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Q3-Zahlen: Welche Störfaktoren Hyundai aktuell ausbremsen!

Inhaltsverzeichnis

Hyundai ist einer der größten Autokonzerne der Welt und stellt zusammen mit der Tochterfirma Kia auch in Deutschland zwei sehr beliebte Importmarken. Kürzlich haben die Südkoreaner nun  ihre Zahlen zum dritten Quartal veröffentlicht. Kurzum: ein wirklicher Befreiungsschlag war die Zwischenbilanz nicht.

Bevor wir uns die Zahlen genauer anschauen, zunächst ein paar Hintergrundinfos zur Einordnung: Wenn wir hier in Europa von Hyundai sprechen, meinen wir in der Regel die Hyundai Motor Group. Diese ist nicht zu verwechseln mit der ebenfalls aus Südkorea stammenden Hyundai Group, einem Mischkonzern, der unter anderem Aufzüge sowie Schiffe herstellt und aus dem sich die Hyundai Motor Group Ende der 90er herausgelöst hatte.

Zur Hyundai Motor Group gehört die Hauptmarke „Hyundai“, die Schwestermarke „Kia“ sowie die neue Premiummarke „Genesis“. Letztere spielt aktuell eine immer größere Rolle. Dazu aber gleich mehr.

Q3 2022: Hyundai steigert Umsatz und Absatz deutlich

Zunächst: Laut aktuellen Zahlen konnte Hyundai im dritten Quartal seinen Umsatz massiv steigern. Demnach schossen die Erlöse um mehr als 30 Prozent auf umgerechnet 26,5 Milliarden Euro nach oben. Die Südkoreaner begründeten das Wachstum mit einem gestiegenen Absatz  bei gleichzeitig höher erzielten Preisen.

So verbesserte sich der weltweite Absatz in Q3 um 14 Prozent auf etwa 1,025 Millionen verkaufte Fahrzeuge. Allein im September konnte man demnach rund 355.000 Autos verkaufen und damit 24,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Hyundai wies darauf hin, dass sich die Versorgungslage bei Mikrochips im abgelaufenen Quartal spürbar verbessert habe. Und auch im Schlussquartal soll diese Erholung weitergehen. Trotzdem hat man nun die Absatzprognose für das Gesamtjahr von 4,32 auf 4,01 Millionen Einheiten reduziert.

Konjunktursorgen und Subventions-Ausgrenzung in den USA

Hyundai betonte dabei die konjunkturellen Probleme, die zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher und die geopolitischen Unsicherheiten. Diese sorgen derzeit weltweit für Belastungen – obschon nicht in allen Einzelmärkten gleichermaßen stark.

Neben der Konjunktur geraten die Südkoreaner derzeit in den USA aus politischen Gründen in Bedrängnis. So hatte der US-Kongress kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das vor allem ausländischen Marken den Zugang zu staatlichen Förderungen bzw. Kaufanreizen verwehrt. Konkret dürfen in den USA keine Elektroautos auf Bundesebene mehr gefördert werden, deren Batterien zu großen Teilen im Ausland produziert werden. Das betrifft unter anderem Hyundai.

Und offenbar hat das bereits Konsequenzen. So krachte der Absatz des Elektro-SUVs „Ioniq 5“ im September in den USA um 14 Prozent ein. Die Südkoreaner erwägen nun ein US-Joint-Venture zur Beschaffung von Batteriematerialien, um sich für die neuen Steuergutschriften zu qualifizieren. Wie genau das aussehen könnte, blieb jedoch offen.

Wegen Motorengarantie: Südkoreaner melden Profitschwund

Nun zur Profitabilität. Hier zeigte sich Hyundai nämlich alles andere als stark. So erzielten die Südkoreaner in Q3 einen Gewinn von insgesamt nur noch 995 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang im Jahresvergleich um 5,1 Prozent.

Der Autogigant aus Seoul begründete den Profitschwund mit einer hohen Rückstellung rund um Rückrufe von Motoren und einer entsprechenden Garantie. 2015 und 2017 hatten Hyundai und die Schwestermarke Kia in den USA 1,7 Millionen Autos wegen Motorenproblemen zurückgerufen. Auf die Austauschmotoren gaben die beiden Marken dann eine lebenslange Garantie.

Da auch in den USA die Preise für Neuwagen inzwischen stark gestiegen sind, entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, ihren Gebrauchten länger zu fahren. Deshalb erweist sich die von Hyundai und Kia gewährte Garantie als Fass ohne Boden. So habe die Zahl an entsprechenden Ersatzansprüchen zuletzt deutlich zugenommen, musste Hyundai einräumen. Immerhin: Das Management hofft, dass man durch die hohe Rückstellung jene Belastungen nun zu den Akten legen kann.

Hyundai will verstärkt auf teurere Modelle setzen

Apropos Profit: Für das Gesamtjahr zeigte man sich hier durchaus zuversichtlich. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Konzern inzwischen mehr und mehr auf seine teureren Modelle setzt. Hier kommt unter anderem die oben erwähnte Premium-Marke „Genesis“ ins Spiel. Hyundai will deren Produktionskapazitäten erhöhen.

Das Kalkül: Jene Autos werden in der Regel ohnehin nur von zahlungskräftigen Kunden nachgefragt. Und eben diese können die Belastungen durch die Inflation wesentlich besser wegstecken und sind öfters dazu bereit bzw. in der Lage, bei Luxusanschaffungen mehr Geld auf den Tisch zu legen.

Mein Fazit für Sie

Das neue Zahlenwerk von Hyundai ist durchwachsen. Es ist aber weit davon entfernt, eine Vollkatastrophe zu sein. Die Südkoreaner zeigen durchaus eine gewisse Resilienz.

Zugutekommt dem Konzern seine internationale Stellung. Die Fahrzeuge des Konzerns werden in praktisch allen Ländern dieser Welt verkauft. Dadurch kann Hyundai außerordentliche Schwächephasen in einigen Märkten durch andere besser kompensieren.

Mit einem für 2022 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 4,7 Zählern und einer Dividendenrendite von 3,18 Prozent ist die zuletzt stark strauchelnde Aktie derzeit sogar recht attraktiv bewertet (Stand: 24.10.2022, 17:00 Uhr). Als Anleger sollten Sie dennoch wegen der volatilen Weltlage jederzeit auf kurz- bis mittelfristige Rücksetzer gefasst sein.

Auf lange Sicht hingegen können Sie mit der Aktie eigentlich kaum etwas falsch machen – nicht nur weil Hyundai in Sachen Elektromobilität zukunftsfähig aufgestellt ist. Auch beim autonomen Fahren und der Robotik gilt der Konzern als wichtiger Wegbereiter.