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Strafe als Chance: Wie VW die US-Verkehrswende prägt!

Inhaltsverzeichnis

Können Sie sich das vorstellen? Eine Firmengründung als Strafe? Was auf den ersten Blick kurios erscheint, ist in den USA offenbar gar nicht so abwegig. Im Mittelpunkt: Volkswagen und der Diesel-Skandal. Nachdem die Machenschaften rund um illegale Abschalteinrichtungen in der Motorsteuerung von Diesel-Autos aufgedeckt wurden, musste VW in den USA hohe Strafzahlungen leisten.

Electrify America: VWs ambitionierte Straf-Tochter

Was viele nicht wissen: Die US-Behörden verdonnerten die Wolfsburger nicht nur zu milliardenschweren Strafzahlungen, sondern verpflichteten den Konzern auch, bei der Verkehrswende in den USA mitzuwirken. Genauer gesagt beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos. Und so musste VW zusagen, dass man innerhalb von zehn Jahren zwei Milliarden Dollar in das frisch gegründete Start-up Electrify America investieren werde.

Die Firma jedenfalls hat ambitionierte Ziele: Electrify America soll zum größten US-Anbieter von Ladestationen werden – noch vor Tesla. In Städten wie Boston, Chicago, Denver, Huston, Los Angeles, New York City, Miami, Sacramento, Portland, Philadelphia, Seattle, San Francisco und Washington DC will die VW-Tochter insgesamt Tausende Ladepunkte installieren. Und auch im ländlichen Bereich soll Electrify America ein dichtes Netz an Stromtankstellen aufbauen.

Siemens schließt sich an

Tatsächlich kann die Firma auf eine breite Unterstützung bauen. So hat Electrify America bereits Vereinbarungen mit Autobauern wie BMW, Mercedes, Hyundai, Geely, Volvo und nicht zuletzt Ford geschlossen. Und auch der Tech-Konzern Amazon spielt bei der Wachstumsstory mit, indem er etwa Technologien für das Laden zu Hause liefert.

Jetzt bekommt die VW-Tochter weitere Rückendeckung – und zwar aus Deutschland. Wie der Autobauer kürzlich mitteilte, beteilige sich der Dax-Konzern Siemens an Electrify America. Demnach wird Volkswagen zusammen mit Siemens 450 Millionen Dollar in die Wachstumspläne der Lade-Firma investieren. Wie viel Geld dabei auf Siemens entfällt, gab VW allerdings nicht preis.

Siemens dürfte technisches Know-how einbringen

Nur so viel: Durch die finanzielle Beteiligung erhöht sich die Post-Money-Bewertung von Electrify America auf 2,45 Milliarden Dollar. Die Post-Money-Bewertung ist eine Kennzahl, die angibt, wie hoch das Unternehmen bewertet sein wird, nachdem der Investor das Geld überwiesen hat.

Siemens jedenfalls will das Start-up auch mit seinem technologischen Know-how unterstützen. Welche konkreten Lösungen zum Einsatz kommen werden, ließ VW aber ebenfalls offen. Siemens stellt beispielsweise Leistungselektronik für die E-Infrastruktur her, entwickelt aber auch Software, um den Betreibern eine effizientere Verwaltung ihrer Ladestationen zu ermöglichen.

Mein Fazit für Sie

Electrify America ist ein Kuriosum: eine Firma, die praktisch als Strafe gegründet wurde. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Start-up gigantisches Wachstumspotenzial bietet. Für VW könnte sich das Ganze im Endeffekt gar als Glücksfall herausstellen, auch weil Electrify America auf breite Unterstützung aus der Wirtschaft und nicht zuletzt aus der Politik setzen kann.

So will US-Präsident Joe Biden den Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv voranbringen. Die VW-Tochter darf sich also auf eine regelrechte Auftragsflut einstellen. Dass man nun mit Siemens einen etablierten Technologiepartner gefunden hat, rundet die Wachstumsperspektive lukrativ ab.

Hinzu kommt, dass VW ohnehin einen stärkeren Fokus auf den amerikanischen Markt legen will. So hatte man vor Kurzem den Elektro-Pick-Up „Scout“ angekündigt, der den US-Hype rund um die Pritschenwagen in die Zukunft führen soll.

Für die VW-Aktie und für Sie als Anleger ist Electrify America also durchaus ein starkes langfristiges Signal.