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Ölpreis: Zum Glück gibt’s Rezession

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​​​​​​​Die Rezession ist da – wer was anderes behauptet hat Scheuklappen auf. So ein Mist. Oder vielleicht doch nicht? Angesichts der Tatsache, dass die Notenbanken mit ihrer Politik die globale Rezession befeuern, muss man sich die Frage stellen, ob der Wirtschaftsabschwung auch für etwas gut ist. Ja! Um die Nachfrage nach Erdöl zu dämpfen.

Die Rezession dämpft den Ölpreis

Quelle: stockcharts.com

Da geht er hin, der Ölpreis. Selbst die OPEC konnte den Ölpreis mit ihrer Ankündigung, dass die Förderquote um bis zu 2 Mio. Barrel pro Tag gesenkt wird, nur kurz zum Hüpfen bringen Anfang Oktober. Inzwischen geht es wieder abwärts.

Saudi-Arabien kann nicht liefern

Saudi-Arabien, der größte Rohölexporteur der Welt, verfügt nicht über genügend Produktionskapazität, um die Ölproduktion anzukurbeln. Wer dahinter eine üble Finte des bösen Kronprinzen Mohammed bin Salman vermutet, könnte gehörig daneben liegen. Obwohl man dem Prinzen auch ein Grinsen unterstellen kann.

Besagter Prinz jedenfalls hatte schon im Vorfeld diversen Staats- und Regierungschefs erklärt, dass zusätzliche Kapazitäten zur Steigerung der Produktion auf 13 Millionen Barrel pro Tag (bpd) bis 2027 eine Herausforderung sein werden.

Derzeit produziert Saudi-Arabien etwa 10,5 Millionen Barrel pro Tag und hat eine Produktionskapazitätsobergrenze von 12 Millionen Barrel pro Tag. Das bedeutet, dass die potenzielle Produktionssteigerung nur 1,5 Millionen Barrel pro Tag beträgt. Mit der Option auf eine weitere Million auf besagte 13 Millionen Barrel pro Tag in fünf Jahren. Offiziell!

In Wahrheit dürfte Saudi-Arabien Probleme haben seine Produktion nur um eine halbe Million auf 11 Millionen Barrel pro Tag auszuweiten

Technische Schwierigkeiten?

Saudi-Arabiens Ölindustrie hat es gegenwärtig mit einer Reihe an Herausforderungen zu tun: Wartungsarbeiten, sinkende Produktion auf einigen Ölfeldern und technische Probleme mit den Druckniveaus. Offenbar hatte der staatliche Ölkonzern Aramco die Bohrungen in den frühen Tagen der Corona-Pandemie wegen der sinkenden globalen Nachfrage reduziert. Hernach könnte eine schnelle Steigerung der Produktion durch das Einbringen von Flüssigkeiten in Bohrlöcher längerfristige Schäden verursacht haben.

All diese Probleme sind aber lösbar – und zwar auf Sicht von Monaten. Warum also steht dann die Anhebung der Förderkapazität auf 13 Millionen Barrel pro Tag bis 2027 auf dem Spiel? Handelt es sich also nicht nur um kurzfristige Probleme?

Oder ist in Saudi-Arabien langsam die Erdöl-Luft raus?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Probleme des größten Erdölexporteurs und des Landes mit den zweitgrößten Ölreserven der Welt nicht kurzfristig lösbar sind, dann müssen wir von längerfristigen Problemen ausgehen.

Mittelfristige Probleme könnten fehlende Investitionen in den Ausbau der Förderung sein. Diese Probleme würden sich aber mit steigenden Erdölpreisen mittelfristig lösen lassen. Sollten steigende Ölpreise das Ziel Saudi-Arabiens gewesen sein, so wäre der Schuss aber nach hinten los gegangen.

Es gibt aber noch eine andere Erklärung: Ein langfristiges Problem, mit dem jeder früher oder später zu kämpfen hat, der fossile Rohstoffe fördert. Die Überschreitung des Fördermaximums.

Saudi-Arabiens Ghawar ist das größte Ölfeld der Welt.  Leider wird auf dem Feld weit weniger Öl gefördert als vom Markt angenommen. Jahrelang war die gängige Meinung, dass das Feld etwa 5 Millionen Barrel pro Tag produzieren könnte, aber tatsächlich produziert das Feld nur 3,8 Millionen Barrel pro Tag, was laut Aramco wie 2019 bekannt gegeben, die maximale Kapazität von Ghawar ist.

Saudi-Arabiens Produktionsstätten werden älter, das heißt die Produktion wird aufwändiger, komplizierter, teurer. Es muss schließlich einen Grund dafür geben, dass sich Aramco zunehmend teureren Offshore-Reservoiren zuwendet.

Fazit: Rezession ist das beste was einer rückläufigen Ölproduktion passieren kann

Freie Kapazitäten in der OPEC sind offenbar kaum vorhanden, die Öllagerbestände in den OECD-Staaten schon länger nicht gut gefüllt und Russland wird vom Markt abgeschnitten. Wie gut, dass jetzt die Rezession kommt.

Während der Corona-Pandemie sank die globale Nachfrage zwar in 2020 um über 9 % gegenüber 2019, wuchs aber in 2021 schon wieder um 6 % an.

Es wird Zeit, dass sich die Welt nach Alternativen umsieht. Angesichts drohender Stromkrisen, ist es allerdings utopisch anzunehmen, wir könnten den globalen Ölverbrauch allein durch den Bau von Elektroautomobilen auf Null senken. Synthetische Kraftstoffe, gekoppelt mit neuen Technologien, wobei der Energiebedarf bei der Produktion rein aus gebündelten Sonnenstrahlen gestillt wird, lassen in Zukunftsvisionen Hoffnung erkennen.

Die Ölpreise selbst dürften vorerst unter Druck stehen, so lange die Rezessionssorgen an den Märkten zuoberst stehen. Doch die Probleme auf der Angebotsseite werden die Preise spätestens im kommenden Jahr wieder antreiben.