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Unfassbarer Gewinnrausch bei Big Oil: Die Aktionäre freut‘s!

Inhaltsverzeichnis

Es ist ein Zitat, das wohl in die Geschichte eingehen wird: Anfang Juni hatte US-Präsident Joe Biden bei einer Pressekonferenz moniert, dass so mancher Ölkonzern in seinem Land aktuell „mehr Geld als Gott“ verdiene. Der Politiker lieferte damit einen Vorgeschmack auf die Q2-Zahlen von Big Oil und auf einen Geldregen, der sich gewaschen hat.

Big Oil: 60 Milliarden Dollar Gewinn in Q2

Nun haben die größten westlichen Ölkonzerne ihre Quartalspräsentationen hinter sich gebracht. Und Bidens etwas verwunderliche Worte klingen heute wie eine wahrgewordene Prophezeiung. Schauen Sie:  Insgesamt haben die fünf großen westlichen Player ExxonMobil, Chevron, Shell, BP und Total in Q2 mehr als 60 Milliarden Dollar an Gewinn eingefahren.

Dieser verteilte sich wie folgt:

  • Shell: 18,0 Mrd. Dollar
  • ExxonMobil: 17.9 Mrd. Dollar
  • Chevron: 11,6 Mrd. Dollar
  • BP: 9,3 Mrd. Dollar
  • Total: 5,7 Mrd. Dollar

Besonders krass: Alle fünf Öl-Player konnten ihren Überschuss im zweiten Quartal im dreistelligen Prozentbereich steigern. Den größten Gewinnzuwachs gab es indes bei Shell – mit sagenhaften +429 Prozent.

Raffineriemargen schossen durch die Decke

Profitiert haben die Konzerne natürlich in erster Linie von den hohen Öl- und Gaspreisen in Q2. Aber auch im Raffineriegeschäft legte Big Oil kräftig zu. In den Raffinerien wird Rohöl zu Heizöl oder Benzin weiterverarbeitet.

Die Margen stiegen hier schier astronomisch an. BP zum Beispiel hat nach eigenen Angaben mit seinen Raffinerien pro Ölfass in Q2 einen Gewinn von 46 Dollar erzielt. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal waren es nur 14 Dollar gewesen.

Aktionäre sollen fürstlich belohnt werden

Sollten Sie in Big Oil investiert sein, dürfen Sie sich jedenfalls freuen: Denn: Die westlichen Ölgiganten wollen nach den sprudelnden Quartalsgewinnen ihre Anleger beglücken.

So planen die fünf genannten Konzerne Dividenden und Aktienrückkäufe in Höhe von 30 Milliarden Dollar. Allein BP hatte kürzlich angekündigt, die Dividende um 10 Prozent zu steigern.

Ölpreis: die Gefahr einer überlasteten Angebotsseite

Das ist freilich nicht ganz unproblematisch – aus zweierlei Gründen, die zunächst ambivalent wirken. Erstens: Big Oil scheut sich derzeit, seine Gewinne großangelegt in neue Öl- und Gasprojekte zu investieren. Auch der Druck der Investoren, die mehr Nachhaltigkeit fordern, ist dafür verantwortlich. Hinzu kommt die Angst vor einer Rezession, die die Nachfrage nach den fossilen Brennstoffen belasten würde.

Sollte die Wirtschaft allerdings stabil bleiben, könnte die Zurückhaltung bei neuen Öl- und Gasprojekten zu einer Überlastung der Angebotsseite führen, was die Preise befeuern würde. Für die Verbraucher und viele Unternehmen wäre das ein weiteres Desaster – für Big Oil freilich eher weniger.

Macht Big Oil zu wenig fürs Klima?

Zweitens: Kritiker monieren, dass die Ölkonzerne ihre hohen Gewinne nicht ausreichend in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investieren. So geht beispielsweise aus den Zahlen von ExxonMobil hervor, dass der Konzern in den nächsten Jahren einen vergleichsweise geringen Anteil seiner Investitionen in grüne Technologien und CO2-Speicherung stecken will.

Dass man das Geld lieber den Aktionären zukommen lässt, statt das Klima zu schützen, sorgt bei Organisationen wie Greenpeace freilich für Fassungslosigkeit.

Mein Fazit für Sie

Big Oil ist im Gewinnrausch und die Aktionäre dürfen jubeln. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Branche im dritten Quartal schlagen wird. Der Ölpreis jedenfalls gab in den letzten Wochen bereits deutlich nach. Hatte das Barrel der US-Sorte WTI Mitte Juni noch 121 Dollar gekostet, waren es am 5. August nur noch 89 Dollar (Stand: 05.08.2022, 10:00 Uhr).

Vor allem die oben erwähnte Angst vor einer Rezession setzt den Ölpreis derzeit unter Druck. Flankiert wird das Ganze von negativen Konjunktursignalen aus den USA und China. Gut möglich also, dass die Gewinnsträhne von Big Oil in Q3 deutlich ausgebremst wird. Wollen Sie jetzt neu in die Öl-Aktien investieren, sollten Sie dieses Risiko unbedingt auf dem Schirm haben.