevron eine Steigerung um rund 83 Prozent von 37,6 Milliarden Dollar im Vorjahr auf nun knapp 69 Milliarden Dollar. Experten hatten im Schnitt mit deutlich weniger gerechnet, die Schätzungen beliefen sich vorab auf knapp 59 Milliarden Dollar.

Rekordgewinn für ExxonMobil

Ähnlich gut lief es beim Konkurrenten ExxonMobil. Der US-Konzern verbuchte einen Umsatz von fast 116 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Steigerung um 70 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum. Beim Nettogewinn gab es ebenfalls einen Rekord mit 17,9 Milliarden Dollar nach knapp 4,7 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum 2021.

Europäische Ölkonzerne verbuchten ebenfalls satte Milliardengewinne. So konnte der britische Energieriese BP seinen Nettogewinn auf 8,45 Milliarden US-Dollar verdreifachen. Analysten waren im Schnitt lediglich von einer Steigerung auf 6,8 Milliarden Dollar ausgegangen. BP verbucht damit das beste Quartalsergebnis seit 14 Jahren und bestätigte seine Investitionsprognose. Anleger profitieren von einem neuen Aktienrückkaufprogramm mit einem Umfang von 3,5 Milliarden Dollar. Bereits zuvor waren auf diese Weise gut 4 Milliarden Dollar an die Investoren zurückgeflossen.

Milliardenschwere Aktienrückkäufe angekündigt

Der ebenfalls in Großbritannien ansässige Mineralölkonzern Shell verbuchte ebenfalls einen Rekordgewinn. Unterm Strich stand ein Plus von 18 Milliarden US-Dollar – das Fünffache des Vorjahreswertes. Auch Shell kündigte daraufhin ein neues Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 6 Milliarden Dollar an, nachdem zuvor bereits Aktienrückkäufe mit einem Volumen von 8,5 Milliarden Dollar realisiert worden waren.

Der französische Konzern TotalEnergies steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um rund 69 Prozent auf knapp 70,5 Milliarden US-Dollar und konnte damit die Konsensschätzungen deutlich übertreffen. Analysten waren im Schnitt von einem Umsatz in Höhe von 63,4 Milliarden Dollar ausgegangen nach 41,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Den Gewinn je Aktie konnte TotalEnergies verdreifachen von 1,27 auf 3,75 Dollar. Analysten hatten lediglich eine Steigerung auf 3,71 Dollar je Aktie erwartet.

Diskussion über Extra-Steuer für Ölkonzerne

Die Ölkonzerne stehen öffentlich seit einiger Zeit massiv in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, vom Krieg in der Ukraine wirtschaftlich zu profitieren und auf Kosten der Gesellschaft Kasse zu machen. Angesichts der vorgelegten Zahlen scheinen derzeit tatsächlich erhebliche Beträge von den Verbrauchern zu den Investoren zu fließen.

In zahlreichen Ländern wird deswegen aktuell eine politische Debatte über eine zusätzliche Steuer für die Mineralölkonzerne geführt. Auch in Deutschland ist eine Übergewinnsteuer im Gespräch, die allerdings unter anderem bei der FPD – die das Finanzministerium stellt – auf wenig Gegenliebe stößt. Eine Umsetzung ist somit fraglich.

Anleger greifen zu – Öl-Aktien seit Jahresbeginn kräftig gestiegen

Bei Anlegern dagegen stehen die Energiekonzerne erwartungsgemäß in diesem Jahr hoch im Kurs. Während die Aktienmärkte weltweit seit Monaten unter Druck geraten, verbuchen die Ölmultis ein deutliches Kursplus im bisherigen Jahresverlauf.

So notiert die Shell Aktie seit Jahresbeginn rund 17 Prozent fester (Stand: 19. August), in vergleichbarem Umfang legten Anteilsscheine von TotalEnergies zu. Die BP Aktie stieg im gleichen Zeitraum um gut 30 Prozent. Deutlich steiler aufwärts ging es für die Energieriesen in den USA. So verteuerte sich die Chevron Aktie seit Jahresbeginn um 50 Prozent, ExxonMobil legte um satte 70 Prozent zu.