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Krisen? Welche Krisen? Dieser Autobauer ist pferdestark!

Inhaltsverzeichnis

Es gibt Produkte, die scheinen einfach immer zu gehen. Dazu gehören auch die Fahrzeuge mit dem Pferd-Logo – von Ferrari. Die Kundschaft der Italiener ist schlicht so zahlungskräftig, dass Preiserhöhungen offenbar keine große Rolle spielen. In Zeiten der grassierenden Inflation ist das ein wichtiger Vorteil für den Traditionskonzern aus Maranello.

Ferrari krisenfest: Umsatz, Absatz und Gewinn steigen in Q3

Vielleicht haben Sie es auch schon in den Medien gelesen: Ferrari hat im dritten Quartal seinen Umsatz um knapp 19 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro verbessert. Das operative Ergebnis (EBITDA) sprang um 17 Prozent auf 435 Millionen Euro nach oben. Der Nettogewinn lag indes bei 228 Millionen Euro (+10 %). Die Nettomarge pendelte sich damit bei 18,24 Prozent ein. Für einen Autobauer ist das nach wie vor eine äußerst lukrative Gewinnspanne.

Aber nicht nur das: Auch die Nachfrage scheint ungebrochen hoch zu sein. So stieg der Ferrari-Absatz in Q3 um rund 16 Prozent. Die Italiener haben somit zwischen Juli und Ende September insgesamt 3.188 Autos verkauft. Einen starken Zuwachs meldete man für China, Hongkong und Taiwan. Dort schoss der Absatz um 73 Prozent auf 431 Exemplare nach oben.

Zuwächse verzeichnete man auch im sonstigen asiatisch-pazifischen Raum (+15 %) und in der Region „Americas“ (+28 %). Lediglich im für Ferrari größten Wirtschaftsraum EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) musste man beim Absatz leicht Federn lassen – um 1 Prozent.

Top Nachfrage: Italiener schrauben Prognose nach oben

Konzernchef Benedetto Vigna zeigte sich jedenfalls zuversichtlich. Mit Ausnahme weniger Modelle sei das gesamte Sortiment ausverkauft, so der Manager. Starkes Interesse gibt es demnach zum Beispiel am Sportwagen „Ferrari 296 GTB“, dem ersten Plug-in-Hybrid-Sportwagen aus Maranello. 

Ferrari hatte bereits Anfang August wegen der überraschend gut laufenden Geschäfte seine Jahresprognose für 2022 angehoben. Nun hat man noch einmal eine Schippe draufgelegt. Demnach rechnet der Premium-Autobauer mit einem Umsatz von 5 Milliarden Euro (vorherige Prognose: 4,9 Mrd.). Im letzten Jahr hatte man 4,3 Milliarden Euro erlöst. Und auch in Sachen Gewinn sendete man nun noch positivere Signale. Für das bereinigte EBIDTA peilt man jetzt einen Wert von mehr als 1,73 Milliarden Euro an (zuvor: 1,7 bis 1,73).

Profitiert hat das Unternehmen in Q3 neben der beachtlichen Kundennachfrage und der Preissteigerungen auch von Währungseffekten. Vor allem die Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem chinesischen Yuan polierte die Bilanz auf.

Motorengeschäft schrumpft

Einen Wermutstropfen gibt es trotzdem: So sanken die Erlöse im Motorengeschäft. Ferrari verkauft an den italienischen Konkurrenten Maserati und an diverse Formel-1-Teams Verbrenneraggregate. In Q3 gingen die Umsätze hier um 25 Prozent auf 41 Millionen Euro zurück.

Im nächsten Jahr dürfte das Geschäft noch weiter schrumpfen. Der Grund: Maserati will ab 2023 keine Ferrari-Motoren mehr abnehmen. Da dieses Geschäft ohnehin relativ übersichtlich ist, wird Ferrari den Wegfall verschmerzen können.

Ferraris bislang größte Wette: die Elektromobilität

Viel wichtiger ist da die langfristige Zukunftsperspektive. Und die heißt: Elektromobilität. Ferrari will viel Geld in Hybrid-Autos, aber auch in reine Stromer investieren. 2025 soll der erste komplett batteriegetriebene Ferrari im Maranello-Werk vom Band rollen. Weitere Modelle sollen folgen.

Bis 2030 will man beim Verkaufsmix einen Anteil von 40 Prozent bei reinen Elektroautos erreichen – ebenso bei den Hybriden. Auf die Verbrenner sollen dann nur noch 20 Prozent entfallen.

Die Elektro-Transformation ist die bislang wohl größte Wette der Traditionsfirma. Denn: Noch ist unklar, ob die Stammkundschaft vor allem die reinen Stromer-Sportflitzer überhaupt annehmen wird. Ferrari muss also Hebel in Bewegung setzen, um das ikonische Fahrgefühl und den kräftigen Sound auf die Elektromobilität zu übertragen.

Zudem kommt der Umstieg auf die E-Autos relativ spät. Konkurrent Porsche etwa ist bereits seit einigen Jahren mit einem vollelektrischen Modell auf dem Markt (Taycan). Die Italiener lassen sich also Zeit – und wollen dem Verbrenner so schnell noch nicht Lebewohl sagen. Kein Wunder also, dass sich Ferrari auch für synthetische Kraftstoffe einsetzt.  Diese sind zwar deutlich teurer als konventioneller Sprit, bieten jedoch Klimavorteile.

Mein Fazit für Sie

Ferrari zeigt sich derzeit krisenresistent. Das hat vor allem damit zu tun, dass die zahlungskräftige und treue Kundschaft der Italiener inflationsbedingte Preiserhöhungen eher mitgehen kann als Kunden von Volumenmarken.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze im Zuge einer möglichen Rezession entwickeln wird. Zumindest in Italien und Deutschland halten Ökonomen einen Wirtschaftsrückgang für kaum noch vermeidbar. 2023 könnte für Ferrari also durchaus Belastungsfaktoren mit sich bringen. Hinzu kommt die noch ungewisse Perspektive in Sachen Elektromobilität.

Auf der anderen Seite ist Ferrari ein hochprofitables Unternehmen. Von den Gewinnmargen der Italiener können andere Autobauer nur träumen. Der Konzern hat also ausreichend Geldmittel zur Verfügung, um in seine Zukunft zu investieren.

An der Börse scheinen die Risikofaktoren indes nicht ausgeblendet zu werden. Auf 12-Monats-Sicht steht die Ferrari-Aktie mit 11,5 Prozent im Minus (Stand: 03.11.2022, 10:30 Uhr). Viele Analysten sehen deshalb Luft nach oben. Laut Marketscreener liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten 22 Prozent über dem Kursniveau von Donnerstagvormittag.

Vor allem die Tatsache, dass sich Ferrari im Vergleich zum Erzrivalen Aston Martin operativ deutlicher robuster zeigte, sorgt bei den Analysten derzeit für Hoffnung. Aston Martin hatte kürzlich sein Auslieferungsziel wegen Problemen in den Lieferketten und der Logistik reduziert. Um diese Probleme zu lösen, müssen die Briten viel Geld in die Hand nehmen, was wiederum die Profitabilität extrem belastet.

Ferrari hingegen scheint mit den Krisen bis dato wesentlich besser zurechtzukommen.